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Fast 30 Tote bei Untergang eines Migrantenboots im Ärmelkanal

© AP Photo / Valeria MongelliMigrantenboot (Archivbild)
Migrantenboot (Archivbild) - SNA, 1920, 25.11.2021
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Fast täglich versuchen große Migrantengruppen von Frankreich aus über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Viele geraten dabei in Seenot. Am Mittwoch ist ein Boot gekentert, dabei sind mindestens 27 Menschen gestorben.
Beim Untergang eines Bootes mit Migranten auf dem Weg von Frankreich nach Großbritannien kamen am Mittwoch nach einer vorläufigen Bilanz 27 Menschen ums Leben. Von einem „Drama mit zahlreichen Toten“ sprach Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin, der sich zum Ort des Unglücks begab. Der britische Premierminister Boris Johnson sagte, er sei „schockiert, entsetzt und zutiefst betrübt“ nach dem Tod von wenigstens 30 Migranten, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Als Reaktion berief er das nationale Sicherheitskabinett ein.

Schleuser kam aus Deutschland

Frankreichs Premierminister Jean Castex sprach von einer Tragödie, seine Gedanken seien bei den zahlreichen Opfern. Es gebe große Betroffenheit angesichts des Dramas beim Kentern des Bootes, sagte Innenminister Darmanin. „Man kann nicht oft genug betonen, wie kriminell die Schlepper sind, die diese Überfahrten organisieren.“
Ein in der Nacht festgenommener mutmaßlicher Schleuser kam aus Deutschland. „Der Schleuser, den wir heute Nacht festgenommen haben, hatte deutsche Kennzeichen“, sagte Darmanin am Donnerstag im RTL-Fernsehen. „Er hat diese Schlauchboote in Deutschland gekauft.“ Generell stammten etliche der von Schleusern an der Kanalküste eingesetzten Boote aus der Bundesrepublik. „Die Schleuser kaufen diese Schlauchboote in Deutschland mit Bargeld.“
Noch am Abend wurden vier mutmaßlich beteiligte Schleuser festgenommen, ein fünfter dann in der Nacht, sagte Darmanin. Erst vor einer Woche hatte die niederländische Polizei einen aus Deutschland kommenden mutmaßlichen Schleuser auf der Autobahn Richtung Frankreich gestoppt.

2021 dreimal so viele illegale Überquerungen wie 2020

Wie die Maritime Präfektur am Mittwoch mitteilte, setzte ein Fischerboot den Notruf ab, dass sich mehrere Migranten in Seenot im Ärmelkanal befänden. Mit Booten und Hubschraubern bemühten sich Helfer von Frankreich aus um eine Bergung. Einige der Geretteten befänden sich in Lebensgefahr.
Die Zeitung „La Voix du Nord“ berichtete von mindestens 27 Toten. Auf dem Boot hätten sich rund 50 Migranten befunden, als dieses 15 Kilometer von Calais entfernt kenterte. In dem von Sicherheitskräften abgesperrten Hafen von Calais habe eine bleierne Stille geherrscht, als die Toten in der Dunkelheit von den Rettungsschiffen an Land gebracht worden seien. Im Krankenhaus wurde zur Versorgung der Überlebenden ein Notfallplan aktiviert.
Im laufenden Jahr haben bisher mehr als 25.700 Menschen ohne Erlaubnis den Ärmelkanal überquert. Das sind fast dreimal so viele wie im gesamten Jahr 2020. Die britische Regierung wirft Frankreich vor, nicht genug gegen illegale Überfahrten zu unternehmen, Paris weist das zurück. Erst im Juli hatten beide Seiten ein neues Kooperationsabkommen vereinbart, um die wachsende Zahl der Migranten, die mit kleinen Booten über den Ärmelkanal nach England kommen, in den Griff zu bekommen. London sagte dabei 62,7 Millionen Euro zu, um die französischen Behörden zu unterstützen.

Briten unter Druck

Vor allem die britische Innenministerin Priti Patel steht wegen der wachsenden Zahl an Migranten unter Druck. Konservative Kreise und Medien sprechen von einer „Krise“. Allerdings ist die Zahl der Flüchtlinge, die in Großbritannien Asyl beantragen, deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern. Patel hatte angekündigt, die Überfahrten zu beenden. Nach dem Brexit führte die Regierung scharfe Zuwanderungsregeln ein. Noch aber hat Patel kein Mittel gefunden, die Migration über den Ärmelkanal zu stoppen. Zuletzt kündigte sie erneut eine Verschärfung der Asylregeln an.
Die konservative Abgeordnete Natalie Elphicke, die ihren Wahlkreis im Hafenort Dover hat, sprach von einer Tragödie. Der Fall zeige aber auch, dass die Schlauchboote gestoppt werden müssten, bevor sie in Frankreich zu Wasser gelassen werden, sagte Elphicke. Das Risiko, dass Menschen beim Versuch nach Großbritannien überzusetzen, sterben, steige angesichts kalten Wetters und rauer See.
Der Vize-Präsident der Region Hauts-de-France, die in der Calais liegt, beschuldigte am Abend Großbritannien. „Die Briten sind verantwortlich. Das ist nicht der Fehler Frankreichs, das ist nicht der Fehler von Europa“, sagte Franck Dhersin.
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