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Söder im TV-Verhör: „Ich bin nur der Markus“

© SNA / Wladimir Astapkowitch / Zur BilddatenbankDer bayerische Ministerpräsident Markus Söder (Archivbild)
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (Archivbild)  - SNA, 1920, 18.11.2021
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In einem 30-minütigen Interview hat Sandra Maischberger in der ARD am Mittwochabend versucht, Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gehörig zu „grillen“. Der CSU-Chef gestand zwar eigene Fehler, sah diese aber vor allem bei den anderen.
Ursprünglich war das Interview mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) im Berliner ARD-Studio vorgesehen, im Endeffekt ließ der sich aber nur per Liveschaltung aus München ausfragen. Das sicherte ihm auch gewisse Heimvorteile: Wegen der räumlichen Distanz konnte die Moderatorin Sandra Maischberger kaum schnell einhaken und ihren Gesprächspartner richtig in die Enge treiben. So manche Federn musste Söder dennoch lassen.

"Querdenker, Reichsbürger und, ehrlich gesagt, auch Esoteriker"

Für ihre Attacke hatte die Moderatorin zwei Schwachstellen bei Bayerns Regierungschef anvisiert. Die erste war die katastrophale Corona-Lage im Freistaat, die mit einer eingeblendeten bunten Pandemie-Landkarte der Bundesrepublik veranschaulicht wurde. Die Landkreise, in denen die Inzidenzzahlen mittlerweile über 1000 liegen, wurden darauf mit Lila markiert. Fünf von den insgesamt neun davon liegen in Bayern.
Wie konnte es dazu kommen, wo sich Söder seit dem Beginn der Plage stets als der resoluteste und strengste Corona-Bekämpfer zu profilieren versuchte, was ihm auch landesweit beachtliche Popularität eingebracht hat?
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„Die Lage ist insgesamt sehr schwierig und es gibt eine Menge zu tun“, räumte Söder ein. Prompt nannte er auch die Schuldigen: etliche Experten, die sich bereits im Sommer für Lockerungen aussprachen und die Wucht der Durchbrüche unterschätzten – bis hin zum „unseren alten Freund Jens Spahn“. Immerhin habe doch der Bundesgesundheitsminister „als Erster das Ende der epidemischen Lage ausgerufen“.
Schuld seien auch die Medien gewesen, die die Regierung in Bayern „massiv bedrängt“ hätten, diese soll endlich alle Clubs und Discos aufmachen.
„Sie hören auf die ‚Süddeutsche‘ und die ‚Welt‘? Das ist ja Wahnsinn!“, warf die Talkmasterin ironisch ein und erntete damit Gelächter und Applaus im Publikum.
Söder ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und verwies auf eine weitere Gruppe von „Schuldigen“: die eigene Bevölkerung. Die lila gefärbten Hotspot-Landkreise weisen die niedrigste Impfquote auf und seien zugleich Hochburgen von „Querdenkern, Reichsbürgern und, ehrlich gesagt, auch von Esoterikern“. Wie es dazu kam, dass ausgerechnet diese wohlhabende und schöne Gegend von solchen Spezies besiedelt ist, erklärte Söder nicht.
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„Es grassieren zwei Viren im Land, Corona und das Virus der Unvernunft und der Fake-News“, stellte er fest.

„Ich habe nicht gesagt, dass wir alles richtig gemacht haben. Aber wir haben auch nicht alles falsch gemacht“, so Bayerns Ministerpräsident. „Einzelnen Regionen die Schuld zuzuweisen, ist nicht korrekt.“

Neue und originelle Rezepte im Kampf gegen Corona hatte Söder diesmal nicht parat: „Wir müssen noch einmal massiv impfen, partielle Impfpflichten und einen Lockdown für Ungeimpfte einführen. Das sind die einzigen Möglichkeiten, die wir derzeit haben.“ Seine Ausführungen zum weiteren Vorgehen beendete er mit einem plakativen Aufruf, für den er seinerseits Applaus bekam: „Es gibt die moralische Impfpflicht, sich, den Verwandten und den eigenen Nachbarn zu schützen.“
Keinen Applaus bekam allerdings sein Vorschlag hinsichtlich der Weihnachtsmärkte. „Ich würde empfehlen, diese abzusagen“, äußerte er. Sollten diese dennoch zugelassen werden, dann „mit Maske und ohne Alkohol“. Schließlich sei man mit Nürnberger Bratwürsten „bestens versorgt“.

"Es ist Quatsch, dass wir wegen eines Satzes so schlecht waren"

Die zweite Schwachstelle, auf die die Moderatorin abzielte, war erwartungsgemäß die Wahlniederlage der Union und Söders fragwürdiges Verhalten während der Wahlkampagne. An der Stelle ließ Maischberger einen Ausschnitt aus ihrem Interview mit dem gescheiterten Unionskandidaten Armin Laschet einspielen, in dem sich dieser über so manche zweifelhaften Äußerungen des CSU-Chefs beklagte, die seiner Wahlkampagne mehr geschadet als geholfen hätten.
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„Es ist Quatsch, dass wir wegen eines Satzes von mir so schlecht waren“, entgegnete Bayerns Ministerpräsident. „Es ist in diesem Wahlkampf vieles nicht so gelaufen, wie es sich alle vorgestellt haben.“
Außerdem sei die Union, wie Söder das heute sieht, von Anfang an zu einer Niederlage verdammt:

„Auch wenn Armin Laschet und ich jeden Tag geschunkelt hätten, habe ich das Gefühl, hätten viele Deutsche gesagt: ‚Wir sind mal bereit für eine andere Option‘.“

Mit anderen Worten: Hätten er und der CDU-Chef auch keine Fehler gemacht, hätten sie sowieso nicht gewinnen können. Dazu merkte Maischberger an, sie sehe darin eine Ähnlichkeit zwischen Söder und "Kaiser Franz" Beckenbauer.

Der berühmte bayerische Fußballstar „konnte aus jeder Niederlage einen Sieg machen“, so die Talkmasterin. „Bei Ihnen ist das ähnlich: Sie machen nie was falsch, es waren immer die anderen.“

Ein solcher Vergleich sei „völlig unangemessen“, erwiderte Bayerns Ministerpräsident. „Der Kaiser ist der Kaiser. Ich bin nur der Markus.“
Für diese gekonnt vorgetäuschte Bescheidenheit erntete Söder erneut Applaus im Studio.
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