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Karl Lauterbach: Wie genau nimmt es der neue Gesundheitsminister mit den Fakten?

© REUTERS / MICHELE TANTUSSIDeutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach
Deutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach - SNA, 1920, 14.12.2021
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Karl Wilhelm Lauterbach ist nun Gesundheitsminister. Der Mediziner, Gesundheitsökonom und SPD-Politiker soll also die Corona-Krise meistern. Wie genau nimmt es der umtriebige Politiker mit den Fakten?
Ohne Unterlass war er in Talkshows und auf Twitter mit seiner Expertise zugegen: der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Grund genug die vielen Statements zur Pandemie und anderen Themen einem Faktencheck zu unterziehen. So fragte „Focus Online“ im September 2021: „Übertreibt der SPD-Politiker mit seinem Alarmismus?“. Mindestens drei der sechs von „Focus“ überprüften Lauterbach-Thesen waren demnach falsch.

Lauterbach malt die Welt „zu schwarz“

Der Autor kommt zu dem Fazit, dass der SPD-Mann „mit seinen düsteren Prognosen zur Schulöffnung, dem Infektionsgeschehen nach dem Ende des Lockdowns und Demos als Superspreader-Events“ nicht richtig lag und die Welt „zu schwarz“ malte.
Als korrekt erwiesen sich dagegen laut dem Medium Lauterbachs „Forderungen nach großflächigen Tests und rigorosen Maßnahmen zur Eindämmung von Corona“.
Die „ARD-Faktenfinder“ nannten Lauterbach einen „Warner mit Ungenauigkeiten“ und gruben einige unbelegte falsche Aussagen von ihm aus. So zog er im Frühjahr den Ärger der Spanier auf sich, als er behauptete, die auf Mallorca verzeichneten Fallzahlen seien nicht korrekt. Lauterbach vermutete, dass das Auftreten einer neuen Corona-Variante dort verharmlost werde, um dem Tourismus nicht zu schaden. Belege: Pustekuchen.

Warnung vor dem Drogenmythos

Schelte bekam Lauterbach vom Virologen Jonas Schmidt-Chansit, als der SPD-Mann eine Studie zitierte und daraus die weitgreifende These aufstellte, dass Covid-19 den Prozess der Alterung deutlich beschleunige. „Man altert im Zeitraffer und wird gegen chronische Krankheiten anfälliger sein.“ Bereits 2020 hatten die „ARD-Faktenfinder“ eine Liste mit Unwahrheiten und Ungenauigkeiten des SPD-Experten zusammengestellt. Bedarf dafür gab es also schon.
Die Corona-Pandemie ist beispiellos. Es war und ist schwierig, hundertprozentige Aussagen bezüglich des Virus zu treffen, da es sich um ein unentwegtes „learning by doing“ handelt. Neue Varianten stellen gerade erst erkannte Tatsachen auf den Kopf. Interessant wird es aber, wenn man einmal Lauterbachs Umgang mit Tatsachen außerhalb des Covid-19-Dunstkreises betrachtet. So hat der damalige Gesundheitsminister in Spe im Oktober in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ behauptet:
„Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßen-Cannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.“
Ermittlungsbehörden und Fachleute erklärten auf Anfrage gegenüber den „Faktenfindern“, dies sei nicht bekannt und höchstwahrscheinlich ein „Drogenmythos“.

Fragwürdiger Umgang mit Studienergebnissen

Seit 1998 war Lauterbach, der in Aachen, Düsseldorf und Texas Medizin studiert hat, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) der Universität zu Köln. In der Zeit führte er im Auftrag der Pharmaindustrie Medikamentenstudien durch. Über 800.000 Euro an Drittmitteln nahm er dafür allein im Jahr 2000 ein. So war er an einer Studie über den Fettsenker Lipobay beteiligt. Lipobay musste die Herstellerfirma Bayer wegen tödlicher Zwischenfälle im Jahr 2001 vom Markt nehmen. Laut dem „Spiegel“ nahm Lauterbach die frühen Hinweise darauf, dass Lipobay möglicherweise gefährlich war, damals ebenso wenig wahr, wie es seine Auftraggeber taten. Allein in den USA sind an dem Medikament mindestens 31 Menschen gestorben. Der Konzern Bayer musste an über 3.000 Geschädigte über eine Milliarde US-Dollar Entschädigung zahlen.
Gemeinsam mit der Radiologischen Klinik der Kölner Universität führte Lauterbach im Jahr 2002 eine Studie durch, in der es um die Qualität von Röntgenuntersuchungen in Nordrhein-Westfalen ging.
Die beteiligten Ärzte hatten damals angegeben, dass sich im Nachhinein etwa ein Drittel ihrer Untersuchungen als überflüssig erwiesen hatte. Allerdings gab es laut „Spiegel“ damals zahlreiche Probleme: Sehr viele der angefragten Ärzte wollten zum Beispiel nicht mitmachen; und am Ende fehlte eine ganze Reihe von Daten. „Auf Grund der methodischen Mängel sind die quantitativen Aussagen der Studie wenig aussagekräftig“, urteilte ein Gutachter.
Diese Mängel hielten Lauterbach nicht davon ab, die damalige Bundesministerin für Gesundheit, Ulla Schmidt, über die Ergebnisse zu unterrichten. Die Ministerin kam dann auch zu dem krassen Urteil: „Ein Drittel aller Röntgenuntersuchungen ist überflüssig!“

„Ja, ich bin ein Homo politicus!“

Der Ärger der Ärzteschaft entlud sich über Lauterbach und er musste sich vor der Senatskommission für wissenschaftliches Fehlverhalten der Kölner Universität verantworten. Dass der SPD-Politiker Studienergebnisse gerne passend zu seiner politischen Agenda interpretiert, zeigt eine Aussage von ihm 1998 in einer Fernsehsendung zum Thema hoch dosierte Vitamine zur Verhütung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
„Auf der Grundlage der Studien, die bislang vorliegen, schätzen Epidemiologen, dass ungefähr 25 Prozent der Infarkte sich vermeiden ließen durch diese Präparate. So könnte man von Einsparungen in der Größenordnung von ungefähr neun Milliarden D-Mark pro Jahr ausgehen.“
Mittlerweile weiß man, dass hoch dosierte Vitamine keinerlei positive Wirkung haben. Im schlimmsten Fall können sie sogar gesundheitsgefährdend wirken.
„Ja, ich bin ein Homo politicus!“, sagte Lauterbach 2004 dem „Spiegel“. Wenn man als Wissenschaftler seine Ideen verwirklicht sehen wolle, müsse man dafür auch ringen. Das Ringen scheint sich gelohnt zu haben. Zur Überraschung vieler Kommentatoren fiel die Wahl von Bundeskanzler Olaf Scholz zum Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz auf Karl Lauterbach. Er wurde am 8. Dezember 2021 ernannt und kann nun selbst das Land durch die Pandemie führen.
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