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Kosmos im Krisenmodus: Ex-Chef der Esa kritisiert Boris Johnson „Galactic Britain“

CC0 / qimono / Pixabay / Weltraum (Symbolbild)
Weltraum (Symbolbild) - SNA, 1920, 07.12.2021
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Die britische nationale Weltraumstrategie sieht eine Weltraum-Infrastruktur im Vereinigten Königreich vor. Es geht dabei nicht nur um den Markt für Satellitenstarts und Arbeitsplätze, sondern auch um Verteidigung. Kritik an der Entwicklung äußert Ex-Esa-Chef Jan Wörner, da Raumfahrt Grenzen abbauen sollte, statt neue zu schaffen.
Bereits im September dieses Jahres wurde die britische nationale Weltraumstrategie veröffentlicht. Im Vorwort sprach der britische Premierminister Boris Johnson von einem „Galactic Britain“, also einem „galaktischen Großbritannien“, nachdem das Vereinigte Königreich sich als „globales Großbritannien“ bewährt hatte. Zu lange hat Großbritannien die Gelegenheiten verpasst, die die Weltraumindustrie bietet. Schon ab 2022, verspricht der Premierminister, würden Raketen im Süden bei Cornwall und im Norden bei Sutherland starten und Satelliten in den Weltraum befördern, ohne auf Weltraumagenturen anderer Staaten angewiesen zu sein.

Britisches Programm für Satellitenstarts und Arbeitsplätze?

Der Satellitenmarkt ist in der Tat ein boomender Markt und durch ihre Miniaturisierung können die Anlagen auch auf immer kleineren Trägerraketen in die erwünschte Höhe befördert werden. Aber im Dokument geht es um mehr als den Aufbau einer Infrastruktur aus bis zu sieben Weltraumbahnhöfen und diversen Zentralen, um kommerzielle Satellitenstarts zu ermöglichen. Es geht auch nicht nur um einen wirtschaftlichen Aufschwung durch hinzukommende Arbeitsplätze.

Selbstverteidigung ist für „Galactic Britain“ auch ein Thema

„Im unwahrscheinlichen Fall, dass das Vereinigte Königreich seinen Zugang zum globalen Satellitennetz verlieren sollte, würde sich das in nur fünf Tagen mit 5,3 Milliarden Pfund Verlust auf unsere Wirtschaft niederschlagen“, heißt es im Dokument auf Seite zwölf. Es ist also nicht nur Teil von nationalen Raumfahrtprogrammen, die auch kleinere Länder zunehmend in die eigene Hand nehmen, auch um dabei an Ansehen in den internationalen Landschaft zu gewinnen. Es geht auch um das Weltall als Konfliktzone oder: die Militarisierung des Weltalls und die wachsende Bedrohung von Sabotageakten im Erdorbit, die den Informationsfluss auf der Erde gefährden könnten.

Von Space Forces und einem ungesunden Space Race

Die Möglichkeit ist nicht aus der Luft gegriffen: Länder wie die USA, Russland oder China verfügen bereits Anti-Satelliten-Waffen. Selbstverständlich sind solche Technologien immer für die Selbstverteidigung des jeweiligen Landes gedacht. Es geht aber auch zuweilen unverhohlen um Technologievorsprung, wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump recht deutlich gemacht hatte, als er den Weltraum als „ein Gebiet für Kriegseinsätze“ bezeichnet hatte. Er hatte ebenfalls eine „Überlegenheit“ der USA in diesem Gebiet gefordert und als Weg dorthin eine eigene Abteilung der US-Streitkräfte mit dem Namen „United States Space Force“ ins Leben gerufen.
Indessen dürfte klar sein, dass selbst ohne jede böse Absicht geringste Unklarheiten im Weltall eine Kettenreaktion in Gang setzen könnten, die zum Chaos auf der Erde führt – ein Prozess, den sich niemand wünschen dürfte. Klar ist ebenfalls, dass niemand ins Hintertreffen geraten will, weil er sonst möglichen Angriffen schutzlos ausgeliefert und vor deren Hintergrund politisch erpressbar wäre. Kurzum: Es ist ein Space Race der unangenehmen Sorte, der da seit einigen Jahren abläuft.
Satellit (Symbolbild) - SNA, 1920, 25.10.2021
Lässt sich unbemerkt platzieren: Chinesische Forscher entwickeln Anti-Satelliten-Waffe

Ex-Esa-Chef: „Aus dem Weltraum sieht man keine Grenzen“

Solche Entwicklungen verfolgt der ehemalige Chef der europäischen Raumfahragentur, Jan Wörner, mit Sorge. „Raumfahrt hat immer gut über Grenzen hinweg funktioniert“, betonte er am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA). National ausgerichtete Raumfahrtaktivitäten habe er immer abgelehnt, denn aus dem Weltraum sehe man keine Grenzen und die Raumfahrt ermögliche „Kooperation selbst in Krisenzeiten“.

Mit einem Vertrag aus der Rüstungsspirale?

Einen Weg aus dieser Spirale könnte ein internationaler Vertrag darstellen, der die Militarisierung des Weltalls verbietet. Einen solchen Schritt hat Russland im November vorgeschlagen. Mit der konkreten Umsetzung könnte zum Beispiel das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen betraut werden, dessen Kernaufgabe eine friedliche Nutzung des Weltalls durch die Weltgemeinschaft darstellt.
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