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Video: Von „Asterix“ bis de Gaulle und Kohl – Das Schicksal von Deutschland und Frankreich

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Sie waren Erzfeinde, aber ihre Freundschaft bildet heute den Kern des modernen Europas. Deutschland und Frankreich sind historisch schicksalshaft miteinander verwoben. In seinem neuen Buch erinnert Autor Thomas Gebhardt gemeinsam mit Willy Wimmer an Denkmäler und den deutsch-französischen Krieg ab 1870, aus dem das Deutsche Reich hervorging.
Wie der Kölner Ökonom und Autor Thomas Gebhardt in seinem Buch „Der Fluch von Sedan“ schreibt, gibt es auf deutscher und auf französischer Seite zwei ähnliche, mythenumrankte Legenden. Zwei Freiheitskämpfer und Nationalhelden sozusagen, die sich in Schlachten bewähren mussten und damit die historische Grundlage für die beiden modernen Staaten Deutschland und Frankreich schufen. Diese Zusammenhänge erklärte der Autor im Gespräch mit SNA News.
„Denkmäler sind zunächst einmal Zeitzeugen der Geschichte“, sagte Gebhardt im Video-Interview. „Sie bilden das ab, was die Menschen zu jener Zeit über das jeweilige Ereignis gedacht haben. Also zunächst eine zeitgenössische Widerspiegelung des damaligen Denkens. Oder auch die kunsthistorische Frage: Wie werden die Denkmäler, auch technisch, geschaffen? Insofern dokumentieren diese Denkmäler in meinem Buch das Verhältnis oder den Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Zugleich auch den Versuch, diesen Konflikt zu überwinden – wenn Sie die Gedenktafeln (in deutscher und französischer Sprache, Anm. d. Red.) vor der Kathedrale in Reims ansprechen.“

Hermann und „Asterix“

Doch zurück zu den Nationalhelden beider Völker: In der berühmten „Varus-Schlacht“ im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. konnte der Deutsche Hermann (auch Arminius genannt), ein germanischer Fürst, mit Kriegern Germaniens in einer Art prämoderner Guerilla-Taktik das scheinbar übermächtige Heer des Römischen Reichs mit Feldherr Varus vernichtend schlagen. Bis heute ist das für die deutschen und früher germanischen Völker und Regionen ein wichtiges Ereignis in der nationalen Erinnerung. Bei Detmold im heutigen Nordrhein-Westfalen erinnert ein überdimensionales Hermannsdenkmal seit 1875 an diesen Sieg über Rom, was Gebhardt in seinem Buch ausführlich bespricht. Da laut Historikern ein Achtel der gesamten Armee des Römischen Imperiums dabei vernichtet wurde, gilt dieser Sieg Hermanns als Ende des Versuchs durch Rom, die Gebiete Germaniens östlich des Rheins bis zur Elbe zu einer Provinz des Römischen Reichs zu machen.
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Für Frankreich ist der gallische und keltische Fürst Vercingetorix ähnlich bedeutend wie für die Deutschen Hermann, sagte der Kölner Autor. Vercingetorix verteidigte die Gallier gegen die Römer unter Julius Cäsar, jedoch erfolglos. Er lieferte damit aber die Vorlage für die bekannte Comic-Figur Asterix, wie Gebhardt im Gespräch bestätigte. 1865 wurde in Alésia in Zentralfrankreich eine riesige Kolossalstatue von Vercingetorix durch den Bildhauer Aimé Millet erschaffen, sie ziert dort bis heute die Landschaft. Bilder solcher und anderer Denkmäler aus der deutsch-französischen Geschichte lassen sich ebenfalls im Buch von Gebhardt finden.
„Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der deutschen Reichsgründung 1871 entstand dann ein regelrechter Vercingetorix-Kult“, schreibt er in seinem Werk über den gallischen Freiheitskämpfer und dessen Vermächtnis. „Ähnlich der Verklärung Hermann des Cheruskers auf deutscher Seite. (...) Sowohl Gallier als auch Germanen kämpften gegen die Römer. Die unterschiedliche Abstammung wird heutzutage gern dergestalt veranschaulicht, dass die Germanen mit ihrem Gott Wotan rechts des Rheins gelebt hätten und die Gallier mit Teutates links davon – Spiegelbild der jahrhundertealten politischen Doktrin Frankreichs, dass der Fluss Rhein die naturgegebene Grenze zu Deutschland sei.“

