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„Paxlovid“ – Neues Wundermedikament gegen Corona?

© REUTERS / PFIZERCovid-Pille Paxlovid
Covid-Pille Paxlovid - SNA, 1920, 17.12.2021
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Neben den Impfstoffen rücken immer mehr Corona-Medikamente in den Blickpunkt. Nachdem „Remdesivir“ bereits 2020 den Ex-US-Präsidenten Trump „rettete“, gilt jetzt „Paxlovid“ als neue Wunderwaffe gegen Sars-Cov-2. Selbst Gesundheitsminister Karl Lauterbach scheint beeindruckt zu sein.
Auch bevor die ersten Corona-Impfstoffe eingesetzt wurden, bekam bereits im Sommer 2020 ein Medikament gegen Covid-19 eine Zulassung in der EU, wenn auch unter Auflagen. Das antivirale Mittel „Remdesivir“ des US-Konzerns Gilead (Handelsnamen Veklury) soll auch bei dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump zu dessen wundersam schnellen Genesung nach seiner Corona-Infektion im September 2020 beigetragen haben.

Erster Hype vorbei

Daraufhin sprang auch die Bundesregierung auf den Zug auf und bestellte Anfang 2021 für 400 Millionen Euro 200.000 Dosen Antikörper-Medikamente. Diese wurden aber bisher selten eingesetzt, da sie oft nur für bestimmte Patienten infrage kamen und nicht so schnell vor Ort zur Hand waren.
Auch der Hype um „Remdesivir“ hat sich inzwischen gelegt. Das ursprüngliche Anti-Ebola-Mittel wird eigentlich nur noch bei Corona-Patienten mit Lungenentzündung, die zusätzlich Sauerstoff (aber noch keine invasive Beatmung) brauchen, verabreicht, also bei schwereren Fällen. Mittlerweile schätzen Experten etwa der Weltgesundheitsorganisation WHO oder der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen den Nutzen des Medikaments als eher überschaubar ein.
Die Forschung zu Corona-Medikamenten geht jedoch weiter. Weltweit wird nach Angaben des US-Biotech-Branchenverbands Bio an mehr als 600 Medikamenten gegen Covid-19 geforscht. Die meisten davon seien ursprünglich gegen andere Krankheiten entwickelt worden, heißt es vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Zehn Präparate befinden sich bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) auf verschiedenen Stufen im Zulassungsverfahren.

Zwei neue Medikamente in der EU zugelassen

Zwei Medikamente, die das Coronavirus direkt angreifen, haben nun, nach „Remdesivir“ im letzten Jahr, die Zulassung in der EU geschafft. Sie schützen zwar nicht vor einer Infektion, können aber einen schweren Krankheitsverlauf verhindern.
„Ronapreve“ des Schweizer Pharmaunternehmens Roche und „Regkirona“ des Herstellers Celltrion aus Südkorea binden bei Infizierten das Spike-Protein von Sars-Cov-2 an sich, sodass der Erreger nicht in die Körperzellen eindringen kann. Damit soll dessen Ausbreitung verhindert und die Viruslast möglichst niedrig gehalten werden.
Beide Mittel müssen als Infusion verabreicht werden – meistens im Krankenhaus. Seit Kurzem wird die Behandlung nach Angaben des Münchner Universitätsklinikums rechts der Isar dort auch ambulant angeboten.
Diese Antikörper funktionieren im Grunde wie diejenigen, die sich nach einer Impfung oder Infektion bilden – nur sie werden von einer Pharmafirma produziert und nicht vom eigenen Körper.

Corona-Medikamente – weniger Krankenhauseinweisungen

Bei „Ronapreve“, einem Antikörper-Cocktail aus „Casirivimab“ und „Imdevimab“, zeigen Studien: Die Gefahr für Risiko-Patienten, nach einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu kommen oder gar zu sterben, ist um 70 Prozent reduziert. Zudem soll sich bei frisch Infizierten die Viruslast um 90 Prozent verringern und die Gefahr, überhaupt Symptome zu entwickeln, um etwa die Hälfte.
„Regkirona“ mit dem Antikörper „Regdanvimab“ zeigt bei Patienten mit milden bis moderaten Symptomen, dass sie schneller genesen und seltener einen schwereren Verlauf haben. Die Europäische Arzneimittelbehörde verweist etwa auf eine Studie, nach der rund drei Prozent der behandelten Patienten in Kliniken eingewiesen werden mussten, Sauerstoff bekamen oder sogar starben. Bei den Patienten, die das Mittel nicht bekommen hatten, waren es gut elf Prozent.
Es gibt aber einen Haken: Die beiden Mittel sind nicht für alle Corona-Betroffenen geeignet, sondern eigentlich nur für Patienten mit Risiko für einen schweren Verlauf, die aber noch keine oder wenige Symptome haben. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte Ende September gesagt, dass eine Verabreichung der Antikörper-Mittel „fast immer schon zu spät“ sei. Denn bei einem durchschnittlichen Patienten habe sich das Virus bereits zu Symptombeginn im Körper stark vermehrt.

„Paxlovid“ senkt Risiko für schweren Verlauf um 89 Prozent

Am vielversprechendsten ist jedoch ein Mittel, das bisher noch nicht direkt von der EU zugelassen wurde, zu dem aber gerade eine verheißungsvolle Studie erschienen ist. Am Dienstag hat der US-Pharmakonzern Pfizer, die endgültigen Studienergebnisse zur Wirksamkeit seines antiviralen Medikaments „Paxlovid“ vorgelegt. Nach Angaben von Pfizer verhindert die Corona-Pille sehr erfolgreich schwere Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten. Die Analyse von Testergebnissen ergab Pfizer zufolge, dass das Medikament das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-19-Patienten um 89 Prozent senke. Das ist eine Größenordnung, die fast an die besten Impfstoffe herankommt.
Jüngste Labortests deuteten zudem darauf hin, dass das Medikament seine Wirksamkeit auch im Fall einer Infektion mit der Omikron-Variante beibehält.
Selbst der neue Gesundheitsminister und Corona-Mahner der Nation Karl Lauterbach zeigt sich auf Twitter beeindruckt von dem neuen Medikament:
In den USA hat Pfizer bereits eine Notfallzulassung für „Paxlovid“ beantragt. Auch Ema hat nun mit einer Untersuchung des neuen Covid-19- Medikaments begonnen, um Ländern einen frühzeitigen Einsatz noch vor einer Marktzulassung zu ermöglichen. Über „Paxlovid“-Vorbestellungen der EU oder Deutschlands ist bisher nichts bekannt. Die US-Regierung teilte bereits mit, zehn Millionen Dosen davon für 5,3 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro) kaufen zu wollen.
Die Pandemie wird wohl auch dieses Medikament allein nicht stoppen. Aber für schwer an Covid-19 erkrankte Menschen könnte dies ein weiterer rettender Strohhalm sein.
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