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„Gleichzeitige Operationen mit Überraschungen“: Nato-Kritiker zu US-Militärplänen in Ukraine-Krise

© SNA / Michail MarkiwUkraine und Nato (Symbolbild)
Ukraine und Nato (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.12.2021
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Obwohl Moskau wiederholt äußert, die Ukraine nicht angreifen zu wollen, werden die Drohungen aus Washington gegenüber Russland schärfer. Während Medien und Politologen nach Lösungen suchen, kritisiert Nato-Kritiker Wolfgang Effenberger neue militärische Programme der USA, die auch im Ukraine-Konflikt eingesetzt werden könnten.
Relativ ergebnislos verlief das Online-Treffen zur Ukraine-Krise zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Joe Biden am Dienstag. Wie es aus dem Kreml seit Wochen wiederholt heißt, plane die Russische Föderation keinen Angriff auf ihr Nachbarland. Aber Russland verlangt Sicherheitsgarantien von den Nato-Staaten und Washington. Also keine Osterweiterung der Nato und damit auch keinen Beitritt der Ukraine in das transatlantische Verteidigungsbündnis.
Die USA ignorieren die Aussagen Putins seit Wochen und drohen Moskau mit „schwerwiegenden Wirtschaftssanktionen“, sollte die russische Regierung die territoriale Souveränität der Ukraine verletzen. Wie deutsche Medien berichten, könnte damit auch eine Abkoppelung Russlands vom Weltfinanzsystem gemeint sein, so etwa vom „Swift“-Zahlungssystem.
Nato-Flagge - SNA, 1920, 07.12.2021
„Russland bereitet Aggression gegen Ukraine vor“: Neue Nato-Botschafterin der USA warnt Moskau
Der US-Fernsehsender CNN meldete jüngst, es stünden „genügend russische Streitkräfte an der Grenze zur Ukraine“. Ausrüstung und Nachschub, einschließlich medizinischer Einheiten und Treibstoff seien ausreichend vorhanden, „um jederzeit einen kriegerischen Konflikt beginnen zu können“.

„Back Channels“ als Lösung? – US-Politologin

Doch die diplomatischen Mittel sind laut der deutsch-amerikanischen Politologin Cathryn Clüver Ashbrook noch nicht völlig ausgeschöpft. Das erklärte die Direktorin der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“ (DGAP) am Mittwoch in einem Interview dem „Deutschlandfunk“. Ein mögliches Abschneiden Russlands vom Weltfinanzsystem bewertete sie als „herben wirtschaftlichen Schlag“ gegen Moskau.
„Die USA müssen sich jetzt, auch im Normandie-Format, stärker in den Konflikt einschalten“, sagte die Politikwissenschaftlerin. „Auch, weil sie einem Bundeskanzler Olaf Scholz etwas Vorlauf geben wollen.“ Früher hatte Ex-Kanzlerin Angela Merkel „mit ihrer langen Kenntnis gerade auch Moskau gegenüber“ häufig die Möglichkeit sogenannter „Back Channels“ genutzt. Also Kommunikationskanäle zwischen Kreml und Weißem Haus. „Um mit Wladimir Putin direkt zu reden und auf ihn Einfluss zu nehmen. Es ist klar, dass das mit einem Kanzler Scholz noch nicht zu leisten ist.“ Auch wenn Merkel den neuen Regierungschef in der Russland/Ukraine-Frage „sehr ins Vertrauen gezogen“ habe.
Russische Botschaft in Washington - SNA, 1920, 09.12.2021
US-Senator schließt Atomwaffeneinsatz gegen Russland nicht aus – Russische Botschaft reagiert
Medienberichten zufolge gab es noch in den letzten Wochen kurz vor der Zuspitzung des Konflikts konstruktive Gespräche zwischen russischen und US-amerikanischen Arbeitsgruppen, etwa zu militärischen und nuklearen Fragen.

„Rückfall in Kalten Krieg“ – Nato-Kritiker Effenberger

Auf die politische und historische Dimension des alten und neuen West-Ost-Konflikts verweist der Politologe, Publizist und Nato-Kritiker Wolfgang Effenberger in zwei aktuellen Analysen, die der SNA-Redaktion vorliegen. Darin benennt er neuartige Waffensysteme und Verteidigungskonzepte des US-Militärs, auch eingesetzt in der Ukraine an der Grenze zu Russland. Dabei beruft er sich auf militärische Quellen, offizielle Angaben der US-Regierung und vom US-Kongress sowie internationale Medienberichte.
Interview mit Nato-Kritiker Effenberger_1 - SNA, 1920, 28.08.2021
Afghanistan
„Schwarzbuch EU & Nato“: Wie US-Geheimdienste die Weltherrschaft anstreben – Exklusiv-Video
So schreibt der Autor vom „Schwarzbuch EU & Nato“:

„Wir erleben heute“, warnt Effenberger, „einen Rückfall in eine der gefährlichsten Phasen des Kalten Krieges, als Anfang der 80er Jahre der Nachrüstungsbeschluss durchgepeitscht wurde und die veralteten Pershing I-Raketen durch die Pershing II ersetzt wurden. Die Reichweitensteigerung von 800 auf 1200 Kilometer war für den Laien nicht dramatisch, wohl aber für die Fachleute im Kreml. Denn nun konnten die verbunkerten Befehlsstände rund um Moskau in nur wenigen Minuten ausgeschaltet werden.“

Er erinnert an die großen Protestmärsche in der Bundesrepublik, die „1983 gegen die Stationierung von amerikanischen Raketen vom Typ Pershing II in Mutlangen demonstrierten“. In einer ähnlich dramatischen Lage befinde sich die Weltpolitik heute schon wieder, kritisiert er.

„Ukraine wird bereits von Nato kontrolliert“

Während des „Ersten Kalten Krieges“ war Effenberger zufolge die Nato knapp 2300 Kilometer (Amberg-Moskau) entfernt. „Heutzutage wird die gesamte Ukraine de facto von der Nato kontrolliert. Weniger als 200 Kilometer südlich von Sankt Petersburg stehen Nato-Truppen.“ Daher sei es nicht überraschend, dass „Russland seine berühmte 1. Garde-Panzerarmee als strategische Reserve für den westlichen Militärbezirk reaktiviert hat“.
Der Politologe erinnert an die vielen historischen, vom Westen her kommenden Feldzüge und Kriege gegen Russland, die in der Erinnerung der Menschen in Russland immer noch sehr präsent sind. Ein Fakt, der in vielen westlichen Hauptstädten heutzutage gerne in Vergessenheit gerät, so der Autor. Darunter der Polnisch/Litauisch-Russische Krieg (1609 – 1618), der Russlandfeldzug Napoleons (1812), Hitlers Russlandfeldzug (Juni 1941 – Mai 1945) oder auch der Polnisch-Sowjetische Krieg von 1919 bis 1921 kurz nach Ausrufung der UdSSR.
Nato-Flagge - SNA, 1920, 08.12.2021
Nato steuert einen Konfrontationskurs gegen Russland – Putin
Die US-Geheimdienste würden fälschlicherweise Moskau gegenwärtig beschuldigen, einen Krieg vorzubereiten. Damit einhergehend verweist der Autor auf einen Beschluss des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenski vom 11. März 2021 mit dem Titel: „Über die Strategie der Entbesetzung und Wiedereingliederung des vorübergehend besetzten Gebiets der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol.“
Der Beschluss aus Kiew stehe nach der Analyse von Effenberger im Einklang mit der 2014 vom US-Kongress verabschiedeten Resolution H. Res. 758, die „das Vorgehen der russischen Föderation unter Präsident Wladimir Putin als eine Politik der Aggression gegen Nachbarstaaten mit dem Ziel der politischen und wirtschaftlichen Dominanz scharf verurteilt“.

Washington reaktiviert Artillerie-Kommandos

Dieser Vorbemerkung folge ein umfangreiches Sündenregister Russlands. „Gebetsmühlenartig wird die Russische Föderation unter anderem beschuldigt, in die Ukraine einmarschiert zu sein und deren Souveränität verletzt zu haben, Computerattacken in den USA durchzuführen, 2008 in Georgien einmarschiert zu sein, an Syrien Waffen verkauft zu haben, etc.“ Die Liste der Vorwürfe sei lang, die Beweisdecke dünn.

