Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Nach Vorstoß für teurere Lebensmittel: Grünen-Agrarminister Özdemir zur Kasse gebeten

© REUTERS / MICHELE TANTUSSIBundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir betrachtet im Bundestag, den 10- Dezember.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir betrachtet im Bundestag, den 10- Dezember.  - SNA, 1920, 27.12.2021
Abonnieren
Es sollte keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) am Wochenende gefordert – vor allem, damit die Menschen sich gesünder ernähren. Jetzt wird er mit Gegenforderungen konfrontiert.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert unter anderem einen sozialen Ausgleich für Arme, wenn Lebensmittel zum Schutz der Umwelt und bäuerlicher Betriebe teurer werden sollten. Der Geschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, setzte sich in der Montagsausgabe der „Welt“ für Sozialhilfeempfänger ein. Entsprechende Preissteigerungen, forderte er, müssten „zwingend mit einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze einhergehen“. Man könne Ökologisches und Soziales nicht trennen, legte Schneider nach. Es gehe nur ökosozial, sonst würde die Unterstützung der Bevölkerung verloren gehen.
Grünen-Abgeordneter Cem Özdemir (Archivbild) - SNA, 1920, 26.12.2021
Özdemir über Hanf-Anbau: Bauern bereits „in den Startlöchern“
Zuvor hatte Özdemir in „Bild am Sonntag“ Dumpingpreise für Lebensmittel und Agrarprodukte kritisiert.
„Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben“, sagte er, denn sie würden Bauernhöfe in den Ruin vertreiben, mehr Tierwohl verhindern, das Artensterben befördern und das Klima belasten. Vor allem plant er nach eigenen Angaben strengere Vorgaben für Fertigprodukte, damit sich die Menschen gesünder ernähren.
„Deutschland ernährt sich insgesamt zu ungesund“, prangerte er an. „Der Grund dafür sind zu viel Zucker, Fett und Salz, vor allem in Fertigprodukten“. Die Politik habe zu lange versucht, die Industrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Reduktion dieser Inhaltsstoffe zu bewegen. Damit sei jetzt Schluss. „Mit mir wird es verbindliche Reduktionsziele geben“, versprach er. Er möchte auch, dass die Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel genauso wertschätzten würden wie ihre Autos.

„Manchmal habe ich das Gefühl, ein gutes Motoröl ist uns wichtiger als ein gutes Salatöl“, erklärte Özdemir. Lebensmittel dürften zwar kein Luxusgut werden, doch der Preis müsste die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken.

Grüne versprachen sozial gerechten Klimaschutz

Zum Erstaunen der Opposition verlangt inzwischen selbst die Union, das Soziale im Auge zu behalten. „Wir werden jedenfalls sehr genau auf die sozialen Auswirkungen achten, denn nicht jeder kann sich Bio-Produkte leisten“, sagte beispielsweise CDU/CSU-Fraktionsvize Steffen Bilger der „Welt“. Bilger brachte auch einen möglichen Import günstigerer Lebensmittel aus dem Ausland ins Spiel. Interessanterweise erinnert die Kritik an Özdemirs Plänen an die Versprechen der Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, in ihrer Wahlkampagne. Klimaschutz funktioniere nur, wenn er sozial gerecht sei, wiederholte Baerbock im Sommer immer wieder. Der sozial gerechte Klimaschutz wurde dann auch ins Wahlprogramm der Grünen als ein zentrales Wahlversprechen aufgenommen.
Mittlerweile hat Agrarminister Özdemir angekündigt, die Fläche ökologisch bestellter Felder bis 2030 von derzeit knapp 10 auf 30 Prozent auszuweiten und die „Nachfragemacht des Staates“ zu nutzen. Auch die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen sollte auf mehr regionale und Bio-Produkte umgestellt werden. Auf Twitter hat sich sein Vorstoß mit höheren Lebensmittelpreisen bereits zu einer kritischen Debatte entwickelt.
„Früher hat man einen preiswerten Zugang zu Lebensmitteln mal für eine soziale Errungenschaft gehalten“, merkte der Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer Jan Schnellenbach an.
„Das Problem ist nicht, dass Cem Özdemir höhere Preise für Essen fordert, das Problem ist, dass viele Arbeitgeber in Deutschland so beschissene Löhne zahlen, dass sich viele Menschen schon jetzt nur die billigsten Lebensmittel leisten können“, schrieb etwa der SPD-Politiker und Publizist Christofer Lauer.
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала