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Aktien auf Allzeithoch: Gold nur noch verstaubte Geldanlage? – Experten antworten SNA

© CC0 / PIX1861 / PixabayAktien (Symbolbild)
Aktien (Symbolbild) - SNA, 1920, 20.11.2021
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Sind Aktien unter Umständen die deutlich bessere Option für Anleger und Investments? Immer wieder wird von Gold und Silber als krisensicherste Investition gesprochen: Doch in den letzten Jahren konnten Aktien mehr Rendite erzielen als Edelmetalle. SNA News sprach mit drei renommierten Goldmarkt-Experten über Börsen, Gold und Silber.
Als Untersuchungszeitraum wählte die Redaktion die letzten elf Jahre. Seit 2010 ist der Goldpreis um großzügig geschätzt etwa 20 bis 30 Prozent gestiegen. Am Freitag lag er aktuell bei circa 1861 US-Dollar je Feinunze (also etwa 1647 Euro). Zum Vergleich: Anfang 2011 wurde Gold mit rund 1416 Dollar pro Unze gehandelt.
Wird der Blick auf ausgewählte Aktienmärkte im gleichen Zeitraum gerichtet, lässt sich im Vergleich dazu folgendes sagen:
In dieser Zeitspanne ist zum Beispiel der US-Aktienindex Dow Jones um satte 193 Prozent gestiegen, hat sich also fast verdreifacht. Der deutsche DAX stieg um circa 130 Prozent. Der deutsche „Mittelstands-DAX“ (MDAX) ist in den letzten fünf Jahren um 76 Prozent und die US-Technologiebörse Nasdaq um 246,4 Prozent gewachsen. Dort werden beispielsweise Aktien des Unternehmens „Tesla“ gehandelt.
Börse Frankfurt - SNA, 1920, 13.08.2021
Dax erstmals über 16.000 Punkten
Sprich: Wer im letzten Jahrzehnt zu einem günstigen Zeitpunkt in den genannten Bereichen in Aktien investiert hatte, konnte mitunter höhere Rendite und Gewinne einfahren, als Edelmetall-Anleger, die in Gold und Silber gegangen sind. Darum verwundert es auch nicht, dass der Fernsehsender „N-TV“ am 10. November folgende Botschaft an Anleger sendete:

„DAX pendelt auf hohem Niveau: Kursschwankungen jetzt nutzen.“

Warum Aktien in letzter Zeit Gold „überholt“ haben

„Je nachdem, welche Zeiträume man sich ansieht, ist mal der Gold-Sektor ganz vorne – wie zwischen 2001 und 2011 – und mal der Aktien-Sektor“, erklärte Goldmarkt- und Finanz-Experte Martin Siegel vom Finanzberatungsunternehmen „Stabilitas Fonds“ im SNA-Interview. Er informiert regelmäßig in seinen Tagesberichten auf seiner Website über die Edelmetall-Märkte.
Im genannten Zeitraum „hat der Gold-Sektor die anderen beiden Sektoren (u.a. Aktien, Anm. d. Red.) komplett out-performt (also überholt)“, sagte er.
„Der Goldpreis ist deutlich schneller gestiegen als die Aktien und die Immobilienpreise. In den folgenden zehn Jahren war es gerade andersherum. Jetzt haben wir eine Situation, in der der Goldpreis etwas zurückbleibt und die anderen beiden Märkte sich sehr stark entwickeln.“
Geld (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.07.2021
Deutsche immer reicher: Geldvermögen über sieben Billionen Euro
Für ihn sei es allerdings „nur eine Frage der Zeit, bis auch der Gold-Sektor wieder ein neues Allzeithoch markiert. Die Geldmengen, die Geldscheine sind komplett aufgedreht. Die Geldmengen wachsen, die Staatsverschuldung wächst unkontrolliert und vor diesem Hintergrund ist es kaum vorstellbar, dass Gold dauerhaft zurückbleibt. Zurzeit ist es tatsächlich so, dass andere Sektoren so ein bisschen mehr im Fokus der Aufmerksamkeit sind.“
Vor wachsenden Geldmengen warnte zuletzt auch der Ökonom und frühere „Ifo“-Chef Hans-Werner Sinn. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe staatliche Papiere im Volumen „von vier Billionen Euro“ angekauft und die Zentralbank-Geldmenge in den vergangenen 13 Krisenjahren bald doppelt so schnell anwachsen lassen wie die US-Notenbank FED, sagte er kürzlich dem „Handelsblatt“. Die Gefahr sei, dass dieser Geldüberhang bald eine große Inflation erzeugen werde.

Ausblick auf 2022: Wohin geht der Goldpreis?

