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Bericht der Hans-Böckler-Stiftung: Finanziell Schwache wurden in der Pandemie weiter ärmer

CC0 / NettPix / Geld (Symbolbild)
Geld (Symbolbild) - SNA, 1920, 01.12.2021
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Erwerbspersonen mit schon vor der Corona-Krise niedrigem Einkommen und Angehörige der unteren Mittelschicht haben im bisherigen Verlauf der Pandemie besonders häufig Einkommensverluste erlitten. So könnten sie dadurch finanziell weiter zurückfallen.
Arme sind in der bisherigen Corona-Krise ärmer geworden. Indizien dafür liefert der kürzlich veröffentlichte Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, der schwerpunktmäßig die Entwicklung von Einkommen und Sorgen in der Mittelschicht analysiert.

62 Prozent mit niedrigem Haushalts-Nettoeinkommen haben an Einkommen eingebüßt

So berichteten im Juli 2021 rund 62 Prozent der Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden mit einem niedrigen bedarfsgewichteten Haushalts-Nettoeinkommen von weniger als 1500 Euro monatlich vor der Krise, sie hätten Pandemie-bedingt an Einkommen eingebüßt. Unter Erwerbspersonen, die zur unteren Mittelschicht zählen (1500 bis 2000 Euro monatliches Haushaltsnetto), haben 54 Prozent Einkommen verloren. In Haushalten mit Einkommen darüber waren zwischen knapp 45 und gut 47 Prozent betroffen, ergibt die repräsentative Befragung unter mehr als 3800 Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden.
Bundesagentur für Arbeit (Archivfoto) - SNA, 1920, 01.12.2021
Studie stellt fest: Mittelschicht in Deutschland bröckelt

Tragfähige Beschäftigungsbasis in Deutschland langfristig erhalten

„Unsere Daten deuten auf zwei hoch problematische Tendenzen hin: Nach einer relativen Entspannung in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre scheinen im unteren Bereich der Mittelschicht die Risiken, sozial abzusteigen, wieder stärker zu wachsen“, sagt Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des WSI.
„Gleichzeitig könnten Erwerbspersonen mit Niedrigeinkommen, die es ohnehin schwer haben, den wirtschaftlichen Anschluss zu halten, noch weiter zurückfallen.“
Wichtig für beide Gruppen seien Reformen, die Einkommen und „normale“, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stärken sowie den Wirkungskreis sozialer Sicherung vergrößern, so Kohlrausch. Dazu zählten unter anderem einige Vorhaben der Ampel-Koalition wie die Erhöhung des Mindestlohns und eine Stärkung der Tarifbindung.
Problematisch sei es hingegen, wenn durch eine Erhöhung der Verdienstgrenzen noch mehr sozial nicht abgesicherte Minijobs entstünden, analysiert die Soziologin. Zudem müsse der klimaverträgliche Umbau der Wirtschaft durch Investitionen so gestaltet werden, dass eine tragfähige Beschäftigungsbasis in Deutschland langfristig erhalten bleibe.
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