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„Reißen Sie sich am Riemen!“ – Streit und Intrige bei „Maybrit Illner“-Talkshow

CC0 / Positive_Images / Pixabay / Mikrofon (Symbolbild)
Mikrofon (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.12.2021
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Auf die Leitfrage beim TV-Talk Maybrit Illner „Deutschlands Corona-Desaster – gibt es endlich einen Plan?“ haben die Studiogäste zunächst positiv reagiert. Nichts hat auf einen Zoff gedeutet, der dann doch ausbrach. Endlich mal ein Stück Show in einer Corona-Talkshow.
Selbst der ewige Mahner Karl Lauterbach (SPD) war diesmal optimistisch eingestellt und hat die jüngsten Maßnahmen des Bund-Länder-Treffens am Donnerstag gelobt – weil diese, wie er zu verstehen gab, weitgehend auf seinen Empfehlungen basierten. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war seinerseits davon sehr angetan, dass es bei der Abstimmung der Maßnahmen nicht zu einem Streit zwischen einzelnen Parteien gekommen war:
„Dieses Gegeneinander musste jetzt dringend aufhören“, sagte er. „Dieses Land ist in einer großen Gefahr. Und da geht es nicht darum, wer jetzt politisch profitiert oder einen politischen Kampf gewinnt.“
Damit die Talkshow nicht allzu friedlich verläuft, provozierte die Moderatorin den designierten Justizminister Marco Buschmann (FDP) mit einem Einspieler. Darin begrüßte der Politiker am 27. Oktober das Auslaufen der epidemischen Lage mit der Begründung, es gäbe „keine systemische Überlastung des Gesundheitssystems“.
Corona-Patient auf Intensivstation - SNA, 1920, 01.12.2021
Impfpflicht und „ein zeitlich begrenzter Lockdown“ – Intensivmediziner für strengere Maßnahmen
„Da haben Sie ganz schön danebengelegen“, stichelte die Talkmasterin. Buschmann parierte den Ausfall mit einem Hinweis auf den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), auf dessen optimistische Prognose er sich damals gestützt hätte.

"So können Sie mit mir hier nicht reden!"

Wenige Minuten später brachte diese Spöttelei den angehenden Minister recht spürbar aus der Fassung. Dies trat zutage, als Kretschmer mit einem Einspieler über die katastrophale Corona-Lage in Sachsen auf den Plan gerufen wurde.
„Sachsen ist Hochburg von Corona-Leugnern“, rechtfertigte der Ministerpräsident die hohe Inzidenz und die niedrige Impfquote in seinem Bundesland. „Jeder Vierte hält die Pandemie für eine Verschwörung.“
„Was mich umtreibt, sind diese ‚Telegram‘-Gruppen, diese rechtsextremen Gruppen von 80.000 Menschen, die bösartigste Propaganda, Hass, Hetze, wirklich zersetzende Dinge propagieren“, beklagte sich Kretschmer.
Und wandte sich gleich an Buschmann: „Ich würde mir wünschen, dass wir bald nach Ihrer Amtsübernahme in ein Gespräch kommen.“
Marco Buschmann, Fraktionsgeschäftsführer der FDP, kommt zur Fortsetzung der Koalitionsgespräche zwischen SPD, Grünen und FDP am 16. November 2021 in die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Berlin. Symbolfoto. - SNA, 1920, 01.12.2021
Selbst FDP lenkt bei der Impfpflicht ein – und Fast-Minister Buschmann warnt vor Bußgeldern
Da aber dieser eben bereits nicht in bester Stimmung war, wies er Kretschmers „Wunsch“ (der wohl darauf hinauslief, dass der künftige liberale Justizminister gefälligst für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit sorgen soll), brutal zurück: „Andere Dinge sind natürlich dringender.“ Kretschmer sollte aus seiner Sicht das Geld, das ihm der Bund bereitgestellt hatte, schnellstens in Impfzentren stecken. „Ich würde Sie dringend dazu auffordern“, erklärte er.
„Herr Buschmann, so können Sie mit mir hier nicht reden“, schlug Sachsens Regierungschef zurück. „Wenn jemand aus Berlin kommt und mit mir über das Geld des Bundes reden will, dann ist Schluss.“
„Reißen Sie sich am Riemen, Herr Kretschmer“, erwiderte Buschmann. „Sie hatten alle Möglichkeiten und haben sie nicht genutzt. Die Lage ist außer Kontrolle geraten und jetzt versuchen Sie, es mir oder dem Bund in die Schuhe zu schieben.“
„Sie erzählen mir was von Geld und Impfen, ohne zu wissen, was vor Ort passiert“, so Kretschmer und warf dem Gesprächspartner „Aggressivität“ vor, die „jenseits von Gut und Böse liegt“.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer während Moskauer Besuchs - SNA, 1920, 18.11.2021
„Harter und klarer Wellenbrecher“ kommt in Sachsen – Ministerpräsident Kretschmer
Das spektakuläre Geplänkel dauerte minutenlang, bis dann Lauterbach als Friedensstifter einhakte: „Wir müssen zusammenhalten, sonst kommen wir nicht klar.“ Und fügte versöhnlich hinzu: „Die Zahlen in Sachsen zeigen einen positiven Trend, die Maßnahmen wirken.“
Wieder einig waren alle Politiker am Tisch, als es um eine Impfpflicht ging. Diese sei unter Umständen denkbar, wenn die Menschen den Unterschied zwischen Impfpflicht und Impfzwang erklärt bekommen. Eine Gegenstimme kam nur von der Journalistin Eva Quadbeck im Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Sie sagte, die Regierung würde jedes Vertrauen verspielen, sollte sie trotz aller bisherigen anderslautenden Versprechungen zu diesem Mittel greifen.
„Vertrauen geht mit einer Impfpflicht kaputt“, betonte sie und verwies dabei auf Angela Merkels Abschiedsrede beim Zapfenstreich, in der sie das Vertrauen als Kernstück von Politik mehrmals hervorgehoben hatte.

Lauterbach vs. Nahles?

Ein unterhaltsames Intermezzo gab es noch, als es um Lauterbach als Kandidaten für das Amt des Bundesgesundheitsministers ging. Maybrit Illner titulierte den Stammgast der Corona-Talkshows als „Gesundheitsminister der Herzen“, deutete aber zugleich auf eine Intrige hin: „Auch Andrea Nahles könnte es werden. Dieses Gerücht gab es.“
Karl Lauterbach (Archivbild) - SNA, 1920, 02.10.2021
SPD-Politiker Lauterbach: „Würde ein Ministeramt nicht ablehnen“
„Selbst Herr Merz wünscht sich jetzt Sie schon als Gesundheitsminister und Herr Söder auch“, teilte die Moderatorin Lauterbach mit. Dieser erwiderte: „Das schmeichelt mir, aber vielleicht ist das nicht die Hilfe, die ich brauche.“
Daraus lässt sich offenbar schließen, dass Lauterbach auf dem Weg zum ersehnten Amt sehr wohl Hilfe brauchen könnte.
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