Siegel nannte ein mögliches Szenario:

„Nehmen wir einmal an, der Goldpreis steigt bis zur Jahreswende oder von mir aus auch bis April 2022 auf ein neues Allzeithoch von 2500 Dollar pro Unze. Die Aktienmärkte bleiben etwas zurück. Der Immobilienbereich kühlt sich ja teilweise sogar in den Innenstädten ab. Dann werden wir natürlich ein Umfeld haben, in dem die Medien euphorisch für Edelmetalle sind. Und dann hat sich alles wieder umgedreht. Wenn man so ein Szenario im Kopf hat, dann macht es vielleicht sogar Sinn, jetzt Teile der Gewinne im Aktienmarkt sowie im Immobiliensektor zu realisieren und in den Gold-Sektor umzuschichten.“

Bis vor wenigen Monaten habe der Edelmetall-Experte „einen Goldpreis von 1800 US-Dollar pro Unze für fair gehalten und als meinen Zielkurs definiert.“ Diese Prognose habe er erst mit der „extremen Ausweitung der Geldmenge der Zentralbanken“ auf aktuell 2300 bis 2500 Dollar je Unze angepasst. Einen Preisanstieg beim Gold erwarte er eigentlich „ab sofort.“ Der Goldpreis sei aktuell viel zu tief, schätzte er ein.
„Der Goldpreis hinkt ein bisschen zurück und wir haben etwa seit dem Jahr 1999 diese Politik: Die enorme Ausweitung der Geldmengen hat dafür gesorgt, dass die Aktien sich auf Allzeithoch befinden, obwohl es vielen Unternehmen nicht wirklich gut geht und auch die Immobilienpreise immer wieder neue Allzeithoch-Stände erreichen“, bemerkte Siegel.

Günstig für Gold und Riesen-Problem: „Weltweite Überschuldung“

„Zum einen ist die weltweite Überschuldung noch nicht aufgelöst und sie kann faktisch nur aufgelöst werden, wenn die Sparer letztlich anteilig enteignet werden.“ Diese Warnung äußerte Goldmarkt-Analytiker und Buchautor Dimitri Speck gegenüber SNA News. Über seine Börsenbriefe und die Website „Seasonax“ informiert er regulär über Geschehnisse an den Märkten. Laut dem „Investor Verlag“ gilt er als „gewiefter und erfahrener Markt-Analytiker“.
Goldbarren (Symbolbild) - SNA, 1920, 08.12.2020
Gut für Gold: „desolates Finanzsystem und weltweite Überschuldung“
Jene Enteignung der Sparer „wird meines Erachtens durch Inflation geschehen“, erklärte Speck. „Die ersten Schritte dazu sehen wir bereits jetzt mit Inflationsraten in den USA über sechs Prozent bei den Konsumenten-Preisen. Und da wird noch viel mehr kommen, das ist meine These.“ Angesichts des drohenden Werteverfalls beim Geld, bei den Währungen werden ihm zufolge Gold und Silber entsprechend profitieren und steigen. Er sagte, natürlich war es beim Vergleichszeitraum 2010 – 2021 so, dass Aktien besser abgeschnitten haben als die Edelmetalle.

„Aber Sie können natürlich auch andere Vergleichszeitraum wählen. Beispielsweise die Jahrtausendwende. Da hatten wir einen Anstieg des Goldpreises auf dem Niveau 250 bis 300 Dollar je Unze auf jetzt eben aktuell 1875 Dollar. Da haben wir also eine Vervielfachung des Goldpreises gesehen. Damals war der Stand beim DAX bei um die 7000 Punkte. Und jetzt steht er bei knapp 16000, hat sich knapp verdoppelt. Der Dax hat also deutlich schlechter abgeschnitten als Gold. Es hängt also auch vom Vergleichszeitraum ab.“

Speck blickte auf die US-Börsen, „die in den letzten zehn Jahren weit überproportional gegenüber anderen Börsen gestiegen sind. Und hier wiederum einige wenige Titel aus dem Technologiebereich. Wenn Sie die ‚Emerging Markets‘ (aufstrebende Schwellenländer) genommen hätten, wäre der Vergleich wieder anders.“ Letztlich komme es dabei nicht auf die Vergangenheit an, betonte er. Sondern auf die Zukunft.
„Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Natürlich gibt es Marktumfelder, in denen langfristig Aktien wieder interessanter sein werden als Gold. Nämlich dann, wenn die Aktien günstig bewertet sind. Aktuell sind sie das jedoch nicht.“

