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„Nicht in Panik verfallen“: Gesundheitsminister Lauterbach übt sich in Zweckoptimismus

© REUTERS / MICHELE TANTUSSIDeutschlands neuer Gesundheitsminister Karl Lauterbach
Deutschlands neuer Gesundheitsminister Karl Lauterbach - SNA, 1920, 10.12.2021
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Corona „ist völlig überraschend unser Thema“ – mit dieser ironischen Bemerkung hat Maybrit Illner am Donnerstag ihren Talk eingeleitet. Karl Lauterbach war auch dabei – trotz der Prognose einiger Politiker, der SPD-Experte werde nach seiner Berufung zum Gesundheitsminister kaum noch Zeit für seine bisher so üblichen TV-Auftritte finden.
„Gestern noch Gesundheitsminister der Herzen, heute echter Gesundheitsminister“, stellte die Moderatorin Maybrit Illner in ihrer Sendung den Politiker vor. „Er ist der erste direkt gewählte Minister“, fügte die „Zeit“-Journalistin Tina Hildebrandt hinzu. Eine Prise Ironie war sicherlich auch drin: Immerhin verdankt Lauterbach seine Berufung wohl hauptsächlich seiner bei den unzähligen Corona-Talkshows erworbenen Popularität.

Lauterbach: "Man darf nicht in Panik verfallen"

Erwartungsgemäß übernahm der frischgebackene Minister die Solo-Partie bei dem „Maybrit Illner“-Talk, den anderen Studiogästen blieben nur Nebenrollen übrig. Nun musste aber der 58-jährige Experte die gewohnte Mahner- und Kritiker-Rolle ablegen und zum proaktiven Corona-Bekämpfer mutieren. Für Hildebrandt sei Lauterbach viel mehr als bloß einer der Minister: „Er steht im Zentrum dieser riesigen Krise, die über Wohl und Wehe dieser Ampelkoalition entscheiden wird.“
Die Journalistin sagte, dass der Erfolg der Ampel-Regierung trotz der neuen Funktion des SPD-Politikers noch lange nicht gesichert sei:
"Auch ein Karl Lauterbach kann das Virus nicht ausschalten."
In seiner neuen Rolle muss er eben weniger Panik stiften als bisher, sondern mehr Optimismus verbreiten. „Man darf nicht in Panik verfallen“, betonte Lauterbach. Und sorgte zugleich für ein paar panische Noten: Omikron, die frische Covid-Mutante, sei viel ansteckender und selbst für doppelt Geimpfte eine reale Gefahr. Nur eine „Booster“-Impfung könne noch halbwegs vor Omikron schützen. Wortwörtlich:
„Dreifach Geimpfte gehen wahrscheinlich relativ gut durch, Geimpfte gehen wahrscheinlich so durch, dass sie sich auf jeden Fall infizieren können, aber möglicherweise nicht so schwer erkranken. Und die Ungeimpften trifft es dann aber wirklich ganz hart.“
Diskussion im Bundestag am 10. Dezember 2021 - SNA, 1920, 10.12.2021
Diskussion im Bundestag: Corona-Impfpflicht für medizinische Fachkräfte
Es überrascht deshalb nicht, dass Lauterbach erneut für eine Impfpflicht plädierte: „Wir schulden unserer Bevölkerung, einen Schutz anzubieten.“ Höchstens auf diese Weise ließe sich eine Omikron-Welle verhindern. „Das ist noch nicht unmöglich“, fügte er zweckoptimistisch hinzu.

Auch Angela Merkels berühmte „Wir schaffen das“-Formel klang aus Lauterbachs Mund weniger überzeugend: „Ich glaube, dass wir das schaffen werden, und ich werde alles dafür tun.“

"Meine Kollegen würden nie in eine Talkshow gehen, weil sie Angst haben"

Dass die Impfpflicht „erhebliche Widerstände bringen wird“, sieht der Minister sehr wohl ein. Sein Rezept: Gegen angebliche Verweigerer und sonstige Querdenker „muss der Staat in den Konflikt gehen“.
Was soll man aber tun, wenn selbst Deutschlands auflagenstärkste Zeitung sich dem Widerstand anschließt? Vor wenigen Tagen warf das Blatt der Göttingener Expertin Viola Priesemann und zwei weiteren Kollegen vor, mit ihren Pro-Lockdown-Aufrufen die festliche Stimmung vergiften und das Weihnachtsgeschäft abwürgen zu wollen. Die zugeschaltete Physikerin vom Max-Planck-Institut verriet: „Viele meiner Kollegen würden nie in eine Talkshow gehen, weil sie Angst haben.“
Dennoch plädierte sie auch bei „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend dafür, „kurz und hart durchzugreifen“, um eine Omikron-Welle zu verhindern, weil dies „langfristig wesentlich weniger Belastung bringt als diese halben Lockdowns“.
Corona-Patient auf Intensivstation - SNA, 1920, 01.12.2021
Impfpflicht und „ein zeitlich begrenzter Lockdown“ – Intensivmediziner für strengere Maßnahmen
Lauterbach empörte sich über den Zeitungsartikel und sagte: „Ich habe konkret dafür gekämpft, dass der Artikel aus dem Netz verschwindet.“ In dem konkreten Kampf war der Minister allerdings vorerst erfolglos.

"Wir haben das Vertrauen verloren"

Ein kompletter Lockdown sei mit dem Auslaufen der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ juristisch nicht mehr möglich, warf FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein. Sie war an dem Abend die Einzige in der Runde, die Bürgerrechte und ihre Freiheiten halbwegs im Auge zu behalten schien. Etwaige Restaurantschließungen würden aus ihrer Sicht auch in puncto Corona-Bekämpfung wenig bringen: Die Menschen würden sich in dem Fall zuhause versammeln und feiern. „Dann entzieht es sich jeder sozialen Kontrolle“, fügte sie hinzu.

„Ich verstehe aus der wissenschaftlichen Sicht, dass die harte Antwort vernünftig wäre“, betonte die liberale Bundestagsabgeordnete. „Aber diese Welt kann man nicht nur wissenschaftlich betrachten – man muss sie auch sozial betrachten.“

„Die Wissenschaft kann nur beraten und begleiten, wir treffen die Entscheidungen“, sagte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Und räumte ein, bei den vorangegangenen Corona-Wellen Fehler begangen zu haben. „Wir hatten die Chance, es besser hinzubekommen“, so Hans. Mehrmals hätten die Politiker (unter anderem gestützt auf Schätzungen von Lauterbach und sonstigen Experten) ihre Versprechungen nicht eingehalten. „Das macht ein fatales Gefühl bei den Bürgerinnen und Bürgern, nämlich belogen worden zu sein (…) Wir haben Vertrauen verloren auf dem Weg.“
Im Vorfeld der anrollenden Omikron-Welle klang dieses Geständnis nicht gerade aufbauend.
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