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Russlanddeutsche in Russland und Deutschland: Wo sind sie zu Hause?

© SNA / Nikolaj JolkinDer Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Bernd Fabritius während einer Weihnachtsveranstaltung in Moskau
Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Bernd Fabritius während einer Weihnachtsveranstaltung in Moskau - SNA, 1920, 28.12.2021
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Es gibt kein Land, in dem der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, nach eigenen Worten so oft gewesen ist, wie in der Russischen Föderation.
„Und wir haben partnerschaftliche Beziehungen mit 26 Ländern“, sagte er im exklusiven SNA-Interview. Auf die Frage, was ihn im Leben der Russlanddeutschen hierzulande besonders erfreut, sagt er: „Vieles. Ich könnte nicht nur einen Punkt, sondern viele nennen. Was mich aber begeistert, ist die Kombination dessen, was ich unter der russlanddeutschen Seele verstehe. Das ist, dass die Russlanddeutschen zum einen das Leben, was sie zu Zeiten Katharinas der Großen an die Wolga und in andere Regionen mitgebracht haben: die Verankerung im christlichen Glauben, einen Familienbezug, Leistungswille und Tatendrang.“
„Das alles verbinden sie auf vortreffliche Weise mit dem, was sie in der Sozialisation im großen Russischen Reich und in der Sowjetunion mitgenommen haben“, so Fabritius. „Ich nenne die klassische russische Warmherzigkeit, die Gastfreundschaft, die emotionale Tiefe. Das alles zusammen macht für mich die russlanddeutsche Seele aus, und sie ist begeisternd.“

Russlanddeutsche Aussiedler in Deutschland: Haben sie ihre Heimat in Russland verlassen?

„In Deutschland leben mehrere Millionen Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion“, antwortet der Minderheitenbeauftragte. „Ich nenne sie alle zusammen Russlanddeutsche, ganz gleich, ob sie aus der Russischen Föderation, aus Kasachstan oder aus der Ukraine kommen. Ich würde sagen, sie haben ihre Heimat hier nicht verlassen. Sie sind nur weggegangen und sind jetzt an einem anderen Ort. Aber ihre Wurzelheimat haben sie nach wie vor auch hier. Sie tragen sie im Herzen. Sie tragen sie im Geiste. Sie sind in Deutschland, in der Heimat ihrer Vorfahren wieder beheimatet.“
Das Deutsch-Russische Haus - SNA, 1920, 24.12.2021
Zu Weihnachten erhielten Russlanddeutsche ihr eigenes Haus in Moskau
„Sie haben aber das unglaublich große Glück“, so Prof. Dr. Bernd Fabritius weiter, „dass sie zwei Heimaten im Herzen haben. Einmal die hier und einmal die, wo sie jetzt leben. Auch das macht die Russlanddeutschen, Aussiedler und Spätaussiedler aus.“

Mit welchen Problemen sind Russlanddeutsche in Deutschland konfrontiert?

„Es gibt schon Herausforderungen“, merkt der Beauftrage an. „Speziell die Älteren haben Herausforderungen bei der Eingliederung im Sozialsystem in Deutschland. Sie kommen ja aus einem Sozialsystem, das für sie heute nicht mehr sorgt. Sie haben zum großen Teil in der Sowjetunion gearbeitet, aber die Sowjetunion zahlt ihnen keine Rente nach Deutschland. Es gibt die Sowjetunion gar nicht mehr, und deswegen muss diese Zeit im deutschen Sozialsystem aufgenommen werden. Das ist keine ganz einfache Sache.“
„Da arbeitet man dran“, fügt Fabritius hinzu. „Sie müssen Ihre Lebensbiographien in Deutschland umbewerten. Sie müssen ihre Zeugnisse anerkennen lassen, damit sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt ankommen können und dass sie wieder ihre Taten, ihren Tatendrang und die Leistungsfähigkeit bringen. Und gerade die jungen Russlanddeutschen, die in der Sowjetunion geboren und aufgewachsen sind, haben zum Teil Defizite in der eigenen Muttersprache. Ich sage immer: Die Muttersprache ist im Winterschlaf, weil man die gar nicht benutzen durfte.“
E. Jansson-Maniser „Champion-Eisläuferin Isakowa“ - SNA, 1920, 20.10.2021
Geschichte russlanddeutscher Künstlerdynastie in Moskau vorgestellt
„Zur Zeit der Sowjetunion hat man verboten, Deutsch zu sprechen“, urteilt Fabritius. „Das alles müssen wir wiederbeleben. Das sind die Herausforderungen. Aber die Russlanddeutschen, die heute in Deutschland leben, können ja profitieren von der soliden Basis, die sie mitgebracht haben: die Herzenswärme und der Leistungswille. Das zeichnet sie aus. Und das führt dazu, dass sie in großen Teilen sehr schnell und gut angekommen sind.“
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