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„Putins Einmarschplan in die Ukraine“: Russische Außenamtssprecherin kommentiert Bild-Bericht

© SNA / Pressedienst des Außenministeriums RusslandsSprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa (Archivfoto)
Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa (Archivfoto) - SNA, 1920, 05.12.2021
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Nachdem „The Washington Post“ einen Artikel über eine angebliche russische Militäroffensive auf die Ukraine veröffentlicht hatte, hat auch die Bild-Zeitung das Thema aufgegriffen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete den Beitrag als schädliche „Propaganda“.
Die Artikel über angebliche Einmarschpläne des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, in die Ukraine ähneln sich in vielen Punkten – beide Zeitungen sind sich vor allem über den Zeitpunkt der Offensive einig, die Anfang kommenden Jahres stattfinden soll. Die ausgiebigen Recherchen des deutschen Blattes basieren nach eigenen Angaben auf „Einschätzungen mehrerer Personen aus Nato- und Sicherheitskreisen“.
Laut einer hochrangigen Sicherheitsquelle würde die russische Armee – „sollte Putin es befehlen“ – „einen simultanen Angriff vom Norden der Krim, durch die Separatisten-Gebiete im Osten und von Norden aus“ einleiten. Dies sei sowohl die Einschätzung der Nato als auch des ukrainischen Militärgeheimdienstes, heißt es weiter.
Dem Artikel wurde eine Karte des russischen Angriffsplans hinzugefügt, die drei Phasen der Invasion darstellt. Die letzte Etappe soll ein Angriff auf Kiew aus dem Norden sein.
© Foto / info.BILD.de (Screenshot)"Putins Einmarschplan in die Ukraine"
Putins Einmarschplan in die Ukraine  - SNA, 1920, 05.12.2021
"Putins Einmarschplan in die Ukraine"
Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, kommentierte den Bild-Artikel „So könnte Putin die Ukraine vernichten“ auf ihrem Telegram-Kanal. Ihr zufolge hat die Zeitung bei der Darstellung des „Angriffsplans“ Ortsnamen aus dem Jahr 1942 benutzt – sowie „amerikanische Bilder“ aus einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung der Washington Post „kreativ“ überarbeitet.
Sacharowa betonte dabei, dass Deutschland damit unentwegt bestätige, dass alles Neue gut vergessenes Altes sei. Der neue Artikel sei „auf Ideologie basierende Propaganda“, die den gesunden Menschenverstand zerstöre.

„Inspirationsquelle“ aus Übersee?

Die Sprecherin verwies auf die Stadtbezeichnung „Lwiw“ auf der Karte, in der das Blatt die Stadt als „Lemberg“ angibt:

„Das moderne Lwiw heißt auf Deutsch ,Lwiw‘. Genau unter diesem Namen kommt es in den offiziellen Unterlagen des deutschen Außenministeriums vor. Aber auf der Karte von 1942, als die Stadt besetzt war, wurde noch das österreichisch-ungarische Toponym ,Lemberg‘ von den Faschisten gebraucht“, kritisierte Sacharowa.

An dieser Stelle ergebe sich die Frage, von welcher Karte die deutschen Journalisten die Bezeichnung „abgezeichnet“ hätten.
Als die Verfasser des Artikels zu dem Schluss gekommen seien, dass etwas fehle, hätten sie beschlossen ein „Angriffsschema“ zu entwickeln, vermutete die Sprecherin. Und hier sei „die Inspirationsquelle“ aus den USA sehr gelegen gekommen. Dabei bezog sich Sacharowa auf den jüngsten Artikel der „Washington Post“, der mit einer ähnlichen Karte zu „der angeblichen Invasion Russlands in die Ukraine“ versehen ist.

Phase 1: Der Süden

Ferner ging Sacharowa auf jede der drei dargestellten Angriffsphasen ein. Laut der „Bild“ sollen in der Etappe der Süd-Eroberung der Ukraine folgende Schlüsselereignisse stattfinden:
Beförderung von „Panzern und Truppen von der Krim aus in das Gebiet rund um Odessa“ mit den „im Frühjahr“ aus der Ostsee in die Region verlegten Landungsschiffen;
Durchführung einer „amphibischen Landeoperation“ östlich von Odessa, zwischen den Städten Fontanka und Koblewe, um Odessa einzukesseln;
Luftlandeoperationen von Spezialeinheiten, die „die Brücken blockieren und den Ukrainern damit den Nachschub abschneiden“ sollen;
Vorstoß vom „besetzten Gebiet Donbass“ nach Saporischschja in Richtung Krim.
„Sollte das gelingen, wäre der gesamte Süden der Ukraine unter russischer Kontrolle und Putin hätte einen Korridor von Russland bis an die Grenze der Nato nach Rumänien geschlagen“, heißt es im Artikel.
Sacharowa schrieb in Bezug auf diese Phase, dass die Krim schon seit mehreren Jahren über die Krimbrücke versorgt werde, wovon die deutschen Journalisten anscheinend keine Ahnung hätten.