„Ich bin Fan von Aktienkäufen“ – Goldmarkt-Kenner

„Ich bin ein absoluter Fan von Aktienkäufen“, betonte Speck. „Insofern, als Aktien eben von der Innovationskraft des Menschen und des Unternehmens profitieren. Aber das sehe ich jetzt halt bei den ganzen Standardwerten nicht mehr, vor allem in den USA und der Technologie.“ Er nannte als Beispiel das US-Technologieunternehmen „Tesla“ und meinte:
„Das sind Alptraum-Bewertungen.“
Gold (Symbolbild) - SNA, 1920, 24.07.2021
„Wir werden getäuscht“: Gold, Silber und drohende Geldentwertung
Im Interview kritisierte er die Rolle der staatlichen Zentralbanken – darunter EZB und FED – und deren seit Jahren lockere Geld- und niedrige Zins-Politik. Die Folge sei eine weitere Ausweitung der ohnehin schon heillosen Überschuldung der Weltwirtschaft und ihrer Staaten.

„Das Dilemma ist einfach die hohe Überschuldung und Verschuldung. Wir hätten nach der Finanzkrise 2008 mit dem Nullzins im Prinzip noch die Überschuldung abbauen können. Wenn man sich nicht neu verschuldet hätte, sondern die niedrigen Zinssätze genutzt hätte, die Schulden abzubauen. Das war politisch nicht gewollt. Die Politiker möchten das nicht. Die sind einfach zu bequem, um Schulden abzubauen. Das ist einfach so. Das ist historisch auch sehr oft zu beobachten. Es ist nicht das erste Mal, doch das Ausmaß ist größer. Historisch gesehen sind wir weltweit in der größten Blase aller Zeiten. Da kann gar kein Zweifel bestehen. Alle Kennzahlen sprechen dafür. Und das heißt, es wird eben ein Ausweg der Verschuldung geben, der weniger gemütlich ist und der die Sparer enteignen wird.“

Die Zentralbanken „versuchen es ja nicht einmal mehr, die schwätzen bloß. Das bedeutet nichts anderes, als dass das die Aussichten für Gold bis zum Abbau dieser Überschuldung einfach exzellent sind und für Aktien entsprechend schlecht. Das gilt nicht für alle exakten Sektoren: Technologie zum Beispiel in den USA ist eben am meisten überbewertet. Rohstoffe, Förderer beispielsweise, Öl-Aktien und so weiter, sind überbewertet. Also, wovon sprechen wir? Das sind extrem teure Werte.“
Damit relativierte er beispielsweise das oben genannte Wachstum der US-Technologiebörse Nasdaq.

„Für Investitionen in Gold braucht man langen Atem“

„Ich bin tatsächlich ein Ökonom, der vor Geldwert-Schwund warnt“, sagte Thorsten Polleit, Chef-Volkswirt bei „Degussa Goldhandel“, in einem Video-Interview mit SNA News, das am Sonntag erscheint. Über einen Podcast und seinen Marktreport berichtet er regelmäßig über Geld, Gold, Silber, Inflation und wirtschaftliche Themen.
„Ich glaube, der Rückgang der Kaufkraft des Geldes – also das, was man üblicherweise als Preis-Inflation bezeichnet – ist eine der ganz zentralen Herausforderungen für jeden Sparer und jeden Investor“, stimmte er der Analyse seines Kollegen Speck zu.
Thorsten Polleit - SNA, 1920, 31.10.2021
„Inflation ist politisch gewollt“ – Gold-Experte über Währungsverfall und Weidmann-Nachfolger
Mit Blick auf die Fragestellung „Gold oder Aktien?“ betonte der Chef-Volkswirt bei Deutschlands größtem Goldhändler:
„Natürlich sind Aktien in Volkswirtschaften, die arbeitsteilig produktiv sind, dauerhaft mit einer höheren Rendite versehen als Gold oder andere Edelmetalle.“
Allerdings sagte er auch:

„Ich kann nur darauf verweisen, dass das Investieren eine Tätigkeit ist, für die man einen langen Atem braucht. Der Erfolg stellt sich häufig nicht in einem Monat, nicht in einem Jahr ein. Sondern er zeigt sich über längere Zeitspannen. Als Investor ist man immer gut beraten, mit drei, fünf oder mehr Jahren zu operieren. An der Stelle würde ich Ihnen entgegenhalten: Wenn Sie allein die letzten zwei Dekaden nehmen, dann werden Sie erkennen, dass der Goldpreis im Jahresdurchschnitt um 9,3 Prozent zugelegt hat. Der US-Aktienmarkt – also Kurssteigerungen plus Dividenden berücksichtigt – um nur 8,5 Prozent. Da lag Gold tatsächlich besser als Aktien. Wer beispielsweise Mitte der 1970er Jahre Gold erworben hat, der hat bis heute eine Jahresrendite im Schnitt von etwa 8,5 Prozent erhalten. Im Vergleich dazu sind die Konsumgüter-Preise in den USA in dem Zeitraum um 3,7 Prozent gestiegen, die Häuser um etwa fünf Prozent. Das deutet schon an, dass Gold das bessere Geld ist. Natürlich auch besser als Dollar und alle anderen ungedeckten Währung.“

