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„Gesund und geschmacklos“ – „Pro“ und „Contra“ in den Medien zu Gesundheitsminister Lauterbach

© AP Photo / Fritz ReissKarl Lauterbach (Archivfoto)
Karl Lauterbach (Archivfoto) - SNA, 1920, 07.12.2021
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Keine andere Amtsbesetzung in der Ampel-Regierung ist so heftig diskutiert und mit solcher Spannung erwartet worden wie die des Gesundheitsministers. Der nun dafür vorgesehene Karl Lauterbach polarisiert – auch nach seiner Ernennung.
In dem neuen Bundesgesundheitsminister habe „das Coronavirus seinen Angstgegner bekommen“, frohlockte Frank Plasberg, Moderator des ARD-Talks „Hart aber fair“, am Montagabend in seiner Sendung. Alle Studiogäste – ob Mediziner, Journalist, Politiker oder Gastwirt – bejubelten Karl Lauterbachs Ernennung.

„Damit will man nicht Herrn Spahn diskreditieren...“

„Er ist der richtige Mann für diesen Posten“, erklärte Intensivmediziner Uwe Janssens. „Das haben wir jetzt mal dringend gebraucht. Gott sei Dank! Endlich.“
„Eine goldrichtige Entscheidung!“, freute sich der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte.
„Als Restaurantbesitzer hat man sich auch mal geärgert“, gestand Gastronom und TV-Star Nelson Müller. „Aber er hat nun mal mit seiner konservativen Art oft Recht behalten.“
Mit ihren euphorischen „Endlich!“- und „Gott sei Dank“-Rufen äußerten die Gäste, wohl ohne es zu merken, wie wenig sie vom bisherigen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hielten. Janssens merkte es dann doch und rechtfertigte sich pro forma: „Damit will man nicht Herrn Spahn diskreditieren, der hat einen harten Job gemacht.“
Auch FDP-Vizevorsitzender Wolfgang Kubicki, Lauterbachs ewiger Kritiker, fand Positives an seiner Ernennung: „Die deutsche Talkshow-Szene wird jetzt häufiger auf ihn verzichten müssen. So hat alles auch sein Gutes“, äußerte er in einem Zeitungsinterview.
Karl Lauterbach - SNA, 1920, 06.12.2021
„Der Staat darf sich nicht erpressen lassen!“: Im ARD-Talk übte sich Lauterbach für Ministeramt
Mit dieser ironischen Bemerkung deutete Kubicki zugleich an, was er – und sicherlich viele andere – von Lauterbachs Aufstieg denken: Ohne seine unermüdliche TV-Präsenz wäre dieser Aufstieg undenkbar gewesen.

Ist Lauterbach eine „Fehlbesetzung“?

„Er ist wohl der erste Politiker, der direkt im Fernsehstudio fürs Ministeramt gecastet wurde“, schrieb die Zeitung „Der Tagesspiegel“. „Die Talkshows müssen jetzt Trauer tragen. Ihr bester Gast, Publikumsliebling Karl Lauterbach, zieht aus den Fernsehstudios aus und im Gesundheitsministerium ein.“
„Die Frage ist nun, ob Lauterbach seine Popularität in erfolgreiche Regierungsarbeit ummünzen kann“, so die Zeitung „taz“.
Karl Lauterbach (Archivbild) - SNA, 1920, 12.08.2021
„Warum haben Sie sich da geirrt?“ – Maischberger holt Lauterbach vom Sockel
Und das ist in der Tat DIE Frage. „Lauterbach wäre eine Fehlbesetzung“, schrieb nämlich die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) wenige Tage vor seiner Ernennung: „Lauterbach ist Wissenschaftler und Berufspolitiker, kein Managertyp.“
Ein fähiger Gesundheitsminister müsste aber „vor allem auch ein begabter Manager sein“, hieß es im NZZ-Artikel. „Jens Spahn war das nicht. Daher endet das zweite Corona-Jahr in Deutschland so, wie es begonnen hat.“
Zwar dominieren euphorische Stimmen das Echo auf Lauterbachs Berufung zum Bundesgesundheitsminister. Dennoch sehen einige deutsche Medien diese Ernennung als nicht unumstritten an.
„Die Sorge, dass Lauterbach als Minister jeden Tag warnen, orakeln und schwarzmalen würde, ist sicher berechtigt“, hieß es in einem Kommentar beim Sender „ n-tv“. „Der Stimmung täte das nicht gut in einem Land der gereizten Stimmung und blank liegender Nerven.“
„Kompensieren“ ließe sich diese Sorge allerdings dadurch, dass der angehende Minister „nicht doof“ und „loyal“ sei:
„Ein Anpfiff von Kanzler Scholz und er dürfte sich an den Riemen reißen. Lauterbach mag eitel sein, aber er ist keine unberechenbare Kanonenkugel, die als Dauergefahr durch das Regierungsviertel flippert.“

„2019 wollte Lauterbach jede zweite Klinik schließen“

Selbstverständlich gab es Kritik an Lauterbachs Berufung – und speziell an seiner professionellen Kompetenz – aus den Reihen der Opposition. „2019 wollte Karl Lauterbach jede zweite Klinik schließen“, twitterte der Linksfraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch. „Krankenhäuser sollen zuallererst Menschen gesund machen, nicht Profite.“
Moderator des TV-Talks „Hart aber fair“ Frank Plasberg - SNA, 1920, 16.11.2021
Ist die Impfpflicht mit Demokratie vereinbar? – Ein harter Zoff im ARD-Talk
Und seine Parteigenossin Sahra Wagenknecht, die in den zurückliegenden Wochen bereits mehrmals auch in TV-Talks mit Lauterbach polemisieren musste, machte in ihrem Twitter-Account auf zwei Zitate von ihm aufmerksam: Erst am 31.10. behauptete er: „Eine Buster-Impfung für alle ist auf keinen Fall sinnvoll.“ Am 17.11. hieß es aber: „Wir werden in ein paar Monaten jeden Erwachsenen boostern müssen.“
„Unser Neuer Gesundheitsminister wird uns mit seinen klaren Ansagen zweifellos bestens durch die Corona-Pandemie bringen“, lautete ihr sarkastischer Kommentar dazu.
Wussten Sie übrigens, dass Karl Lauterbach seit 1989 kein Salz mehr isst und nur in die Gaststätten geht, die bereit sind, ihn salzlos zu bekochen? Mag insofern sein, dass sich der Minister, sobald er mit der Corona-Pandemie fertig wird, ein weiteres und nicht weniger globales Ziel setzt. Die „taz“ prophezeit bereits:
„Jetzt, da er als frisch berufener Gesundheitsminister endlich an seinem Lebens- und Karriereziel angekommen ist, wird der dünne Mann aus Köln seinen geheimen Traum vollenden: Eine Welt ohne Salz schaffen. Damit alle Menschen so gesund und geschmacklos werden wie er.“
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