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Bitteres Kolonialerbe: Grönländische „Experiment-Kinder“ fordern Entschädigung von Dänemark

Grönland - SNA, 1920, 23.11.2021
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Eine Gruppe ehemaliger „Experiment-Kinder“ Grönlands, die Anfang der 1950er Jahre im Rahmen eines sozialen Forschungsprojektes bei dänischen Familien zwangsuntergebracht wurden, fordert nun eine Entschädigung von Kopenhagen. Das erklärte Anwalt Mads Pramming gegenüber dem Dänischen Rundfunk am Montag.
Im Jahr 1951 wurden 22 grönländische Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren von ihren Familien getrennt und in Pflegefamilien in Dänemark untergebracht, um sie zu sogenannten „richtigen Dänen“ zu erziehen und damit die dänische Kolonisierung der größten Insel der Welt zu fördern.
Die Kinder sollten im Rahmen eines großen Experiments Dänisch lernen und zur Elite Grönlands werden, da die grönländische Gesellschaft damals als „rückständig“ empfunden wurde.
Nach ein bis zwei Jahren des Aufenthalts in Dänemark wurden die Kinder zurück nach Grönland gebracht. Jedoch wurden sie nicht mit ihren Familien wiedervereint, sondern in Kinderheime geschickt, wo sie nur Dänisch sprechen durften.
Heute sind nur noch sechs „Experiment-Kinder“ am Leben, und sie fordern vom dänischen Staat jeweils rund 38.000 US-Dollar Entschädigung. Ein Brief sei von ihnen an das Büro des Premierministers geschickt worden. Falls der dänische Staat die Zahlung verweigere, seien sie bereit, vor Gericht zu gehen, so der Anwalt Mads Pramming, der die Interessen der ehemaligen „Grönland-Kinder" vertritt.
„Während ihrer Kindheit wurden ihnen ihre Familien und ihre Identität genommen. Ob dies für die Kinder wirklich von Vorteil war, wurde nicht bedacht. Das Wohl der Kinder ist aus diesem Experiment komplett verschwunden“, erklärte Pramming.
„Es ist mit Geld nicht wettzumachen. Ich persönlich halte die Erstattung für viel zu niedrig, aber sie basiert auf der Gerichtspraxis (…)“, fügte er hinzu.
Erst vor knapp einem Jahr hatten die „Grönland-Kinder“ im Namen des dänischen Staates eine lang erwartete Entschuldigung von der Premierministerin Mette Frederiksen bekommen.
„Wir können das Geschehene nicht ändern. Aber wir können die Verantwortung übernehmen und uns bei denen entschuldigen, um die wir uns kümmern mussten, aber versagt haben.“
Für die Grönländerin Kristine Heinesen geht es bei der Entschuldigung um mehr als eine mögliche Entschädigung. Das Eingestehen des großen Fehlers ist laut ihr ein wichtiger Schritt, und Frederiksen sollte sich mit ihnen persönlich treffen.
Ein anderes „Experiment-Kind“, Gabriel Schmidt, zeigt sich unzufrieden:
„Ist das eine Art, sich zu entschuldigen, nachdem sie mir meine Kindheit genommen haben? Nein, ich glaube nicht, dass es ausreicht.“
Für ihn bestehe der Grund, eine Entschädigung zu verlangen, darin, seine Familie nach Grönland einzuladen, bevor er diese Erde verlasse, so Schmidt.
„Es macht mich nicht heil, aber es kann meine Familie glücklich machen“, sagte er.
Pramming zufolge muss man jetzt anerkennen, dass es sich um eine Verletzung von einigen Regelungen und Rechten handelt. Und es müsse mit einer Entschädigung berichtigt werden, wie man es im Rechtssystem tue, wenn man jemanden verletzt habe, betont der Anwalt.
Eisberge in Grönland - SNA, 1920, 29.08.2021
Dänische Forscher stoßen auf wohl nördlichste Insel der Welt
Grönland ist die größte Insel der Welt und ist nur spärlich besiedelt. Fast 80 Prozent des Landes sind von einer Eiskappe bedeckt. Die gesamte Bevölkerung lebt an der Küste, vor allem im Westen des Landes.
Von 1721 bis 1953 war Grönland eine dänische Kolonie, jetzt ist es ein selbstverwaltetes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark. Trotz seiner weitgehenden Autonomie bleibt Grönland jedoch Teil des dänischen Königreichs, Kultur und Alltag sind stark von der dänischen Kultur beeinflusst.
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