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„Warten Sie draußen!“: Leben unter 2G bringt Extreme und Gewalt mit sich

© REUTERS / THILO SCHMUELGENTeil eines Schirms mit Corona-Regeln auf dem Weihnachtsmarkt in Köln
Teil eines Schirms mit Corona-Regeln auf dem Weihnachtsmarkt in Köln - SNA, 1920, 30.11.2021
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Man braucht kein Impfskeptiker zu sein, um zu erkennen, dass die 2G-Maßnahmen schon eine gewisse Verrücktheit mit sich bringen und ihre Verschärfung die Gesellschaft nur weiter spalten bzw. die Impfverweigerer nur weiter radikalisieren könnte. Ein Kommentar aufgrund der eigenen Erfahrungen.
Es ist ein normaler Tag in einem Zug der Deutschen Bahn von Düsseldorf nach Berlin. Ein unsympatisch aussehender Mann in der Sitzreihe vor mir trägt seine OP-Maske am Kinn, sein blonder Sitznachbar, etwas jünger, kommt auf ihn zu und fordert den Ungehorsamen auf, die Maske richtig zu tragen. Der Typ reagiert genervt und weist den Hinweis ab. Der junge Mann wiederholt ihn dann mit mehr Druck. Anschließend fetzen sich die beiden, den eigenwilligen Masken-Verweigerer hört der gesamte Waggon ziemlich aggressiv schreien: „Rede nicht mit mir!“ Ganz schön verrückt, denke ich mir. Solche Typen kannst du nicht im Waggon überzeugen, wenn die Bundesregierung, die Medien und bestimmt schon viele Freiwillige es bisher nicht geschafft haben. Sie sollen bestmöglich in Ruhe gelassen werden. In der russischen Provinz, aus der ich komme, tragen in den Bussen nach wie vor die Hälfte der Passagiere keine Masken, und wenn ich alle deswegen belehren würde … bringt nichts, frisst aber unglaublich viel Energie.
Irgendwo in Hamm steigt der Alte aus, und zwei junge Mädels setzen sich vor den jungen Mann. Und schon beginnt er, sich bei ihnen über den unliebsamen Sitznachbarn zu beschweren. Dass er die Maske habe nicht richtig tragen wollen und, Gott bewahre, womöglich noch ungeimpft sei. Die Mädels nicken ihm zustimmend zu und äußeren Unverständnis dafür, dass niemand im Zug die 3G-Nachweise kontrolliert. Die ausbleibende Kontrolle stört auch viele geimpfte Journalisten in den Medien. Neulich schreibt eine junge Redakteurin im „Tagesspiegel“, wie sie einem BVG-Kontrolleur ihren Fahrschein zeigt, dieser aber danach weiterläuft. „Äh, Entschuldigung, wollen Sie nicht auch meinen Impfausweis sehen?“, fragt sie dann. Die Botschaft dahinter: Ich bin die Gute und halte mich an die Regeln. Die 3G-Verweigerer gehören aber für ihre Verweigerung bestraft.
Ein Polizeiwagen in Wien - SNA, 1920, 19.11.2021
Österreich
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Ich, viermal geimpft, soll draußen warten

Einige Tage später bin ich beim Shopping in Berlin Mall. Da gilt, wie sonst im Einzelhandel, bekanntlich die 2G-Regel, und da viele Geschäfte für die Kontrolle am Eingang keine Türsteher aufgestellt haben, muss man bei einigen Läden länger draußen warten, bis die Verkäuferin mit der Bedienung der Kunden fertig ist und den Impfnachweis einscannen kann. Einige Verkäuferinnen und Verkäufer erlauben es einem zwar, wenigstens den Laden zu betreten, um dann seinen QR-Code schon drinnen zu überprüfen, aber in manchen Läden ist es so …. Wenn ich dann doch den Laden betrete, werde ich von einer gestressten Verkäuferin angeschrien und mir wird auf die Tür gewiesen. „Warten Sie bitte draußen!“, sagt sie mir - und ich verlasse umgehend das Geschäft, obwohl ich - viermal geimpft: zweimal mit „Sputnik V“, der in Deutschland nicht anerkannt wird, und dann zweimal frisch mit Biontech/Pfizer, – ihr meinen anerkannten QR-Code hätte vor die Nase halten können.
Ebenso vorsorglich bis ängstlich zeigen sich auch einige Gastronomen in Berlin, die selbst dann nach dem Impfnachweis fragen, auch wenn man nur was zum Mitnehmen bestellen will. Na klar, es steht nicht umsonst „Zutritt nur für Geimpfte und Genesene“ an der Tür geschrieben, – und du hast das Restaurant schon faktisch betreten. Mit FFP2-Maske und so.

Jeder wird verrückt auf seine eigene Weise

Das Schreсkliche passiert, wenn bei all diesen Extremen, die fast zur Norm geworden sind, die Unzufriedenen dann zur Gewalt greifen. Im September hatte ein Mann in Idar-Oberstein einen 20-jährigen Studenten an der Tankstelle erschossen, weil dieser ihn auf die Maskenpflicht verwiesen hatte. Diese grausame Tat gehört verurteilt und bestraft - keine Frage. In der russischen Stadt Kasan hat ein Mann an diesem Montagnachmittag in einem Einkaufszentrum einen Wächter mit einem Messer gestochen, nachdem der 65-Jährige ihn nach einem QR-Code gefragt hatte. Er hat überlebt – und der Täter wurde festgenommen.
Und doch bedeuten all diese gruseligen Taten leider nicht, dass Ungeimpfte sich gerade durch ihre Ausgrenzung oder eine überzogene Kontrolle von einer Impfung überzeugen lassen. So nimmt man den Leuten nur selten ihre Ängste vor der Spritze. Während die einen sich noch weiter radikalisieren, fühlen die Zweifler sich nur in ihrer Meinung bestätigt. Wenn die Virologin Melanie Brinkmann Mitte November bei Markus Lanz meinte, die geimpften 77 Prozent in Deutschland hätten sich mit ihrer Impfung demokratisch für eine Impfpflicht für alle entschieden, liegt sie auch falsch. Geimpft sein heißt nicht, eine allgemeine Impfpflicht für alle zu fordern. Es sei denn, der zu Impfende darf selbst entscheiden, mit welchem Impfstoff er sich impfen lassen möchte. Doch bis dahin ist es ein langer Weg.
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