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Intensivmediziner mahnt: Impfstatus darf bei Triage-Entscheidung keine Rolle spielen

© SNA / Alexey Danichev / Zur BilddatenbankIntensivstation (Symbolbild)
Intensivstation (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.11.2021
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Intensiv- und Notfallmediziner haben ihre klinisch-ethischen Empfehlungen zur Priorisierung und Triage bei Covid-19 aktualisiert. Der Impfstatus eines schwererkrankten Covid-Patienten dürfe demnach bei der Entscheidung über die Behandlung keine Rolle spielen.
In den letzten Wochen wurde wiederholt in öffentlichen Diskussionen vorgeschlagen, den Impfstatus als Entscheidungskriterium für die Priorisierung bei knappen Mitteln anzuwenden. Das ist offenbar auch der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin („Divi“) nicht entgangen. Die Frustration über den Verzicht mancher Menschen auf eine wirksame Impfung sei zwar nicht zuletzt angesichts der massiven Belastungen für die im Gesundheitssystem Tätigen nachvollziehbar, sagt Uwe Janssens, ehemaliger Präsident der „Divi“ und Leiter der Arbeitsgruppe Ethik. Allerdings haben die Fachgesellschaften in der aktualisierten „Leitlinie zur Priorisierung und Triage bei akuter Ressourcenknappheit“ klargestellt, dass eine fehlende Impfung kein legitimes Kriterium für Triage-Entscheidungen darstellen „kann“.
„Die Hilfspflichten im Gesundheitswesen bestehen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen unabhängig vom Auslöser beziehungsweise dem vorangehenden Verhalten des bedürftigen Patienten.“
Uwe Janssens
ehemaliger Präsident der "Divi", 26. November 2021
Der Medizinethiker und Präsident der Akademie für Ethik in der Medizin, Georg Marckmann, ergänzt, dass Leistungsansprüche in unserem „solidarischen Gesundheitssystem“ aus guten, ethischen Gründen nicht von Kriterien wie „Selbstverschulden“ oder „Eigenverantwortung“ abhängig gemacht werden. Erstens sei im Einzelfall in der Regel nicht hinreichend sicher nachzuweisen, dass die Erkrankung ursächlich auf ein gesundheitsschädigendes Verhalten des Patienten zurückzuführen ist. Zweitens beruhe das Verhalten häufig nicht auf einer freien, selbstbestimmten und damit selbst zu verantwortenden Entscheidung. „Drittens fehlen allgemein akzeptierte Standards, für welche selbst verursachten und frei gewählten gesundheitsgefährdenden Handlungen der Einzelne in welchem Ausmaß Verantwortung tragen soll. Dies gilt nicht nur für Übergewicht, Rauchen oder Risikosportarten, sondern auch für die Entscheidung zum Verzicht auf eine Sars-Cov-2-Impfung. Deshalb ist eine Priorisierung knapper akutmedizinischer Ressourcen nach dem Impfstatus nicht akzeptabel“, heißt es dort.
„Wir sind Retter, keine Richter.“
Georg Marckmann
Präsident der Akademie für Ethik in der Medizin
„Es ist so, dass wir den Lungenkrebs des Rauchers genauso behandeln wie die koronare Herzerkrankung des Übergewichtigen. Und genauso werden wir natürlich auch die Covid-Erkrankung von jemand behandeln, der sich nicht geimpft hat“, sagte Marckmann laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) am Freitag in München. „Wir sind Retter, keine Richter“, habe Marckmann betont.

Ressourcenverteilung in Kliniken

Die zweite wesentliche Änderung der Leitlinie betrifft die klinisch-ethischen Grundlagen der Ressourcenverteilung angesichts des gestiegenen Bedarfs für Covid-19-Patienten. „Zeichnet sich eine Ressourcenknappheit ab, sollten Krankenhäuser den Regelbetrieb einschränken, um damit Kapazitäten für die zunehmende Anzahl Schwerkranker mit Covid-19 breitstellen zu können. Hierzu sollten zunächst solche Behandlungen aufgeschoben werden, bei denen durch die zeitliche Verzögerung keine Verschlechterung der Prognose, keine irreversiblen Gesundheitsschädigungen oder gar der vorzeitige Tod zu erwarten sind“, so die „Divi“-Autoren.
Für den Fall, dass darüber hinaus eine weitere Ausweitung von Behandlungskapazitäten für Covid-19-Patienten erforderlich sei, müsse bedacht werden, dass Patienten mit anderen Erkrankungen gegenüber Covid-19-Patienten nicht benachteiligt werden, fordert der Medizinethiker und Mitautor der Leitlinie, Jan Schildmann. „Die Gleichbehandlung aller zu versorgenden Patienten ist auch im Falle knapper Ressourcen zu gewährleisten. Negative gesundheitliche Auswirkungen durch die Einschränkungen sind zu minimieren. Die Patienten und ihre Angehörigen sind über die Gründe etwaiger Begrenzungen in der Versorgung und die damit möglicherweise verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen transparent zu informieren“, unterstreicht Schildmann.
Krankenhausbett (Symbolbild) - SNA, 1920, 23.11.2021
„In Sachsen droht keine Triage“: Divi-Präsident gibt Entwarnung
Mit den seit Wochen steigenden Corona-Zahlen steigt auch die Zahl der Covid-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen. So stoßen in einigen Regionen die Krankenhäuser bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Damit kommt immer wieder die Frage auf, welche Patienten im Falle begrenzter Mittel behandelt werden müssen. Experten bezeichnen diese Situation als Triage oder Priorisierung. Acht medizinische Fachgesellschaften hatten im März 2020 entsprechende Empfehlungen ausgearbeitet, die nun aktualisiert wurden.
Wichtigstes Entscheidungskriterium bleibe die Erfolgsaussicht einer Behandlung. Dabei müssten alle bedürftigen Patienten gleichbehandelt werden. Auch Patienten, die nicht an Covid litten, etwa mit einem Herzinfarkt, Schlaganfall- oder Krebspatienten - dürften gegenüber Covid-19-Patienten nicht benachteiligt werden, unterstreichen die Experten.
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