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Vom Terror zur Hoffnung auf Frieden: Wie sich die Lage in Kasachstan entwickelt – Exklusiv-Interview

© SNA / Sputnik / Zur BilddatenbankFolgen der Ausschreitungen bei Protesten in Kasachstan
Folgen der Ausschreitungen bei Protesten in Kasachstan - SNA, 1920, 09.01.2022
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Die schweren Unruhen im zentralasiatischen Kasachstan, die aus friedlichen Demos hervorgingen und schließlich zu einem landesweiten Notstand geführt haben, sind seit Anfang Januar weltweit in den Schlagzeilen. Über die aktuelle Lage im Land hat SNA mit Aischan Nurgazinowa, Produzentin bei der Nachrichtenagentur Sputnik Kasachstan, gesprochen.
Wie ist die aktuelle Lage in Nur-Sultan? Können sich die Einwohner wie gewohnt durch die Hauptstadt bewegen, einkaufen gehen?
Jetzt ist die Situation in Nur-Sultan stabil, und in diesen Tagen war sie stabil. Alles war ruhig genug, nur die Sicherheit der administrativen, zentralen, staatlichen Stellen wurde gestärkt. Um den Ak-Orda (die Residenz des kasachischen Präsidenten – Anm. d. Red.) wurde die Sicherheit verstärkt, es wurde mit militärischer Ausrüstung abgesperrt. Die einzigen Unannehmlichkeiten in Nur-Sultan waren Internetausfälle und Störungen bei der Mobilfunkkommunikation. Aus diesem Grund bildeten sich Warteschlangen an Geldautomaten – die Leute wollten Bargeld abheben, da in Geschäften nur Barzahlung akzeptiert wurde. Heute (das Interview wurde am 7. Januar aufgenommen – Anm. d. Red.) funktionieren bereits Apps einiger Banken, sodass man Dienstleistungen und Waren sowohl mit der Karte als auch mit Apps oder durch Geldüberweisungen bezahlen kann. Langsam wird alles besser, das Internet funktioniert zwar mit Unterbrechungen, aber die Leute erhalten Informationen und haben die Möglichkeit, Nachrichten zu lesen, in sozialen Netzwerken zu kommunizieren. Das heißt, es gibt kein Informationsvakuum – es gibt Unterbrechungen, aber es gibt eine Verbindung. In anderen Regionen ist die Kommunikation natürlich noch nicht vollständig wiederhergestellt. Wie der Präsident versprochen hat, wird es sich stabilisieren, wenn die Anti-Terror-Operationen abgeschlossen sind und sich die Lage insgesamt im Land stabilisiert. Wir hoffen, dass es bald so sein wird. Im Allgemeinen können sich die Bewohner frei durch die Stadt bewegen, einkaufen: Es gibt keine Einschränkungen. Am Rande der Hauptstadt gibt es Kontrollpunkte, aber der Transport kann sowohl ein- als auch ausreisen. Das Einzige ist: Da es eine Ausgangssperre gibt, werden nachts nicht alle Transporte durchgelassen und Verkehrsmittel werden stichprobenartig kontrolliert.
RT-Büro in Moskau (Archivbild) - SNA, 1920, 08.01.2022
Freiberuflicher RT-Korrespondent in Kasachstan festgenommen
Mit welchen Schwierigkeiten waren die Journalisten bei der Berichterstattung konfrontiert? Wie gefährlich ist es zu arbeiten?
Schwierigkeiten gab es nur wegen des Ausfalls von Internet und Mobilfunk. Unsere Korrespondenten in Almaty und in anderen Regionen haben die gleichen Schwierigkeiten mit dem Internet und dem Mobilfunk. Da in Almaty friedliche Kundgebungen bereits in Pogrome und sozusagen Terroranschläge übergegangen sind, ist es einfach gefährlich, auf der Straße zu sein, aber unsere Korrespondenten von Sputnik Kasachstan haben die Ereignisse all die Tage verfolgt, wenn möglich, Nachrichten und Videos geschickt – also sie waren Augenzeugen von allem, was dort passiert.
Tokajew versprach, die Ordnung bald wiederherzustellen. In einem so großen Land scheint dies eine unrealistische Aufgabe zu sein. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich die Dinge bald beruhigen?
