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War Zerfall der Sowjetunion unabwendbar? – Politiker urteilen

© SNA / I. NosovGesamtunionsreferendum zur Frage der Erhaltung der Sowjetunion, 17. März 1991
Gesamtunionsreferendum zur Frage der Erhaltung der Sowjetunion, 17. März 1991  - SNA, 1920, 26.12.2021
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30 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion haben viele Politiker und Personen, die der sowjetischen Machtspitze nahestanden, erklärt, man hätte den Sowjetstaat durch zeitgemäße Reformen oder im Format einer anderweitigen Ländervereinigung erhalten können, aber Außenkräfte und innere Vorgänge hätten das Imperium endgültig geschwächt.
Zu diesem Thema äußerten sich Politiker im Gespräch mit SNA.
Im Dezember 2021 jährt sich die offizielle Auflösung der Sowjetunion zum 30. Mal. Die Staatsoberhäupter von Russland, Weißrussland und der Ukraine hatten am 8. Dezember 1991 ein Abkommen unterzeichnet, mit dem die Beendigung der Existenz der Sowjetunion bekanntgegeben und die Gründung der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten – Anm. d. Red.) verkündet wurde.
Diese Akte ist als „Beloweschje-Abkommen“ in die Geschichte eingegangen. Die Sowjetunion beendete faktisch ihre Existenz am 25. Dezember 1991, als der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow in einer Ansprache an das sowjetische Volk die Einstellung seiner Tätigkeit im Präsidentenamt bekanntgab.
Als letzter Tag der Sowjetunion kann aber der 26. Dezember gelten, an dem vom Rat der Republiken des Obersten Sowjets der UdSSR die Deklaration über die Beendigung der Existenz der Union angenommen wurde.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Zerfall der Sowjetunion als „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet.

Hauptfazit

Politiker, die die Ereignisse von vor 30 Jahren erlebt und daran teilgenommen hatten, glauben, dass das sowjetische Imperium vor dem Hintergrund krisenhafter Veränderungen hätte standhalten können. Der einstige persönliche Dolmetscher des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow und Leiter des Pressedienstes des Gorbatschow-Fonds, Pawel Palaschtschenko, sagte gegenüber SNA, dass die Sowjetunion im Format einer Konföderation in Gemeinschaft mit „sieben oder acht Republiken“ hätte erhalten bleiben können.
„Meiner Meinung nach hätte man (die Sowjetunion – Anm. d. Red.) sicherlich erhalten können. Der letzte Vorschlag Gorbatschows über eine konföderative Union war realisierbar. Dies wäre eine Garantie für die Einheitlichkeit der Streitkräfte, auch wäre es nicht nötig gewesen, das Problem der Nuklearwaffen und das Problem der Seekriegsflotte lösen zu müssen, etc … Man hätte irgendeine Variante finden können. Mehrere – sieben oder acht – Republiken waren bereit, den konföderativen Vertrag zu unterschreiben … Vom historischen Standpunkt aus mag alles unvermeidlich scheinen, in Wirklichkeit aber gibt es immer Varianten“, meinte Palaschtschenko.

Reformen waren nötig

Nach Auffassung des Ex-Vorsitzenden des Ministerrates der Sowjetunion, Nikolai Ryschkow, hatte die Sowjetunion tatsächlich nicht wenig Probleme, so die überholte Planwirtschaft und das Ignorieren der Entwicklung des Westens. Aber bei einer Erneuerung der KPdSU, der richtigen wirtschaftlichen Entwicklung und bei Versuchen, „mit der ganzen Welt Schritt zu halten“, hätte der einheitliche Staat erhalten bleiben können. „Man hätte Reformen – vor allem in der Wirtschaft – durchführen sollen: Nicht abseits vom wissenschaftlich-technischen Fortschritt stehen und das wechselseitige Verhältnis zwischen Betrieben und Werktätigen ändern. Die Partei hätte man erneuern müssen, weil die Parteileitung sich von den Massen entfremdet hatte“, erläutert Ryschkow.