„Nach dem vom Westen orchestrierten Putsch in Kiew Ende Februar 2014 wurde im Oktober 2014 das U.S. Army Training and Doctrine Command (TRADOC), Pamphlet 525-3-1 'Win in a Complex World: 2020-2040' verabschiedet. In diesem Zeitraum sollen die US-Streitkräfte vordringlich die Bedrohung durch Russland und China abbauen. Seither reißen die US-/NATO-Manöver vor Russlands Haustür nicht ab. Am achten November wurde erstmals nach dem Ende des Kalten Krieges das 56. US-Artilleriekommando reaktiviert – ein Großverband der United States Army mit Sitz im Ortsbezirk Mainz-Kastel der Stadt Wiesbaden, der einem Zwei-Sterne-General untersteht.“

Demnach erklärte der Befehlshaber, US-Generalmajor Stephen Maranian, am dritten November:
„Die Reaktivierung des 56. Artilleriekommandos wird den US-Streitkräften in Europa und Afrika bedeutende Fähigkeiten für multidomäne Operationen bieten. Es wird außerdem die Synchronisierung von gemeinsamen und multi-nationalen Feuern und Wirkungen sowie den Einsatz künftiger Boden-Boden-Langstreckenfeuer ermöglichen.“

Psychologische Kriegsführung und US-Langstreckenraketen

Laut Effenberger berichtete am 10. November die britische Zeitung „The Sun“ von einem „zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg reaktivierten nuklearen mit Hyperschall-Langstreckenraketen vom Typ 'Dark Eagle' ausgerüsteten Verband der USA in Deutschland.“
Der US-Army zufolge sollen diese sogenannten Multi-Domain Operations (MDO) dafür sorgen, „dass die gemeinsamen Streitkräfte [Heer, Marine, Luftwaffe, Marineinfanterie und Weltraumstreitkräfte] einem nahezu gleichwertigen Gegner, der in der Lage ist, die USA in allen Bereichen [Luft, Land, See, Weltraum und Cyberspace] anzugreifen, sowohl im Wettbewerb als auch im bewaffneten Konflikt begegnen und ihn besiegen können“.
Nato-Flagge - SNA, 1920, 29.09.2021
„Dunkle Zukunft“: Was Nato und „Great Reset“- Ideologen von neuer Bundesregierung erwarten
Weiter werde in dem Konzept beschrieben, wie die US-Bodentruppen „als Teil des gemeinsamen und multinationalen Teams im Zeitraum 2025-2050 Gegner abschrecken und hochgradig fähige, gleichwertige Gegner besiegen können“. Hinzu kämen „zahlreiche gleichzeitige Operationen unter Einsatz von Überraschungseffekten (...) in allen Bereichen, um den Gegner in mehrere Dilemmas zu stürzen und so physische und psychologische Vorteile sowie Einfluss und Kontrolle über das operative Umfeld zu gewinnen“.

„US-Militärpläne werden in Berlin kaum wahrgenommen“

All diese Strategiepläne Washingtons erinnern Effenberger an alte Welteroberungsfantasien Großbritanniens. Namentlich nennt er den britischen Geografen Halford Mackinder mit dessen „Heartland“-Theorie und das heutige Nato-Konzept für Osteuropa, das auf den polnischen General Józef Piłsudski (1867 – 1935) zurückgeht und „Intermarium“ genannt wird.
„In Zeiten von Corona – oder ist es die permanente Kriegspropaganda gegen Russland? – wurde die vor allem für Deutschland gefährliche Aufstellung der Moskau bedrohenden Raketensysteme kaum zur Kenntnis genommen“, schreibt er mit Blick auf die neue Bundesregierung unter Scholz.
„Hoffen wir nur, dass dieser kleinen US/UK-kriegstreiberischen Elite noch in die Speichen gegriffen werden kann. (...) Das wird nur möglich sein, wenn sich die Menschen nicht mehr verängstigen lassen und anfangen, alles zu hinterfragen und sich von einer einseitigen Erinnerungskultur verabschieden, die in Wahrheit der Deckmantel des Vergessens und eine Brutstätte der Beschwichtigung ist. (...) Ohne Wahrhaftigkeit gegenüber der Geschichte kann es keinen nachhaltigen Frieden geben. Für ein friedliches Miteinander muss den imperialen Plänen einer kleinen plutokratischen US/UK-Elite Einhalt geboten werden.“
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