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Für besonders dreiste Werbelügen: Das sind die Kandidaten für den „Goldenen Windbeutel 2021“

© CC0 / mohamed_hassan / PixabayFernseher (Symbolbild)
Fernseher (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.11.2021
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Dass Werbung uns nicht unbedingt die volle Wahrheit über das zu bewerbende Produkt sagt, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Manche Marken lügen jedoch besonders dreist und qualifizieren sich damit als Kandidaten für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“.
Die Initiative „Foodwatch“ kürt jedes Jahr die dreistesten Werbelügen in der Lebensmittelindustrie. Nach eigenen Angaben ist es ihre Mission, „verbraucherfeindliche Praktiken in der Lebensmittelindustrie“ zu entlarven und für das „Recht der Verbraucher auf qualitativ gute, gesundheitlich unbedenkliche und ehrliche Lebensmittel“ zu kämpfen. „Foodwatch“ liefere unabhängige Recherchen und Analysen, nenne die Verantwortlichen beim Namen und bringe die Politik unter Zugzwang, heißt es auf der Webseite der spendenfinanzierten Initiative. Einmal im Jahr verleiht sie den negativen Publikumspreis „Goldener Windbeutel“.
Die Nominierten für den „Goldenen Windbeutel 2021“ sind jetzt auf der „Foodwatch“-Seite einsehbar und die Verbraucher können unter ihnen per Online-Abstimmung den Gewinner küren. In diesem Jahr haben vier der fünf Nominierten mit ihrer angeblichen Klimaneutralität gepunktet.
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Volvic Mineralwasser

Das Volvic Mineralwasser von Danone suggeriere mit dem auf dem Etikett aufgedruckten Label „Klimaneutral zertifiziert“ eine Klimafreundlichkeit, die so nicht nachvollziehbar sei, argumentiert „Foodwatch“. Zum einen würde das Wasser meist per Lkw aus der Auvergne in Frankreich nach Deutschland transportiert, wobei es in Deutschland genug eigene Mineralbrunnen gebe. Zum anderen werde es in Plastikflaschen verkauft – wesentlich weniger umweltfreundlich als Mehrwegflaschen aus Glas. Und am klimafreundlichsten sei sowieso Wasser aus der Leitung, das mit 0,35 Gramm CO2 pro Liter lediglich einen Bruchteil der Emissionen von Volvic produziere.

Mövenpick Kaffeekapseln Green Cap

Ebenfalls wegen der angeblichen Umweltverträglichkeit nominiert sind die Kaffeekapseln von Mövenpick. Diese „Green Caps“ sollen „kompostierbar“ und „biologisch abbaubar“ sein, verspricht der Hersteller. Tatsächlich aber können sie weder recycelt, noch kompostiert werden, schreibt „Foodwatch“, denn 95 Prozent der abfallverwertenden Unternehmen in Deutschland lehnen „kompostierbares“ Plastik ab. Der Grund: Kompostierbares Plastik braucht 12 Wochen, um abgebaut zu werden, die Kompostierdauer in den meisten Betrieben ist aber wesentlich kürzer. Zudem zerfällt Plastik nicht zu hochwertigem Kompost, sondern zu wertlosem CO2 und Wasser. Weil die „Green Caps“ somit nicht in den Hauskompost oder die Biotonne dürfen und zudem das normale Plastik beim Recyclingprozess stören können, weswegen sie auch nicht in die gelbe Tonne gehören, bleibt nur die Restmülltonne und die anschließende Verbrennung. Umweltfreundlich geht anders.
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Clean Protein Bar von Naturally Pam

Kompostierbar soll auch die Verpackung des Proteinriegels der Lifestyle- und Fitness-Influencerin Pamela Reif sein, laut „Foodwatch“ ist sie das aber genauso wenig wie die „Green Caps“ von Mövenpick und wird demnach ebenfalls am Ende verbrannt. Das hindere Reif aber nicht, mit „frei erfundenen Logos“ deren Umweltfreundlichkeit anzupreisen.
„Und noch schlimmer: Pamela Reif behauptet in ihrer Community, ihr Produkt sei besser, weil es eben nicht in den Weltmeeren lande und daher heimisch abgebaut werden könne, statt im Ozean zu enden. Laut einer Studie aber baut sich der in der Verpackung enthaltene Kunststoff PLA ähnlich langsam wie herkömmliches PET unter Meerwasserbedingungen ab. Wenn die Wegwerfverpackung also auf einem Ausflug in der Natur landet, kann sie durch Wind und Regen in Flüsse und in das Meer gelangen und wird dort –genauso wie im Wald – nicht oder nur schlecht abgebaut“, warnt „Foodwatch“.

Hähnchen Brustfilet von Rewe

Tierhaltung trägt weltweit mit über 15 Prozent zu den vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen und damit zum Klimawandel bei. Damit ist sie viel klimaschädlicher als eine pflanzenbasierte Ernährung, klar. Aber wie kann man sie dennoch „klimaneutral“ gestalten? Rewe setzt bei seiner Eigenmarke „Wilhelm Brandenburg“ auf Kompensation von Treibhausgasen. Für die entstandenen Treibhausgase (9.179.424 Kilogramm CO2) finanziert Rewe Klimaschutz in Peru. Dumm nur: Das Projekt „Tambopata / Waldschutz mit nachhaltigem Paranussanbau“, dessen Zertifikate Rewe kauft, ist gar nicht so klimafreundlich. Wie eine Recherche von „Foodwatch“ ergeben hat, schützt das Projekt den dortigen Wald gar nicht, im Gegenteil: Seit Projektbeginn habe die Entwaldung sogar zugenommen. Mit diesen falschen Zertifikaten könne Rewe sein Fleisch also nicht „klimaneutral“ rechnen und die Eigenmarke „Wilhelm Brandenburg“ werde somit zur astreinen Klimalüge.
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Wunderland und Vitamine von Katjes

Dass Süßigkeiten nicht unbedingt gesund sind, weiß jedes Kind. Dennoch vermarktet Katjes seine Fruchtgummis als gesunde Nascherei. Dadurch verleitet Katjes zum Süßigkeiten-Konsum und verschleiert den hohen Zuckergehalt, der sogar 30 Prozent höher ist als bei Haribo Goldbären. Auf der Verpackung bewirbt Katjes die Fruchtgummis „Wunderland“ prominent mit „+Vitamine“ und auf Instagram mit „Wer hätte gedacht, dass Naschen so vitaminreich sein kann?“. Damit suggeriert der Hersteller ein vermeintlich „besseres Naschen“. Dabei bestehen die Fruchtgummis aus 60 Gramm Zucker pro 100 Gramm und zugesetzten Vitaminen. Auf der Webseite unterschlägt Katjes bei den Nährwertangaben den hohen Zuckergehalt und listet lediglich Kalorien, Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate auf. Katjes Wunderland ist also alles andere als eine gesunde Nascherei – Vitaminzusatz hin oder her. Zudem richtet sich Katjes mit seiner Verpackungsgestaltung mit einem bunten Einhorn und dem Namen „Wunderland“ gezielt an Kinder, obwohl laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für Kindermarketing Süßigkeiten grundsätzlich nicht an Kinder beworben werden sollen. Damit sind die Fruchtgummis „Foodwatch“ zufolge ebenfalls ein würdiger Kandidat für den Negativpreis.
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