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Studie: 290 Berliner Straßen- und Platznamen weisen antisemitische Bezüge auf

© REUTERS / TOBIAS SCHWARZBahnhof Berlin Friedrichstraße
Bahnhof Berlin Friedrichstraße - SNA, 1920, 14.12.2021
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Eine Studie der Landesstelle für Gleichbehandlung im Auftrag des Landes Berlin hat bei 290 Namen von Straßen oder Plätzen in der Bundeshauptstadt antisemitische Bezüge festgestellt.
Die Studie sichtete alle Straßen- und Platznamen Berlins von Mai bis Oktober 2021. Die Ergebnisse wurden in einem Dossier zusammengefasst, welches „als Ausgangspunkt für die vertiefte Auseinandersetzung zu verstehen“ ist, da es einen ersten Einblick in die Menge und Bandbreite der antisemitischen Bezüge von Berliner Straßen- und Platznamen liefert.
„Wir wollten eine systematische Grundlage für eine wichtige gesellschaftliche Diskussion schaffen“, kommentierte die Studie der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn laut rbb. Straßennamen seien eine hohe Form der Ehrung. Berlin sei gut beraten, diese Ehrung immer wieder kritisch zu prüfen, so Salzborn.
Der Autor der Studie, Felix Sassmannshausen, empfahl am Montag in Berlin ebenfalls eine gesellschaftliche Debatte und in einer Vielzahl der Fälle auch eine Umbenennung.

Bekannte Straßen betroffen

Das Dossier weist vier verschiedene Eingriffsempfehlungen auf. Als niedrigste Stufe legt Sassmannshausen einen Forschungs- oder Rechercheauftrag nahe. Für manche Straßennamen sieht er eine digitale Kontextualisierung oder das Anbringen einer Tafel vor Ort als zielführend. Die Umbenennung von Straßen und Plätzen wird als höchste Stufe angeführt.
Zum Beispiel stellte der Autor einen antisemitischen Bezug bei nach Friedrich I. benannten Straßen fest. Der Herrscher hatte seine Politik auf eine Begrenzung und Ausbeutung von Juden ausgerichtet. So wird für die Friedrichstraße in Berlin eine Kontextualisierung vorgeschlagen.
Ein weiterer Namensgeber, der in der Studie erfasst wird, ist Otto von Bismarck. Er hatte Kontakte zu antisemitischen Netzwerken des Kaiserreichs und war Ehrenmitglied im antisemitischen Alldeutschen Verband. Im Dossier ist somit auch für den Bismarckplatz, die Bismarckallee und die Bismarckstraße eine Kontextualisierung vorgesehen.
Für manche Straßennamen wird die Umbenennung als einzige mögliche Lösung genannt – zum Beispiel für den Kronprinzendamm in Charlottenburg-Wilmersdorf, der nach Wilhelm von Preußen benannt wurde. Dieser war früher Unterstützer des NS-Regimes und hat öffentlich judenfeindliche Äußerungen getätigt.
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Straßenumbenennungen liegen in der deutschen Hauptstadt in der Verantwortung der zwölf Bezirke. Zumeist gehen Umbenennungen auf Initiativen aus der Zivilgesellschaft zurück. Im vergangenen Jahr ist das Prozedere vereinfacht worden. In Berlin wurden bereits mehrere Straßen wegen rassistischer Bezüge umbenannt, so zum Beispiel die U-Bahnhaltestelle Mohrenstraße in Glinkastraße.
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