Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Ein Aus wäre ein wirtschaftliches Risiko“: Uniper-Chef pocht auf Inbetriebnahme von Nord Stream 2

© SNA / Ilya PitalyowBauarbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 (Archivbild)
Bauarbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 (Archivbild) - SNA, 1920, 04.01.2022
Abonnieren
Die beiden Stränge der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 sind nun einsatzbereit, doch die für ihre Inbetriebnahme erforderliche Genehmigung der Bundesnetzagentur steht weiterhin aus. Der Chef des Düsseldorfer Energieunternehmens Uniper, Klaus-Dieter Maubach, warnt vor möglichen wirtschaftlichen Risiken im Falle der Nicht-Freigabe der Pipeline.
Maubach zufolge ist Nord Stream 2 wichtig. Wie der Uniper-Chef gegenüber der „Rheinischen Post“ am Dienstag erklärte, trägt jede zusätzliche Import-Möglichkeit zur Entspannung der Lage auf dem Gasmarkt bei.
Die Ostsee-Pipeline, die von Russland nach Deutschland führt, ist nach Angaben des russischen Energieriesens Gazprom seit Ende Dezember startklar – noch fehlt allerdings die für die Inbetriebnahme nötige Zertifizierung durch die Bundesnetzagentur.
„Ich sehe da keine politische Beeinflussung, die Netzagentur prüft wie vorgesehen. Mitte 2022 könnte es so weit sein“, sagte Maubach.
Er sieht allerdings dabei auch gewisse politische Risiken. Sollte sich „der Konflikt Russland-Ukraine“ verschärfen, so der Uniper-Chef, könnte die Pipeline Ziel von US-Sanktionen werden. In diesem Zusammenhang hob er die Notwendigkeit einer Diplomatie hervor. Mit Blick auf eine mögliche Nicht-Freigabe von Nord Stream 2 warnte Maubach:
„Ein Aus wäre ein wirtschaftliches Risiko für uns und ein Risiko für die Gasversorgung in Europa. Das müssen die politisch Verantwortlichen wissen.“
Deutschland importiere mehr als 90 Prozent seines Gasbedarfs aus dem Ausland, davon wiederum gut die Hälfte aus Russland, erklärte der Uniper-Chef.
„Von den rund 400 Terrawattstunden, die wir Deutschen jedes Jahr netto aus Russland importieren, entfallen allein fast 250 Terrawattstunden auf Langfristverträge, die Uniper mit Russland hält“, führte Maubach weiter aus.

Pipeline als Rettungsmittel gegen steigende Gaspreise

Einen Tag früher hat der Analytiker von BCS Global Markets, der Investitionsbank der Finanzgruppe BCS, Ronald Smith, erklärt, eine baldige Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2 und eine Vergrößerung der Lieferungen aus Russland könnten zur Senkung der Gaspreise in Europa führen.
Zwar werde die Balance zwischen Nachfrage und Angebot keine nennenswerten Änderungen erfahren, wobei Europa wie bislang mit einem Gasmangel konfrontiert sein werde. Aber das Risiko, dass die Lieferungen nach Europa eingestellt würden, könnte sinken, so der Experte.
Der Direktor der Gruppe für Naturressourcen und Rohstoffwaren der Agentur Fitch, Dmitri Marintschenko, hat sich seinerseits dahingehend geäußert, dass nicht die Inbetriebnahme der Gasleitung an sich so sehr wichtig sei, sondern vielmehr „ein hohes Maß an Bereitschaft von Gazprom“, danach seine Lieferungen zu vergrößern. Das bedeute, Spotverkäufe über eine elektronische Plattform wiederaufzunehmen und den Füllstand der eigenen Speicher in Europa komfortabel zu machen, so Marintschenko.
Sollten diese Bedingungen eingehalten werden, würden sich die Preise wahrscheinlich normalisieren und unter die 500-Dollar-Grenze je 1000 Kubikmeter sinken, sagte der Fitch-Analytiker.
Nord Stream 2 - SNA, 1920, 29.12.2021
Zweiter Strang von Nord Stream 2-Pipeline mit Gas gefüllt

Nord Stream 2

Das Projekt Nord Stream 2 umfasst den Bau von zwei Strängen der Pipeline mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Die Gasleitung verläuft von der russischen Küste durch die Ostsee nach Deutschland. Die Pipeline wurde je zur Hälfte von Gazprom und den Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert.
Die Gaspipeline wurde bereits fertiggestellt, allerdings steht die Zertifizierung der Pipeline noch bevor. Die Bundesnetzagentur hatte das entsprechende Verfahren im November unterbrochen und Auflagen erteilt, die Nord Stream 2 erfüllen will. Erst dann kann das Verfahren fortgesetzt werden.
Danach bleiben der Bonner Behörde noch knapp zwei Monate für das Verfahren. Anschließend hat die EU-Kommission bis zu vier Monate Zeit für eine Stellungnahme. Danach hat nochmals die Bundesnetzagentur zwei Monate Zeit für eine etwaige Zertifizierung.
Die Pipeline wird seit langem von den USA, aber auch von einigen EU-Ländern scharf kritisiert. Sie befürchten eine zu große Abhängigkeit von Russland bei der Energieversorgung. Moskau hat bereits mehrmals betont, dass Nord Stream 2 ein kommerzielles Projekt darstelle, das sowohl für Russland als auch für die EU Vorteile habe und nicht politisiert werden sollte.
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала