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„Infektionsgeschehen aggressiver als gedacht“: Lauterbach erwartet weitere Einschränkungen

© AP Photo / Markus SchreiberDeutscher Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD)
Deutscher Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) - SNA, 1920, 27.11.2021
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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat in einem Interview mit den ARD-„Tagesthemen“ die 2G- und 2G-plus-Kontrollen in Deutschland kritisiert. Der Politiker geht von einer weiteren Verschärfung der Einschränkungsmaßnahmen aus – jedoch im Rahmen des geltenden Infektionsschutzgesetzes.
Lauterbach wurde unter anderem gefragt, ob die jetzigen Corona-Maßnahmen reichen würden, um durch den bevorstehenden Winter zu kommen. Diesbezüglich kann man sich aus Lauterbachs Sicht nicht sicher sein: „Das können wir noch nicht genau sagen, aber die ersten Auswertungen, die wir jetzt gesehen haben von den Kontaktarten, weisen darauf hin, dass wir möglicherweise noch einmal nachsteuern müssen. Tatsächlich ist das Infektionsgeschehen aggressiver als gedacht“, sagte er am Freitagabend.
Zwar hätten die ergriffenen Maßnahmen gewirkt: „Wir sehen tatsächlich, dass die Kontakte etwas zurückgehen“. Seiner Meinung nach könnte eine weitere Verschärfung der Einschränkungen erforderlich sein: „Aber es ist noch nicht da, wo es sein müsste, und es wird auf jeden Fall notwendig werden, dass wir nachschärfen, davon gehe auch ich aus.“
Flughafen Frankfurt (Archivfoto) - SNA, 1920, 26.11.2021
Bundesregierung stuft acht Länder als Virusvariantengebiete ein
In Bezug auf das gerade verabschiedete Infektionsschutzgesetz sagte Lauterbach, es gehe um die vom Gesetz bereits vorgesehenen Maßnahmen, die noch lange nicht ausgereizt seien. „Was insbesondere große Probleme macht, ist tatsächlich, dass die Kontrollen von 2G und 2G-plus überhaupt nicht angemessen stattfinden.“ Zudem gebe es nach wie vor zu viele große Veranstaltungen. „Und es sind aber gerade diese großen Veranstaltungen und auch die vollen Lokale, die vollen Geschäfte, die uns die Probleme machen.“
Lauterbach zeigte sich besorgt darüber, dass die im Süden Afrikas aufgetauchte, möglicherweise gefährliche Variante B.1.1.529 auch Deutschland erreichen könnte. Wenn das passieren würde, dann hätten wir ein riesiges Problem. „Denn es ist nichts schlimmer, als eine besonders gefährliche Variante in eine laufende Welle hineinzubekommen.“ Nach den vorläufigen Erkenntnissen sei die Variante für Geimpfte und Ungeimpfte gefährlich. „Daher müssen wir mit Reisebegrenzungen hier arbeiten, hier zählt wirklich jeder Tag, der gewonnen werden kann, bis diese Variante kommt.“
Virus-Übertragung beim Sprechen (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.11.2021
Interner Lagebericht der Bundesregierung: Geringere Impfstoffwirkung bei neuer Virusvariante möglich
Die Booster-Impfungen würden auch vor dieser Variante schützen, weil der Boostereffekt so enorm stark sei, betonte Lauterbach. Wenn sich diese Variante aber tatsächlich massiv durchsetzen würde, was man derzeit aber nicht wisse, „dann müsste ein neuer Impfstoff entwickelt werden. Der wäre dann in drei Monaten auf dem Markt. Aber die Booster-Impfung würde dann wahrscheinlich den größten Teil des Schutzes bieten, und die Booster-Impfungen setzen wir derzeit um.“.
Am Freitag wurde in Belgien ein erster Fall der Virus-Variante B.1.1.529 gemeldet, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuvor als „besorgniserregend“ eingestuft hatte. Experten befürchten, dass die vielen Mutationen der Variante dazu führen, dass sich der Erreger schneller ausbreitet oder die Impfstoffe ihre Schutzwirkung verlieren.
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