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Ein Corona-General und Spahns Corona-Uhr: Streit um Lockdown bei „Anne Will“

© AP Photo / Michael ProbstGesichtsmaske auf dem Römerberg, Frankfurt am Main
Gesichtsmaske auf dem Römerberg, Frankfurt am Main - SNA, 1920, 29.11.2021
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Kommt ein bundesweiter Lockdown? Bei „Anne Will“ sprachen sich alle Ampel-Politiker dagegen aus. Jens Spahns Corona-Uhr steht aber bereits auf „halb eins“. Nun kommt ein Corona-Krisenstab mit einem General an der Spitze. Wird Deutschland demnächst doch noch „kaserniert“?
Der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht gern von seiner Corona-Uhr, auf die er hin und wieder besorgnisvoll guckt. „Ich habe vor zwei Wochen gesagt, es ist fünf nach zwölf“, teilte er am Sonntagabend beim „Anne Will“-Talk mit. „Jetzt ist es halb eins.“

Spahn: "Ich hätte mehr insistieren müssen"

Ende Sommer und Anfang Herbst dürfte die Uhr noch zehn oder halb elf gezeigt haben. Bereits dann hätten strengere Corona-Maßnahmen beschlossen werden müssen. „2G haben wir schon im August diskutiert“, verriet der CDU-Politiker. Damals war aber die Wahlkampagne noch voll im Gange. Das politische Risiko, die ungeimpften Wähler auf diese Weise wegzuscheuchen, sei viel zu groß gewesen. „Das war im Nachhinein falsch. Ich hätte da mehr insistieren müssen.“
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Jetzt sei es eben viel zu spät. Auch der Corona-Krisenstab, dessen Bildung die Ampel-Regierung angekündigt hat, werde da kaum etwas ändern können, befürchtet Spahn:

„Weder der Krisenstab noch das Impfen wird diese Welle, so wie sie jetzt ist, in dieser Höhe, mit dieser Belastung im Gesundheitswesen, brechen.“

Was nach seiner Überzeugung noch helfen könnte, wäre wohl ein genereller Lockdown. Dieses „Un-Wort“ mied der Noch-Gesundheitsminister allerdings und sprach von „kontakteinschränkenden Maßnahmen“: „Großveranstaltungen absagen, Feiern absagen. In bestimmten Regionen das gesamte öffentliche Leben runterfahren.“ Und: „2G-Plus konsequent im ganzen Land.“

Baerbock: "Impfbus gehört vor jede Schule"

„In der nächsten Woche wird es einen Bund-Krisenstab geben, unter Leitung eines deutschen Generals“, verkündete FDP-Chef Christian Lindner bei „Anne Will“. „Wir wollen bis Weihnachten viele Millionen Menschen zusätzlich boostern oder auch Erstimpfungen verabreichen.“
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Sein Vorschlag, der danach kam, hatte bereits einen starken militärischen Beigeschmack, der dem Corona-General sicherlich gefallen würde:

„Jeder, der medizinisch verantwortbar eine Spritze halten kann, um eine Impfung zu geben, soll das tun.“

Annalena Baerbock, Grünen-Ko-Vorsitzende und genau wie Lindner künftige Ministerin im Ampel-Kabinett, klang nicht weniger brachial und forderte eine deutschlandweite 2G-Regel, damit „wir bei den Ungeimpften wirklich hart in die Kontaktbeschränkungen reingehen“. Außerdem gehören Impfbusse „vor jede Schule“.

Schwesig teilt gegen Opposition aus

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, teilte die Meinung der beiden Koalitionskollegen, dass ein bundesweiter Lockdown vermieden werden soll. Für einen „Lockdown für Ungeimpfte“ wäre sie aber allemal.

„Wir haben eine andere Situation als letztes Jahr im Herbst“, betonte sie. „Viele haben sich impfen lassen, für die tragen wir Verantwortung.“

Da sich die SPD-Politikerin anscheinend immer noch in Wahlkampf-Stimmung befand, teilte sie fleißig gegen die Rivalen aus der Union aus. Spahn rügte sie dafür, dass er das Ende der epidemischen Lage verkündet hatte. Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hätte in seiner Domäne längst Maßnahmen ergreifen können, die er gemäß dem neuen Infektionsschutzgesetz ergreifen darf:

„Alles, was Herr Söder jetzt öffentlich fordert für Deutschland, kann er machen, muss er auch machen“, erklärte Schwesig und fügte hinzu: „Es ist immer schwierig, dass die, die sich selber fragen müssen, habe ich schon genug getan, andere immer belehren.“

Außerdem sei Bayern vor kurzem ein Land gewesen, wo zu Fußballspielen zu viele Zuschauer kommen konnten, mehr als es eine bundesweite Verabredung zugelassen habe, betonte sie.
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Auch der Chef der Liberalen spielte beim Thema Fußball gern mit:

„Ich bin ein Freund des Fußballs. Aber in der Größenordnung wie jetzt geht das nicht mehr.“

Anne Will: Die Ampel verspielt das Vertrauen

Die Talkmasterin Anne Will, die zwecks Dramatik mehr Dissens und Streit in ihrem Talk wollte, provozierte die Ampel-Politiker mit Behauptungen wie „Die Ampel verspielt noch vor ihrem eigentlichen Start sehr viel Vertrauen.“ Diese ließen sich allerdings schwer aus ihrer Komfortzone bringen – bis die „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann mit ihrer Bemerkung ihren Senf dazu gab, das Infektionsschutzgesetz behindere eine effektive Pandemie-Bekämpfung und mache so manche der bisherigen Einschränkungen nicht mehr möglich – vor allem einen landesweiten Lockdown.
Spritze (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.11.2021
Bundeswehr-Offizier als Impf-Puscher? – Deutsche Corona-Politik im ZDF-Talk am Pranger
Lindner, Baerbock und Schwesig protestierten dermaßen vehement, dass die Moderatorin die Diskussion ziemlich lange nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte. Für einen Moment vermissten viele Zuschauer sicherlich einen strengen Offizier in Wills Sessel, der für mehr Disziplin im Studio sorgen würde.
Immerhin hat der designierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) zu möglichen Corona-Bekämpfungsmaßnahmen gesagt:

„Es gibt nichts, was nicht in Betracht gezogen werden kann.“

Was nichts anderes bedeuten mag, dass auch ein deutschlandweiter Lockdown sehr wohl in Frage kommt. Und einem Bundeswehr-General, der den Krisenstab leiten soll, wird schon der Begriff „Kasernieren“ gut vertraut sein.
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