Phase 2: Der Nordosten

Die zweite Phase der „möglichen Invasion Russlands“, die parallel zur ersten verlaufen soll, sieht Folgendes vor:
Schwächung der militärischen Kapazitäten der Ukraine im ganzen Land durch „Putins Luftwaffe und ballistische Raketen“;
Überquerung von russischen Panzerverbänden der Grenze in den Regionen Lugansk und Charkow sowie Vorstoß „bis zu den Großstädten Dnipro bzw. Poltawa“ mit der darauffolgenden Einkesselung und dem Abstellen von „Strom, Gas und der Nahrungsversorgung“.
„Nach ein paar Wochen können sich die Russen dann als Retter der Zivilisten feiern, in die kapitulierenden Städte eindringen und die ukrainische Bevölkerung vor dem Hunger- oder Kältetod bewahren“, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen Offizier.
Die Schwächung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit würde ohnehin seit mehreren Jahren erfolgreich „vom Kiewer Regime“ selbst betrieben, kommentierte die Außenamtssprecherin.
Russlands Präsident Wladimir Putin referiert in einer erweiterten Sitzung des Kollegiums des Außenministeriums. Moskau, 18. November 2021 - SNA, 1920, 18.11.2021
Putin wirft dem Westen Nachgiebigkeit gegenüber Kiew vor

Phase 3: Kiew

Im Mittelpunkt der dritten Etappe steht der Angriff auf Kiew aus dem Norden mit anschließender Kapitulation, obwohl dabei eine gewisse „Unsicherheit“ herrsche, „ob sich das Lukaschenko-Regime von Belarus aus an den Feindseligkeiten beteiligen würde“, schreibt das Blatt mit Verweis auf ungenannte Nato-Strategen.
„Sollte Belarus als Ausgangspunkt für russische oder gar belarussische Angriffe bereitstehen, wäre es Russlands Plan, mit einer Zangenbewegung Kiew von Nordosten und Nordwesten her einzukesseln und zu belagern“, heißt es.
Im Anschluss sollen laut der „Bild“ russische Streitkräfte „ungefähr bis zur Linie Korosten-Uman ziehen, „um den Nachschub aus der Westukraine abzuschneiden“. Dann würde man „eine Kapitulation Kiews und damit der Ukraine unter Druck des Westens“ abwarten.
Die Außenamtssprecherin rief den deutschen Journalisten diesbezüglich ins Gedächtnis, dass Uman der Ort der jährlichen chassidischen Wallfahrt ist, und fragte, worauf die „Bild“ damit anspiele. Das „deutsche Trolling“, so die russische Sprecherin weiter, könne der Zeitung teuer zu stehen kommen – allein „angesichts des kürzlich enthüllten Antisemitismus in den Reihen deutscher Journalisten“.
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US-Geheimdienst warnt vor russischem Angriff

Vor einigen Tagen veröffentliche die US-amerikanische Zeitung „The Washington Post“ unter Berufung auf einen ranghohen US-Regierungsbeamten sowie auf ein ihr vorliegendes geheimdienstliches Dokument einen Artikel über eine geplante russische „Militäroffensive gegen die Ukraine“. Der US-Geheimdienst ging demnach vom Anfang des nächsten Jahres aus.
Vorgesehen sei diesmal eine russische Truppenstärke, die doppelt so groß sei, wie „wir sie im vergangenen Frühjahr bei der russischen Übung nahe der Grenze zu Ukraine gesehen haben“. Geplant seien auch weitreichende Bewegungen von 100 taktischen Bataillonsgruppen „mit schätzungsweise 175.000 Soldaten, zusammen mit Panzern, Artillerie und Ausrüstung“, heißt es.
Zudem soll der Zeitung ein Dokument des US-Geheimdienstes vorliegen, das unter anderem Satellitenbilder enthalte, die zeigten, wie sich die russischen Streitkräfte an vier Orten konzentrieren. Dem Dokument zufolge sind derzeit 50 taktische Kampfgruppen stationiert, zusammen mit „kürzlich eingetroffenen“ Panzern und Artillerie.
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