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Zerrüttet der Streit um nachhaltige Kernkraft die deutsch-französischen Beziehungen? – Interview

© REUTERS / POOLBundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.  - SNA, 1920, 16.12.2021
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Die Ansichten Deutschlands zur Atomkraft können zu Differenzen mit Frankreich führen, findet der französische Atomenergie-Experte, Fabien Bouglé, im Gespräch mit Sputnik Frankreich. Er bezeichnet Annalena Baerbocks Äußerungen als „Erklärung eines Wirtschaftskrieges“.
Während ihres ersten offiziellen Besuchs in Frankreich äußerte sich die neue Außenministerin Annalena Baerbock zur französischen Initiative, Gas und Atomkraft als nachhaltig einzustufen, Medienberichten zufolge ganz eindeutig: „Deutschland wird sich den Bemühungen Frankreichs widersetzen, Atomstrom als grüne Energie einzustufen.“
Der französische Atomenergie-Experte Bouglé bezog sich auf die Aussage und erklärte gegenüber Sputnik Frankreich:
„Die Provokation dieser deutschen Ministerin ist eine Erklärung des Wirtschaftskrieges an Frankreich.“

Rolle der Kernkraft für die französische Wirtschaft

Der Autor betonte die Bedeutung der Atomenergie für die Wirtschaft Frankreichs. Für das Land, in dem 70 Prozent des Stroms aus Kernenergie stamme, sei es von entscheidender Bedeutung, dass atomare Energiequellen als ökologisch eingestuft würden.
Diese Klassifikation von Energiequellen ziele darauf ab, alle öffentlichen und privaten Investitionen zu lenken. Eine Nichteinstufung atomarer Energiequellen als nachhaltig würde laut Fabien Bouglé schwere Folgen haben – so würden zum Beispiel Atomstrom beziehende Unternehmen ihre Attraktivität für Investoren verlieren.
Bouglé sprach zudem die Klimabilanz von atomarer Energie an. Nach Angaben der französischen Agentur für den ökologischen Übergang (Ademe) wirft ein Kernkraftwerk sechs Gramm Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde ab. Das ist 70-mal weniger als bei einem Gaskraftwerk, 120-mal weniger als bei einem Ölkraftwerk und fast 180-mal weniger als bei einem Kohlekraftwerk.

Die Atomindustrie und die EU

„Es gibt immer noch zwölf Länder in der EU, die die Entwicklung der Kernenergie wollen“, so Bouglé. Er äußerte, dass nur fünf Länder versuchen andere daran hindern Atomenergie auszubauen. Dabei bezog er sich auf die vier Staaten (Österreich, Dänemark, Luxemburg und Spanien), die die Position der Bundesrepublik teilen. Bouglé kritisierte auch, dass eine Energieversorgung mit Gas die EU in eine Abhängigkeit anderer Ländern bringen würde – so könnten Staaten wie zum Beispiel Belarus dies als Druckmittel nutzen.
„Die Atomenergie und die Atomindustrie sind wesentlich für die EU. Man kann das europäische Konstrukt nicht von der Atomindustrie trennen. Eine Infragestellung der Position der Atomkraft in der EU ist einfach eine Infragestellung der EU selbst. Nuclearophob sein bedeutet auch europhob sein“, sagte der Autor und erinnerte an die Gründungsverträge der EU.
Die beiden Verträge wurden 1957 in Rom unterzeichnet: Gründungsvertrag der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Gründungsvertrag der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG, heute EURATOM).
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (Archivbild) - SNA, 1920, 10.12.2021
„Nachhaltige“ Gas- und Kernkraft – Fridays for Future fordert klares „nein” von Scholz
Vorherige Woche fand der Antrittsbesuch des neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz in Frankreich statt. Der französische Präsident und der deutsche Bundeskanzler sprachen sich für eine bilaterale Zusammenarbeit aus. Die Initiative „Gas und Atomkraft“ als nachhaltig einzustufen, wird noch durch die EU-Kommission geprüft. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat bei ihrem Besuch in Paris Kritik an der Initiative geübt, so auch zahlreiche Umweltaktivisten in Deutschland.
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