Jeder versteht, dass die friedlichen Kundgebungen, die nach dem Neujahr begannen, schon lange vorbei sind. (...) Die Behörden haben sie gehört. Es wurden Maßnahmen zur Senkung des Gaspreises ergriffen, der Rücktritt der Regierung wurde beschlossen. Es schien, dass die grundlegenden sozioökonomischen Forderungen der friedlichen Demonstranten akzeptiert wurden und alles damit enden würde. Doch dann tauchten plötzlich ganz andere (soziale – Anm. d. Red.) Schichten auf, die sich zunächst hinter friedlichen Demonstranten versteckten, und begannen, aktive Handlungen zu provozieren, um dann offen gewalttätig zu agieren. (…) Sowohl die Menschen als auch wir, Journalisten, verstehen, dass friedliche Demonstranten und diejenigen, die diese Gewalttaten, diesen Terror, begangen haben, völlig unterschiedliche Gruppen sind. Hoffen wir also, dass es in naher Zukunft etwas Klarheit gibt. Auch wir verstehen wegen der Ausfälle beim Internet und dem Mobilfunk diese Situation nicht gänzlich.
Im Westen ist die Hauptnachricht Tokajews Schießbefehl. Er wird wegen übermäßiger Grausamkeit verurteilt. Wie wird diese Entscheidung in Kasachstan wahrgenommen?
Ob die Entscheidung der Behörden grausam ist oder nicht, lässt sich natürlich diskutieren. Und während man diskutiert und keine Maßnahmen ergriffen werden, ist unser Leben und das Leben unseres Volkes in Gefahr, weil bewaffnete Menschen durch die Straßen rennen, zerschlagen und zerstören. Und wie soll man mit so einem Menschen sprechen, wenn der bewaffnet ist und nichts versteht: Er plündert und rennt mit Waffen in der Hand herum. Im Gegenteil, die Leute wollen (...) dass diese Gesetzlosigkeit schneller ein Ende hat und diese schlaflosen Nächte zu Ende gehen, denn wir alle machen uns Sorgen um unser Land, um den Frieden in unserem Land und wir wollen wieder zu einem normalen Leben zurückkehren – in das gewöhnliche friedliche Leben, das wir all die letzten Jahrzehnte in unserem Land kannten.
Marco Buschmann, Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz (Archiv) - SNA, 1920, 07.01.2022
Kasachstans Präsident erteilt Schießbefehl – Bundesjustizminister Buschmann verurteilt die Anordnung
Auch Menschen aus anderen Regionen, mit denen wir im Kontakt stehen, sind besorgt: Alle sind besorgt und wollen, dass der Frieden in unserem Land wiederhergestellt wird. Niemand will eine Fortsetzung davon, was in diesen Tagen passiert.
Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten Tagen?
Sie (Korrespondenten von Sputnik Kasachstan – Anm. d. Red.) berichten, dass sie mit Einwohnern gesprochen haben, und dass die Zahl der Polizeibeamten und des Militärs auf den Straßen zugenommen hat, was Vertrauen bei den Bürgern weckt. Die Menschen können sich bereits jetzt frei in der Stadt bewegen und fühlen sich insgesamt sicherer als gestern. Gestern (am 6. Januar – Anm. d. Red.) hatten die Leute natürlich Panik, sie hatten Angst, auf die Straße zu gehen, und sie haben all diese Ereignisse aus den Fenstern beobachtet – die Schießerei und den Terror und die Plünderungen. Dabei war es laut den Einwohnern nicht klar, woher diese seltsamen jungen Leute, die das alles arrangiert haben, kamen. Es gab Fälle, sagten Augenzeugen, bei denen einige aggressiv gesinnte Menschen nicht Russisch oder Kasachisch, sondern eine unverständliche Sprache sprachen, und einige waren sogar betrunken. Daher haben die Menschen und wir, Journalisten, eine Frage – wer hat das alles organisiert, wer steckt dahinter?
(…) Viele Einwohner von Almaty und anderen Regionen warten ungeduldig auf das Ende der Anti-Terror-Operation und drängen darauf, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Wir stehen in sozialen Netzwerken miteinander in Kontakt, damit unsere Stadt in naher Zukunft wiederhergestellt werden kann. In einigen Regionen und Städten haben die Sanierungsarbeiten bereits begonnen – Städte werden langsam vom Müll, von all den Folgen der Unruhen geräumt und in der Hauptstadt werden beispielsweise freiwillige Volksabteilungen gebildet. Dazu gehören Sportler, Geschäftsleute und Freiwillige, die einfach aus persönlichen Motiven helfen wollen, um Ordnung auf den Straßen zu halten, um unsere einfachen Bürger vor der Willkür unbekannter, aggressiver Menschen zu schützen. So ist die Lage.
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