„Zentralbanken stützen ungesundes Kredit-Universum“

Vielleicht habe er unterschätzt, wie stark die Zentralbanken jetzt tatsächlich in die Kapitalmärkte eingegriffen haben, räumte Polleit ein. Genau wie Siegel und Speck kritisiert auch er die Flutung der Geldmärkte durch neues Geld. Geschaffen aus dem „Nichts“, durch die Zentralbanken. Allein Washington hat jüngst nach langen Kämpfen im US-Kongress erneut neue Billionen Dollar in der Corona-Krise ausgeschüttet, um damit umfangreiche Infrastruktur-Programme in den USA zu finanzieren.
Euro-Währung (Symbolbild) - SNA, 1920, 25.07.2021
Der digitale Euro: „Schande für Europa und Gefahr für die Freiheit“
„Nicht nur die Zinsen wurden auf oder unter die Nulllinie gezwängt, sondern mittlerweile versichern die Zentralbanken das gesamte Kredit-Universum“, argumentierte der Degussa-Sprecher. „Das wiederum hat die Sorge vor einem Kreditausfall vieler Investoren eingeschläfert und entsprechend die Nachfrage nach Versicherungsschutz in Form von beispielsweise Gold und Silber deutlich herabgesetzt. Das ist eine schmerzliche Erfahrung, die viele Anleger machen.“ Dadurch seien auch die Preise unter Druck geraten. Perspektivisch glaube er jedoch an weiter steigende Edelmetall-Preise.

Tipps für Anleger: Gold, Silber und/oder Aktien?

Was nun also bleibt als Erkenntnis für Anlegerinnen und Anleger? „Im einfachsten Fall kann eine eigene Portfolio-Struktur wie folgt aussehen“, empfahl Thorsten Polleit:

„70 bis 80 Prozent des eigenen Vermögens in Aktien geben, weltweit diversifiziert. Vielleicht sogar dargestellt mit sogenannten ETFs und entsprechend 20 oder 30 Prozent in physisches Gold. Das ist eine ganz einfache Portfolio-Struktur. Aber ich glaube, sie ist geeignet, um in den nächsten ein bis zwei Jahren den Problemen in der internationalen Geld- und Kredit-Architektur sowie der steigenden Inflation zu entkommen. Also weniger Verluste zu erleiden, als wenn Sie an klassischen Anlage-Instrumenten festhalten, wie Bankguthaben, Geldmarktfonds oder Renten-Papiere. Also in der einfachsten Form Aktien und physisches Gold. Ich glaube, das ist eine belastbare Strategie, die auch für jeden einzelnen relativ einfach umsetzbar ist.“

Martin Siegel bestätigte diese Anlage-Strategie. „Ich denke schon, dass es Sinn ergibt, das eigene Geld und Vermögen auf alle Sektoren verteilen. Gerade weil man ganz schwer vorhersagen kann, welcher Sektor in Zukunft die beste Performance haben wird.“ Zudem sei Gold nach einem Jahr steuerfrei und habe zumindest die Inflation immer ausgleichen können, gab er einen weiteren Tipp.

„Man kann durchaus auch Nestlé-Aktien besitzen und wenn man sie in den letzten Jahren gehabt hat, war es die bessere Anlage im Vergleich zum Gold. Die Frage ist jetzt nur, ob das auch in Zukunft so sein wird.“

Ebenso stimmte Dimitri Speck seinen Vorrednern zu. „70 Prozent ist schon eine gute Hausnummer. Ich würde vielleicht etwas darunterbleiben. Auf jeden Fall der zweistellige Prozentbereich in Gold und Silber. Das sehe ich auch so. Und wenn Aktien, dann wie gesagt: Ölwerte oder Energiewerte. Es gibt noch ein paar andere.“ Darunter etwa der staatliche Pensionsfonds von Norwegen.

„Wie gesagt kein festverzinsliches Papier. Das sind so ein paar Hinweise für Anleger, die man auch praktisch umsetzen kann.“

Am Sonntag erscheint der zweite Teil der Interviewreihe mit den Gold-Experten. Dann wird die Frage diskutiert, ob der Goldpreis vielleicht künstlich nach unten „manipuliert“ wird.
Das gesamte Radio-Interview mit Martin Siegel zum Nachhören:
Das gesamte Radio-Interview mit Dimitri Speck zum Nachhören:
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