„Man war hier eben mal französisch“ – Willy Wimmer im Vorwort

Dem lesenswerten und spannenden Buch vorangestellt ist ein Vorwort des rheinländischen CDU-Spitzenpolitikers Willy Wimmer, früherer Berater von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.
„Westlich des Rheins zeugen spektakuläre sowie auch weniger auffallende Denkmäler von der deutsch-französischen Beziehung“, schreibt Wimmer. „Im Rheinland selbstverständlich, wo man sich gern an Paris erinnert. Nicht nur der Mode wegen. (...) Man war hier eben einmal französisches Département, und die gesamte industrielle Entwicklung hat etwas mit dem Frankreich Napoleons zu tun.“
Nachdem der französische Kaiser und Feldherr Napoleon Bonaparte, der aus den Wirren der Französischen Revolution als neuer mächtiger Mann hervorgetreten war, fast ganz Europa, Deutschland und weitere Territorien erobert und besetzt hatte, sollte dies einen Anstoß für die weitere Entwicklung der europäischen Nationalstaaten geben. Auf wirtschaftlicher, juristischer, sozialer wie politischer Ebene. Ab 1806 kontrollierte Napoleon die deutschen Fürsten im Rheinbund und errichtete für seinen Schwager das Großherzogtum Berg sowie für seinen Bruder das Königreich Westphalen.
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Im Laufe der Jahrzehnte, befeuert durch die Neuordnung Europas dank der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress, einer Zeit der Restauration und versuchter Revolutionen – wie etwa 1848 in Deutschland – sowie weiterer militärischer Fortschritte, stiegen Frankreich und einige deutsche Bundesstaaten, darunter an vorderster Stelle Preußen, zu mächtigen Akteuren in Europa auf. Eine Konkurrenz, ein Wettstreit, ein direktes militärisches Messen zwischen den „Erzrivalen“ schien unausweichlich. All dies gipfelte im deutsch-französischen Krieg ab Sommer 1870, den Frankreich recht deutlich verlor.

Deutsch-französischer Krieg und Triumph Bismarcks

„Von daher ist es sicherlich ein Fluch für Frankreich, der eben durch die Schlacht von Sedan – wobei der Krieg ja nicht in Sedan gewonnen wurde, sondern in Metz und durch die Belagerung von Paris – für die Franzosen schwer zu verkraften gewesen ist“, so Gebhardt.
Diesen Konflikt zwischen Frankreich und dem Norddeutschen Bund unter Führung Preußens sowie den preußischen Verbündeten in Süddeutschland – Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt – konnte die deutsche Seite in relativ kurzer Zeit klar für sich entscheiden. Als Demütigung empfanden die Franzosen die anschließende Ausrufung des neuen Deutschen Reichs und vor allem die Krönung des deutschen Kaisers Wilhelm I. vor den Toren von Paris in Versailles. Der spätere Reichskanzler und Vordenker Otto von Bismarck durfte triumphieren. „War jedoch zu seiner Zeit auch eine Reizfigur“, wie Gebhardt einordnete.
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Während Frankreich der staatlichen Neugründung des Nachbarn Deutschlands naturgemäß sehr skeptisch gegenüberstand – vor allem als Kriegsverlierer – äußerten auch deutsche Intellektuelle und Philosophen ihre Skepsis gegenüber einem neuen deutschen Nationalstaat. Darunter der Philosoph Friedrich Nietzsche.
„Es ist tatsächlich so, dass Nietzsche und andere Intellektuelle sich schwertaten mit einem Deutschen Reich, das eine politische Hegemonie gegenüber Frankreich oder überhaupt in Europa anstrebte“, erklärte Gebhardt im SNA-Interview. „Eine solche preußische Hegemonie entsprach nicht dem Menschen- und Weltbild Nietzsches.“ Dieser hatte meist eine deutsche Kulturnation, aber keine reine Machtnation befürwortet, sagte der Autor aus Köln. „Auf der anderen Seite ist es so, dass wir in Deutschland das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatten. Hier sind gewisse Hegemonieansprüche (über Europa im Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland, Anm. d. Red.) schon früher erkennbar.“

Nachkriegsordnung und deutsch-französische Freundschaft

Letztlich konnte sich Frankreich in zwei Weltkriegen für die Niederlage um 1871 doppelt beim Erzrivalen revanchieren, auch wenn das lange durch Hitler-Deutschland besetzte Land sicherlich der schwächste Sieger der vier Alliierten gegen das Dritte Reich im Zweiten Weltkrieg gewesen war, wie Historiker heute einschätzen.
Nach 1945 setzte sich allerdings auf beiden Seiten des Rheins langsam die Vernunft in der Politik durch. Die Regierungen in Bonn und Paris begannen, regelmäßig miteinander zu sprechen. Zunächst Kanzler Konrad Adenauer mit dem französischen Präsidenten und General Charles de Gaulle, auch vor dem Hintergrund der europäischen „Montanunion“ und der westlichen Einbindung der Bundesrepublik. Später dann die beiden Freunde und politischen Weggefährten Helmut Kohl und François Mitterrand.
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Ein staatlicher Jugend- und Schüleraustausch zwischen Deutschen und Franzosen wurde organisiert, der bis heute fortdauert. Die Wurzeln dieses Jugendaustauschs liegen jedoch schon im 19. Jahrhundert, wie der Buchautor im Video-Gespräch betonte. Aus Feinden wurden so im Laufe der Zeit enge Freunde und Partner in der Europäischen Union (EU), Europa und der westlichen Welt insgesamt.
Nicht zu vergessen die wechselhafte Geschichte von Elsass-Lothringen, das mal auf deutschem, mal auf französischem Staatsterritorium lag. Das Gebiet um Straßburg kann vielleicht als gutes Sinnbild für das schicksalshafte Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland betrachtet werden.
Thomas Gebhardt, mit einem Vorwort von Willy Wimmer: „Der Fluch von Sedan: Zur Problematik der deutsch-französischen Nachbarschaft. Denkmäler und Denkfehler – von Vercingetorix bis Macron“, Verlag „Zeitgeist“, Höhr-Grenzhausen, erste Auflage, Dezember 2020, 180 Seiten, 19,80 Euro.
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