„Wissentlich zerrüttet“

Der letzte Vorsitzende des Obersten Sowjets der Russischen Föderation, Ruslan Chasbulatow, ist der Meinung, dass es keine realen Voraussetzungen für den Zerfall der Sowjetunion gegeben hätte. Die Sowjetunion sei „wissentlich zerrüttet“ worden. Damals hätte die Sowjetunion sich den im Wandel befindlichen Verhältnissen anpassen können, wie jedes soziale System.
„Wenn man sagt, dass der Sozialismus unreformierbar sei, bedeutet das ganz einfach die Unkenntnis der Soziologiegesetze. Die Unkenntnis der Gesetze großer Sozialsysteme. Ist die Sowjetunion etwa aus sich heraus gefallen? Nein, selbstverständlich musste dieses System nicht zugrunde gehen. Es war groß, gewaltig und grandios. Das war ein Leuchtfeuer der Hoffnung für Millionen Menschen. Also wurde es wissentlich zugrunde gerichtet“, schlussfolgerte Chasbulatow.
Lada 2101. Symbolbild - SNA, 1920, 02.10.2021
Russe legt seinen Lada-Wagen mit Sowjet-Teppichen aus
Nach Meinung des Politologen Alexej Sudin, Dozent an der Moskauer Universität für internationale Beziehungen MGIMO, war die eingebrochene „geopolitische Katastrophe“ unvermeidlich. Zwar hätten äußere Kräfte, die um die Schwächung der Sowjetunion bemüht gewesen seien, eine aktive Rolle beim Zerfall des Landes gespielt, doch gerade die inneren Prozesse, die in der Sowjetunion seit geraumer Zeit gelaufen seien, seien ausschlaggebend gewesen.
Auf den Umsturzversuch des sogenannten Staatskomitees für den Ausnahmezustand (GKTschP) eingehend, sagte Sudin, die Desintegrationsprozesse seien zu diesem Zeitpunkt „sehr weit gegangen und konnten kaum mehr rückwärtig gemacht werden“. Er glaube nicht, dass die Sowjetunion hätte erhalten bleiben können, falls der Umsturzversuch des GKTschP erfolgreich gewesen wäre. Es seien „mächtige untergründige Kräfte – nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche und soziale (…) – aktiv geworden und das GKTschP konnte den Zerfall der Sowjetunion nicht mehr verhindern“, sagte Sudin.
Der Leiter des Expertenrates beim Experteninstitut für Sozialforschungen, Gleb Kusnezow, erläuterte den Zusammenbruch der Sowjetunion damit, dass „alles sein Ende und seinen Anfang hat“. Als Beispiel nannte er den Untergang des Römischen Reichs. Zudem werde die Sowjetunion von der jüngeren Generation als Phänomen der Geschichte betrachtet.

Vorteile und Nachteile

Bei der Einschätzung der Ereignisse von vor 30 Jahren haben Vertreter der sowjetischen Machtspitze und Personen aus ihrer Umgebung erklärt, dass der Zerfall der Sowjetunion viel mehr Nachteile als Vorteile gebracht habe.
Der ehemalige Vizepremier der russischen Regierung, Sergej Schachrai, stimmte dem zu. Russland habe mit dem Zerfall der Sowjetunion mehr verloren im Vergleich zu den anderen Sowjetrepubliken. Dabei besteht das Positive seiner Meinung nach darin, dass Russland auf die „Verzögerungsmine“ des Aufbaus der Föderation nach ethnischem Prinzip und auf die „Schizophrenie der Macht“, das heißt die Doppelherrschaft und die Gewaltenteilung, verzichtet hat.
„Der Zusammenbruch der Staatlichkeit einer Großmacht zieht ein großes Trauma nach sich und bringt gleichzeitig sehr wichtige politische Erfahrungen. Hier kommt es darauf an, welche Lehren die Gesellschaft und die politischen Eliten daraus ziehen“, sagte Sudin.
Vom Standpunkt der Politologen hat Russland dank neuer politischer Kräfte, der richtigen politischen Einstellung und der Anschaffung staatlicher Reserven wichtige Lehren aus dem Zerfall der Sowjetunion gezogen. Das Land habe seine Hauptaufgabe bewältigt und sei ein unabhängiger Staat geworden, der sich weiterentwickle und für sein Volk sorge, hieß es.
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