Silvester ohne Böller – Unmut und Freude über bundesweites Feuerwerksverbot

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Feuerwerk (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.12.2021
Nach dem jüngsten Beschluss von Bund und Ländern zur Bekämpfung der vierten Welle der Corona-Pandemie soll auch an diesem Silvester und Neujahr das Feuerwerksverbot vom vergangenen Jahr gelten. An der Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme scheiden sich mittlerweile die Geister: Es sind vor allem Umweltschützer, die diese Entscheidung begrüßen.
Untersagt ist vor allem der bundesweite Verkauf von Böllern und Feuerwerkskörpern. Auch vom Zünden von Silvesterfeuerwerk an publikumsträchtigen Plätzen werde „generell dringend“ abgeraten. Für betroffene Unternehmen ist eine Kompensation im Rahmen der geplanten Wirtschaftshilfen vorgesehen, wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtet.
Die beschlossene Maßnahme soll laut der Bundesregierung helfen, die Belastungen der Kliniken durch Verletzte zu vermeiden. Die Reaktionen auf das Verbot fallen mittlerweile unterschiedlich aus: Während sich vorwiegend Tier- und Umweltschützer über die Abwesenheit der lauten Böller freuen, finden die anderen, dass diese Tradition zum Silvester dazugehöre.
Auch als „Scheinargument der Pandemie“ wird das Feuerwerksverbot von einigen laut Twitter erachtet.

„Todesstoß“ für pyrotechnische Industrie

Für den Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist die Auslastung der Krankenhäuser kein Argument für das Verkaufsverbot: Nicht das legale Silvesterfeuerwerk sei in anderen Jahren schuld an mehr Patienten in den Notaufnahmen, sondern zu viel Alkohol und illegale Feuerwerksprodukte.
Die Böller-Hersteller warnen gar vor einem „Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland“ und sagen auch dem Magazin „Oskurier“ zufolge eine mögliche Arbeitslosigkeit von etwa 3000 Beschäftigten voraus.
„Es steht auch für uns außer Frage, dass das Corona-Geschehen uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellt“, sagte der VPI-Vorsitzende, Thomas Schreiber. Doch mit den steigenden Infektionszahlen darf aus seiner Sicht die Bereitschaft nicht sinken, „sich an Fakten zu halten“.
„Mit der Entscheidung gegen das Feuerwerk haben Bund und Länder auf Basis von falsch gesetzter Panik riskiert, dass es jetzt endgültig aus sein könnte für unsere Branche“, zitiert das Blatt den VPI-Vorsitzenden.
Auch bei anderen Feuerwerkfans ist der Frust groß: „Ich warte 364 Tage oder eben 730 Tage... und dann sowas. Das tut mir richtig weh“, schreibt etwa eine Instagram-Nutzerin.
„Ich verstehe nicht, wie so eine alte Tradition verboten wird. Der eine Tag ändert auch nichts an den anderen 364 Tagen, wo die Umwelt belastet wird“, schreibt ein anderer.
Weitere Nutzer fragen sich etwa, ob Corona Angst vor Feuerwerken habe, und bezweifeln ebenso die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme. Ein anderer Twitter-Nutzer schreibt von einer Heuchelei vonseiten der Regierung und verweist auf den jüngsten Großen Zapfenstreich, bei dem es ein Feuerwerk zu Ehren von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegeben hat:

Umwelt- und Tierschutzorganisationen begrüßen Regelung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warb dagegen schon im November für ein Böller-Verbot – zusammen mit der Gewerkschaft der Polizei (GdP), einigen Ärzten und Tierschützern.
„Böller und Raketen fordern bisher Zehntausende zum Teil schwer Verletzte. Diese hätten in der dramatischen derzeitigen Corona-Lage die Kliniken und das dort um Menschenleben kämpfende Personal weiter be- oder sogar überlastet“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, einer Mitteilung zufolge am Donnerstag.
Zudem forderte Resch, das Abbrennen von Feuerwerk flächendeckend zu verbieten – auch in künftigen Jahren.
Die Umweltschutzorganisation „RescuePlanetLife“ begrüßte die Maßnahme auf ihrer Twitter-Seite und nahm die damit Unzufriedenen wegen ihrer Gleichgültigkeit im Angesicht der realen Probleme wie müllvoller Ozeane, aussterbender Tiere und weltweiten Hungers aufs Korn.
Es gibt auch viele Twitter-Nutzer, die sich eindeutig für das Böllerverbot ausgesprochen haben, vor allem „aus Umweltgründen“ oder „zur Entlastung der Krankenhäuser“:

Auch Silvester-Versammlungsverbote beschlossen

Diese erachtet der Aerosolforscher Gerhard Scheuch als kontraproduktiv, weil diese Versammlungen dann natürlich in Innenräumen stattfinden würden und „wir wissen, dass die Ansteckungsgefahr in Innenräumen um ein Vielfaches höher ist als draußen.“
Scheuch sprach sich seinerseits für das Einhalten der Lufthygiene in den Innenräumen aus.
Auch müssen wir „aufpassen, dass wir uns drinnen nicht anstecken, wir müssen die Menschen sensibilisieren, dass sie in Innenräumen vorsichtiger sind – dass sie sich mit weniger Leuten treffen, die Treffen kürzer gestalten, mehr die Fenster aufmachen und lüften und eben eigentlich auch mehr ins Freie gehen“, heißt es weiter.
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