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Kulturbranche nach Corona-Beschlüssen: erleichtert und bestürzt

© CC0 / ruthchia / PixabayKonzertsaal (Symbolbild)
Konzertsaal (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.12.2021
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Vergleichsweise verschont bleibt die Kulturbranche von den neuen Corona-Beschlüssen der Bund-Länder-Runde am Donnerstag. Theater- oder Konzertbesuche sind weiterhin möglich, allerdings nicht im großen Rahmen. Wird es wieder viele Absagen geben?
Nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Runde sind einige in der Kulturbranche erleichtert, dass viele Veranstaltungen weiter möglich sind. Andere berichten von großen Schwierigkeiten. Theater- oder Konzertbesuche sind zwar weiterhin erlaubt, allerdings nicht im großen Rahmen. Das sorgt beim Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft für Bestürzung.

Konzert- und Theatersäle weiterhin voll besetzt

„Es ist gut, dass es nicht zu einer pauschalen Beschränkung des kulturellen Lebens gekommen ist, sondern gezielt dort angesetzt wird, wo das Infektionsgeschehen wirksam eingedämmt werden kann“, teilte Carsten Brosda, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Hamburger Kultursenator, mit. Der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens, sprach am Freitag von „Erleichterung, dass grundsätzlich weiter gespielt werden kann.“
Und fügte hinzu: „Angesichts der üblichen Saalgrößen in Deutschland, die in der Regel maximal 2500 Sitzplätze nicht übersteigen, können Konzert- und Theatersäle also weiterhin voll besetzt werden.“ Brosda sagte dazu: „Die konkreten bundesweit vereinbarten Kapazitätsbeschränkungen beziehen sich auf überregionale Großveranstaltungen und sollten insofern den regulären Theaterbetrieb nicht weiter berühren.“

Massive Konzertabsagen

Anders sieht es bei Großveranstaltungen aus. „Klare Ansage: Mit einer Kapazität von nur 30 bis 50 Prozent kann kein Konzert stattfinden“, sagte am Freitag der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Das funktioniere finanziell schlicht nicht. „Deswegen wird das zu massiven Absagen führen müssen. Zwangsläufig.“ Der Verband wolle allerdings zunächst abwarten, wie die Länder das Beschlossene tatsächlich auslegen.
Teilweise würden Konzerte wegen der neuen Regeln nun zum vierten Mal verschoben. „Die Folgen der Enttäuschung, die mit einer weiteren Absage ausgelöst werden wird, werden wir noch lange als Kaufzurückhaltung spüren.“ Der Kartenverkauf sei bisher nicht annähernd zur bis 2019 gewohnten Normalität zurückgekehrt. Das habe die Branche bereits in den vergangenen Monaten schmerzhaft erlebt. „Die Unternehmen sind immer verzweifelter. Seit 20 Monaten reiht sich für sie ein unlösbares Problem ans andere.“

Klage gegen 2G-Plus

Aus einzelnen Bundesländern kam weitere Kritik – die sich allerdings oft auf landesspezifische Regelungen bezog. Etwa aus Baden-Württemberg, wo ab Samstag die 2G-plus-Regel für viele Bereiche gelten soll. Der Chef der Landestheater Tübingen, Thorsten Weckherlin, forderte Ausnahmen für die sogenannten Booster-Geimpfte von dieser Regel. In vielen Bundesländern gebe es diese in den Theatern nicht, sagte er am Freitag. Und das sei richtig. „Ich kann doch unserem Publikum, das ‚geboostert‘ ist, nicht mehr abverlangen, als notwendig ist. Dieses Plus ist eine Genugtuung für die Impfgegner und ein Drangsalieren der bereits geimpften Leute.“
Das Schauspiel Frankfurt sieht sich wegen der Regeln der hessischen Landesregierung gezwungen, vom 5. bis einschließlich 9. Dezember zu schließen. Und ein Kinobetreiber aus Nürnberg klagt gegen die 2G-plus-Regelung in Bayern, wie am Freitag bekannt wurde.
Der Kinoverband HDF Kino hatte zuletzt mitgeteilt, dass ohne zusätzliche Unterstützung zahlreiche Häuser vor dem Aus stünden. Das Überleben der Kinos müsse gesichert werden, die „mit einem massiven Besucherrückgang seit der Einführung von 2G konfrontiert sind“, hatte Verbandschefin Christine Berg gesagt.

Tanzverbot in Berliner Clubs ab Mittwoch

In Berlin sind sogenannte Tanzlustbarkeiten in den Berliner Clubs wegen der heftig gestiegenen Zahl der positiven Corona-Testergebnisse ab Mitte nächster Woche verboten. Zwar werden die Clubs wegen rechtlicher Fragen noch nicht geschlossen, „aber es darf nicht mehr getanzt werden“, sagte der Chef der Senatskanzlei, Christian Gaebler (SPD), nach einer Sondersitzung des Senats am Freitag. Vom Bund sei beschlossen worden, Clubs bei hohen Inzidenzwerten über 350 zu schließen, der rechtliche Prozess dazu laufe aber noch. Wenn der Bund nächste Woche die Gesetze anpasse, werde man auch in Berlin erneut beraten. Das Verbot des Tanzens sei aber auch schon ohne Beteiligung des Parlaments nach dem Infektionsschutzgesetz möglich.
Es gilt ab Mittwoch, weil dann die neuen Verordnungen in Kraft treten. Offenbleiben dürfen auch Restaurants und Kneipen, es soll aber neue Abstandsregeln geben und weniger Tische.
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