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Goebbels und Merkel: Provokative Plakataktion in Polen fordert Reparationen kurz vor Baerbock-Besuch

© AP Photo / Alik KepliczPlakate in Warschau, auf denen Deutschland aufgefordert wird, Reparationen für den Zweiten Weltkrieg an Polen zu zahlen (Archivbild)
Plakate in Warschau, auf denen Deutschland aufgefordert wird, Reparationen für den Zweiten Weltkrieg an Polen zu zahlen (Archivbild) - SNA, 1920, 09.12.2021
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Mit einer provokativen Plakataktion, bei der heutige deutsche Führungspolitiker in einer Reihe mit NS-Persönlichkeiten dargestellt werden, will ein Künstler in Polen die Ansprüche auf Reparationen für die deutschen Kriegsschäden geltend machen. Die Aktion findet kurz vor dem Antrittsbesuch der neuen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) statt.
Im Rahmen der Plakatkampagne, die die regierungsnahe Stiftung „Patriotischer Fonds“ förderte, wurden in Warschau und anderen polnischen Städten laut dem Portal „Niezalezna“ zahlreiche Poster aufgehängt. Diese zeigen unter anderem die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in einer Reihe mit Adolf Hitler und dem NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Neben den Logos rechtsnationaler Medien steht auf den Plakaten das Zeichen des polnischen Ministeriums für Kultur und nationales Erbe.
Auf vielen Postern wendet man sich an den deutschen Botschafter in Warschau, Arndt Freytag von Loringhoven, mit provokativen Behauptungen auf Englisch und Polnisch, wie etwa: „Warum teilt ihr Deutschen die Opfer eurer Kriegsverbrechen immer noch in bessere und schlechtere ein? Den einen habt ihr Reparationen und Entschädigungen gezahlt, während ihr den Polen dieses Recht verweigert? Ist das nicht Rassismus in seiner reinsten Form?“

„Die polnischen Behörden haben keinen Einfluss darauf, was ein Künstler in Polen tut“

Hinter der Aktion steckt der polnische Zeichner Wojciech Korkuc, der bereits 2020 mit Plakaten zum Thema Entschädigungen für Aufsehen sorgte. Auf die Einwände, er wolle einen Krieg mit Deutschland beginnen, meinte Korkuc gegenüber „Niezalezna“, er wolle nur „den letzten beenden“.

„Sie [die Deutschen] sind bereits dabei, das Vierte Reich zu errichten, aber sie haben noch nicht mit dem Dritten aufgeräumt“, führt das Portal seine Worte an.

„Die polnischen Behörden haben keinen Einfluss darauf, was ein Künstler in Polen tut“, betonte Korkuc in Bezug auf die Aktion weiter. „In Polen hat der Künstler noch eine gewisse Freiheit.“ Sollte man Einwände haben, dann könnte man diese direkt an den Künstler richten, so der Künstler, der auf die Vereidigung des neuen Bundeskanzlers folgendermaßen via Twitter reagierte.
Ende November hatte der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki die Gründung eines Instituts für Kriegsschäden bekanntgegeben. Dieses soll die Bemühungen um die Erforschung sämtlicher Kriegsschäden institutionalisieren und sich auch mit der weiteren Verfolgung der Reparationsansprüche befassen.
Polens Vize-Außenminister Paweł Jabłoński (Archivbild) - SNA, 1920, 02.08.2021
„Problem noch nicht gelöst“: Polen wird weiterhin Reparationen von Deutschland fordern

Reaktion Deutschlands

Laut der Zeitung „Rzeczpospolita“ forderte Deutschland die polnischen Behörden wiederholt auf, die Kampagne zu stoppen, aber ohne Erfolg. Berichten zufolge wird eine Vorladung des polnischen Botschafters in Berlin in das Auswärtige Amt in dieser Angelegenheit geprüft. Auch der neue deutsche Bundeskanzler soll über die Angelegenheit informiert werden.
Berlin hatte wiederholt erklärt, das Thema sei rechtlich und politisch abgeschlossen. Anfang Juli sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas, Deutschland habe bereits eine „beträchtliche Summe“ an Reparationen für den Zweiten Weltkrieg gezahlt und sehe keinen Grund, neue Zahlungen an Polen zu leisten. Deutschland wolle nicht den 1953 von Polen unterzeichneten Verzicht auf Reparationen revidieren.
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