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Mit kurzem Vollgas ins Abseits

© AP Photo / Darko VojinovicDer österreichische Kanzler Sebastian Kurz
Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz - SNA, 1920, 02.12.2021
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Sebastian Kurz, zweifacher österreichischer Ex-Kanzler, hat am 2. Dezember 2021 der Politik endgültig den juvenilen Rücken gekehrt. War der 35-jährige am 9. Oktober als ÖVP-Regierungschef noch „zur Seite“ getreten, legte er nun alle politischen Ämter nieder.
Es hätte alles so schön sein können. Mit und auch für Sebastian Kurz, den jungen Strahlemann mit sanftmütigem Äußeren und knallharten inneren Werten. Im Mai 2021 orakelte der Philosoph Richard David Precht noch „Kurz wird Österreich länger regieren als Fidel Castro Kuba“.
Er hätte vermutlich Recht behalten, der Herr Precht, wäre da nicht die österreichische Justiz, insbesondere die WKStA (Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft). Exakt neun Tage nach der Prechtschen Weissagung wurde bekannt geben, dass besagte Behörde Ermittlungen gegen den damaligen Kanzler sowie seinen Kabinettchef wegen des Verdachts der falschen Zeugenaussage aufgenommen hat.

Nach eigenen Angaben „kein Vollidiot“

Am 3. September ist Kurz in dieser Causa von einem Richter im Beisein eines WKStA-Staatsanwaltes und seines eigenen Anwaltes einvernommen worden. Den publizierten Ausschnitten entnehmen wir, dass sich Sebastian Kurz selbst „nicht für einen Vollidioten hält“ und er offenbar ein ausnehmend harmoniebedürftiger Mensch ist.
Mit den Worten "Das funktioniert nicht so gut zwischen uns" weigerte sich der Beschuldigte, weitere Fragen des Staatsanwalts zu beantworten. Denn dieser schien in seinen Augen nur ein einziges Ziel zu verfolgen, nämlich jenes, dem jungen Mann in unglaublicher Art und Weise „jedes Wort im Mund herumzudrehen“!

Von Falschaussage über Untreue zur Bestechlichkeit

Am 6. Oktober kam es schließlich in der ÖVP-Zentrale in Wien sowie im Finanzministerium zu Hausdurchsuchungen. Begründet wurden diese mit dem Verdacht der Untreue sowie Bestechlichkeit gegen Sebastian Kurz. Der grüne Koalitionspartner wähnte seine Chance, den eigenen Ruf als Anhängsel der ÖVP zu korrigieren und verlangte vor einer Schar geladener Journalisten eine „untadelige Person“ in der Position des Kanzlers.
Sebastian Kurz gibt eine Abschiedsrede am 2. Dezember 2021 - SNA, 1920, 02.12.2021
Österreich
„Ich bin weder ein Heiliger noch ein Verbrecher“: Ex-Kanzler Kurz nimmt Abschied aus der Politik
So kam es, dass er, der sicherlich kein Vollidiot ist, zur Seite trat und den Kanzlerposten für den Außenminister Alexander Schallenberg freigab. Schallenberg zeigte sich nicht nur als untadelig, sondern sogar adelig und vor allem loyal. Denn Sebastian Kurz blieb schließlich Parteichef und hielt weiterhin die Fäden in der Hand.

Chatprotokolle

Ja, es hätte alles so schön sein können! Wären da nicht auch die Chatverläufe, die im Laufe der Ermittlungen ans Licht der Öffentlichkeit geraten waren.
Um die Einführung einer ganztägigen Kinderbetreuung und somit einen Erfolg seines damaligen ÖVP-Chefs zu verhindern, hatte Kurz einen seiner Getreuen mit der Frage „Kann ich ein Bundesland aufhetzen?“ ins Rennen geschickt.
Demselben hatte Kurz aufgetragen, bei der Kirche „bitte Vollgas zu geben“, denn kritischen Stimmen an seiner Asylpolitik könnte man vielleicht mit der Kürzung von Privilegien beikommen.
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz in Wien, 9.10.2021 - SNA, 1920, 02.11.2021
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Wahrscheinlich waren es diese Veröffentlichungen, die dazu beigetragen haben, dass Sebastian Kurz nach eigenen Angaben „keine Begeisterung mehr empfinden kann“. Er wäre in den letzten 10 Jahren mit hundertprozentiger Begeisterung bei der Sache gewesen, erzählte er eindrucksvoll, ja man möchte sagen berührend bei seiner Abschieds-Pressekonferenz.
Er hatte doch stets enorme Freude an der politischen Arbeit. Sah diese immer als Wettbewerb der besten Ideen. Und womit musste er sich nun seit Tagen, Wochen, ja Monaten beschäftigen? Mit der „Abwehr von Vorwürfen, von Anschuldigungen und von Unterstellungen“!
Ja schade. Es hätte alles so schön sein können! Aber nun ist er einmal weg vom politischen Fenster. Mit Vollgas geht es in die neue Zeit der jungen Vaterschaft und wer weiß, ob sich bei der nächsten Vernehmung sein „ich bin kein Vollidiot“ wiederholen wird.
Denn von den Chatverläufen, so erzählt man sich, ist bisher gerade mal ein Drittel ausgewertet ...
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