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Erste warme Nacht unter einem Dach: Tausend Flüchtlinge übernachten in belarussischer Lagerhalle

© AFP 2021 / Leonid ShcheglovMigranten im belarussischen Logistikzentrum
Migranten im belarussischen Logistikzentrum - SNA, 1920, 17.11.2021
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Nachdem eine Vielzahl von Migranten im Grenzgebiet zwischen Polen und Belarus viele Nächte in Nässe und Kälte ausharren musste, hat nun Belarus rund tausend Flüchtlingen in der Nacht zu Mittwoch Unterkunft in einer Lagerhalle gewährt. Die Staatsagentur „Belta“ schrieb vor diesem Hintergrund vom „ersten warmen Morgen“ der Geflüchteten.
Am Mittwochmorgen veröffentlichte „Belta“ Fotos von Erwachsenen und Kindern, die mit Decken und Schlafsäcken in einer Halle sitzen.
Der Staatsagentur zufolge hat der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko am Dienstag den Gouverneur des Gebiets Grodno und den Amtsinspektor des Präsidenten der Region beauftragt, eine vorübergehende Unterkunft für Flüchtlinge im Transport- und Logistikzentrum in der Nähe eines Grenzübergangs zu eröffnen und seine Lagerstätten zu einem Nachtlager umzufunktionieren.
Statt des Grenzlagers, das die Migranten nahe der polnischen Grenze organisiert haben sollen, wurde den Flüchtlingen angeboten, „unter das Dach zu gehen“. Wie weiter berichtet wird, lagen der Entscheidung vor allem „Bedenken um die Sicherheit der Menschen“ zugrunde: Übernachten bei kaltem Wetter – „insbesondere nach einem Eisdusche mit Wasserwerfern polnischer Sicherheitskräfte“ – könnte sich negativ auf die Gesundheit auswirken, hieß es.

Flüchtlinge mit „Lager“-Bedingungen zufrieden

Ungefähr eintausend Flüchtlinge sollen sich laut den „Belta“-Angaben bereit erklärt haben, sich in die Lagerhalle zu begeben – darunter viele Familien mit Kindern. Die Flüchtlinge erhielten den Angaben zufolge Matratzen, trockene und warme Kleidung sowie warme Mahlzeiten.
Heute sei ihr erster warmer Morgen, schrieb „Belta“ am Mittwoch. Viele der Flüchtlinge seien angeblich in guter Stimmung aufgewacht:
„Danke, Belarus! Tolle Nacht. Warm, trocken, wir haben gegessen. Wir sind sehr glücklich. Ich habe zum ersten Mal geschlafen“, wird einer der Flüchtlinge zitiert.
Eine der Mütter etwa soll im Gespräch mit der Staatsagentur die Bedingungen in der Lagerhalle als „gut für die Kinder geeignet“ gelobt: „Endlich sind sie unter normalen Bedingungen. Die erste warme Nacht unter dem Dach seit vielen Tagen.“
In Bezug auf ihre weiteren Pläne erklärten die Flüchtlinge „Belta“ gegenüber, dass sie nicht in den Irak zurückkehren würden – dort sei es „sehr schlimm“.
„Für die Zukunft unserer Kinder wollen wir nach Deutschland“, sagten die Flüchtlinge.
In der Zelt-Kantine würden sie unter anderem mit warmen Speisen und Trinkwasser versorgt, heißt es weiter. Außerdem seien Ärzte rund um die Uhr in der Nähe des Zentrums im Einsatz. „Belta“ berichtet, dass es nachts viele Meldungen gegeben habe – Flüchtlinge sollen sich demnach über „Halsschmerzen, Husten und Nierenschmerzen“ beschwert haben.
Andere gesundheitliche Probleme sollen etwa nach dem jüngsten „Gas- und Chemikalien-Einsatz vonseiten der polnischen Sicherheitskräfte“ zutage getreten sein, heißt es.
Migranten an Grenze zwischen Belarus und Polen - SNA, 1920, 12.11.2021
Hoffnung, in EU zu gelangen: Tausende Migranten an Grenze zwischen Belarus und Polen – Lage vor Ort

Verschärfte Lage an polnisch-belarussischer Grenze

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko steht zunehmend in der Kritik seitens der EU, angeblich gezielt Migranten aus Krisenregionen einfliegen zu lassen und in Richtung polnischer Grenze zu drängen, um Europa so unter Druck zu setzen. Vermutet wird, dass er sich damit für Sanktionen rächen wolle, die die EU wegen der Unterdrückung der Zivilgesellschaft und der Opposition in Belarus erlassen hat.
Warschau hat die Grenzsicherung verstärkt und Militärangehörige zusammengezogen. Es wurden 15.000 Soldaten sowie Panzer, Luftverteidigungskräfte und andere schwere Waffen an der Grenze konzentriert. Die polnischen Behörden unterbinden jegliche Versuche der Migranten, in polnisches Territorium zu gelangen, und geben Minsk die Schuld an der Migrationskrise.
Minsk weist hingegen alle Vorwürfe zurück und wirft Polen vor, Migranten gewaltsam abzuschieben.
Am Dienstag hatten polnische Sicherheitskräfte Wasserwerfer gegen Menschen eingesetzt, die versuchten, die Grenzanlage in Richtung EU zu überwinden. Viele von ihnen kehrten später in ihr ursprüngliches Zelt-Camp im Wald zurück. Die polnische Seite sprach von etwa 2000 Menschen, die sich dort aufhielten.
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