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Sexuelle Belästigung: Viele Frauen in Deutschland leiden unter Catcalling-Folgen – Studie

© CC0 / Markus Spiske / UnsplashSchild gegen Harassment
Schild gegen Harassment - SNA, 1920, 19.11.2021
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Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen (KFN) ist Catcalling in Deutschland weit verbreitet. Die Mehrheit der fast 4000 Befragten hat in den letzten drei Monaten verbale und nonverbale sexuelle Belästigung erlebt – auf der Straße sowie im Internet.
Zu Catcalling gehören Hinterherpfeifen, anzügliche Bemerkungen, obszöne Gesten sowie das Senden von unerwünschten sexuellen Bildern im Internet. In allen diesen Fällen werden die Betroffenen als Objekte behandelt.
Obwohl diese Art von sexueller Belästigung zu Folgen wie Ängste, psychische Erkrankungen sowie Essstörungen führen kann, ist sie bislang nicht als ordnungswidrig bezeichnet und sieht keine Bestrafung vor.

Knapp 4000 Personen befragt

Die Studie der KFN-Forscherinnen Laura-Romina Goede und Lena Lehmann ist die erste Studie in Deutschland, die sich mit dem Thema sexueller Belästigungen ohne körperlichen Kontakt befasst. Ziel des Projektes sei es, die berührungslose sexuelle Belästigung näher zu beleuchten, heißt es auf der Webseite des Kriminologischen Forschungsinstituts.
Die Forscherinnen haben eine Online-Befragung durchgeführt, in der 3908 Personenihre Catcalling-Erfahrungen mitteilten. Zu dem Thema wollten sich vor allem Frauen äußern, das durchschnittliche Alter der Befragten betrug 30 Jahre. Ein gutes Viertel der Befragten ordnete sich dem LGBTQIA+ Personenkreis zu.

Fast alle wurden „catcalled“

Die Studie hat ergeben, dass fast alle Befragten in den letzten drei Monaten wegen ihrem Aussehen bewertet wurden. Mehr als die Hälfte wurde aufgrund des Geschlechts beleidigt und erlebte sexuelle Annäherungsversuche und anzügliche Bemerkungen. Knapp die Hälfte wurde verfolgt.
Mehr als 42 Prozent gaben an, in den letzten drei Monaten sexistisch beschimpft worden zu sein.
Fast zwei Drittel der Befragten erhielten der Studie zufolge unerwünschte sexuell aufgeladene Nachrichten, mehr als ein Drittel entsprechende Bilder.
Manche wurden Opfer von Drohungen wegen veröffentlichter oder privat gesandter Fotos oder Videos.
Alexanderplatz in Berlin  - SNA, 1920, 16.11.2021
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Besonders Frauen betroffen

Von Catcalling sind nach Angaben der Forscherinnen besonders Frauen, diverse Personen und LGBTQIA-Personen betroffen.
Zu Opfern, so Laura-Romina Goede, wurden vor allem junge Personen: Im Durchschnitt sind sie 19 Jahre alt.
Am häufigsten wurden sie am Abend auf öffentlichen Plätzen, in Bus oder U-Bahn sowie in Clubs „catcalled“. Die meisten waren allein unterwegs.
Fast in allen Fällen waren es Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren, die die Belästigungen verübten.
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland 2020

Im Jahr 2020 haben die Staatsanwaltschaften in Deutschland 4.996.494 Ermittlungsverfahren in Strafsachen abgeschlossen, teilte das Statistische Bundesamt Ende August 2021 mit. 95.426 Fälle (1,9 Prozent) bezogen sich auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Diese werden im dreizehnten Abschnitt des deutschen Strafgesetzbuchs geführt. Als solche gelten unter anderem sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Ausbeutung von Prostituierten, Zuhälterei, exhibitionistische Handlungen. Die meisten davon wurden in Nordrhein-Westfalen (24.936) und Baden-Württemberg (12.490) registriert.

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Folgen können katastrophal sein

Mehr als die Hälfte der Befragten erlitten Folgen. Die Betroffenen gaben an, ängstlicher geworden zu sein und seit den Erlebnissen bestimmte Orte oder Routen zu vermeiden. Acht Prozent haben sogar ihren Kleidungsstil geändert.

„Viele Teilnehmende fühlen sich gekränkt, bloßgestellt und zum Objekt herabgewürdigt, manche schämen sich seit den Belästigungserfahrungen ihres Körpers“, so die Forscherinnen.

Auch Depressionen und Schlafstörungen sowei Müdigkeit könnten die Folgen sein.

„Catcalling darf nicht verharmlost werden“

„Solche sexuellen Zudringlichkeiten dürfen nicht verharmlost werden, nur weil sie ohne Körperkontakt stattfinden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Befragte unter verschiedensten Folgen von Catcalling leiden“, sagt Laura-Romina Goede.
Die Sensibilisierung für das Thema müsse in der Öffentlichkeit erhöht werden. „Das gilt insbesondere für die Orte und Plätze, an denen Catcalling vermehrt auftritt“, so Goede.
Dafür, dass Catcalling bestraft werden sollte, stimmten 84 Prozent der Befragten. Fast alle plädieren für eine Geldbuße.
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