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Ukrainischer Botschafter in Deutschland fordert Entschädigung für verlorene kulturelle Werte

© AFP 2021 / SERGEI SUPINSKYEin Open-Air-Museum in Kiew
Ein Open-Air-Museum in Kiew - SNA, 1920, 28.11.2021
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Kiew ist laut dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, berechtigt, eine Entschädigung sowohl für die im Zweiten Weltkrieg verlorenen kulturellen Werte als auch für das an die Bundesrepublik unentgeltlich übergebene Archiv des Komponisten Johann Sebastian Bach zu bekommen.
In einem Brief an den Vorsitzenden der Sing-Akademie zu Berlin, Georg Graf zu Castell-Castell, betonte Melnyk, er werde an dem Konzert anlässlich des 20. Jahrestages der Übergabe des Bach-Archivs nicht teilnehmen:
„Es wurde der deutschen Regierung gegenüber betont, dass die ukrainische Seite Schritte von Deutschland erwartet: sowohl im Hinblick auf die Entschädigung für die enormen Verluste des kulturellen Erbes der Ukraine während der Nazi-Besatzung als auch im Hinblick auf die politische Unterstützung meines Vaterlandes auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft“, zitiert die Nachrichtenagentur Ukrinform den Diplomaten.
Melnyk verweist darauf, dass die offiziellen Vorschläge der ukrainischen Regierung, nach denen Deutschland beispielsweise einen „Entschädigungsfonds für Kriegsverluste” zum Ankauf wertvoller Kunstobjekte von Weltrang für die am stärksten betroffenen ukrainischen Museen schaffen könnte, einfach ignoriert würden.
Er merkte auch an, er habe sich in den letzten Jahren immer wieder sowohl an die zuständigen Kulturinstitutionen als auch an die Kanzlerabteilung und das Auswärtige Amt mit Vorschlägen zu wichtigen ukrainisch-deutschen Initiativen im Rahmen der Übertragung des Bach-Archivs gewandt. Es handelte sich unter anderem um die Möglichkeit, ein jährliches bilaterales Bach-Musikfestival oder ein millionenschweres Programm zur Finanzierung klassischer Musik in der Ukraine zu gründen. Alle diese Versuche seien erfolglos gewesen.
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Solange Berlin Kiew weiterhin eine ernsthafte Diskussion über die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber der Ukraine, insbesondere im Bereich der Wiedergutmachung des verlorenen Kulturerbes, verweigere, und solange Deutschland die legitimen Interessen und Rechte der Ukraine vernachlässige, werde der „bilaterale Dialog“ belastet bleiben.
Melnyk erinnert in seinem Brief auch daran, dass die Ukraine während der Besatzung von der Wehrmacht völlig zerstört worden sei. Nicht nur Millionen Menschen seien gestorben, sondern auch das reiche kulturelle Erbe der Ukraine sei schwer beschädigt worden: Mehr als eine halbe Million wertvolle Museumsexponate, 46 Millionen Archivalien und 50 Millionen Bücher seien damals verloren gegangen. Insgesamt mache die Ukraine 73 Prozent des gesamten Verlustes an kulturellen Werten der Sowjetunion aus, so Melnik abschließend.
Das Archiv der Noten von Johann Sebastian Bach, dessen kultureller Wert unschätzbar ist und dessen materieller Wert mehrere zig Milliarden Euro übersteigt, wurde 2001 unter der Präsidentschaft von Leonid Kutschma an die Regierung von Gerhard Schröder übergeben. Ob dieser politische Schritt jener Behörden angemessen und rechtlich zulässig war, wird in der ukrainischen Öffentlichkeit noch immer heftig diskutiert, auch das ukrainische Parlament hat dem nicht zugestimmt.
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