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Neun Fakten zur Toleranz in Deutschland

© CC0 / wal_172619 / PixabayAlexanderplatz in Berlin
Alexanderplatz in Berlin  - SNA, 1920, 16.11.2021
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Zum internationalen Tag für Toleranz, der am 16. November begangen wird, haben wir in unterschiedlichen Statistiken nachgecheckt, wie weit und in welchen Bereichen Menschen sich hierzulande als diskriminiert fühlen. Ob Deutschland nun im Großen und Ganzen tolerant oder eher andersherum ist, zeigt sich in den folgenden Zahlen.
In diesem Jahr feiert das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz seinen 15. Geburtstag in Deutschland. „Das AGG schützt. Aber leider nicht ausreichend“, sagte einst der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke.
Wie es hierzulande mit Toleranz und Antidiskriminierung steht, zeigen die folgenden Zahlen zum Thema.

Hass ist teuer

Die Bundesregierung stellt in den Jahren 2021 bis 2024 insgesamt mehr als eine Milliarde Euro für die Bekämpfung von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus bereit, heißt es im Abschlussbericht des Kabinettsausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus, der Mitte Mai 2021 veröffentlicht wurde.

„Rechtsextremistische Bestrebungen, rassistische, antisemitische und weitere Ideologien der Ungleichwertigkeit sowie Diskriminierung sind nicht nur ein Angriff auf unser gesellschaftliches Miteinander, sondern beschädigen das friedliche Zusammenleben in unserem Land in unerträglicher Art und Weise“, so die Bundesregierung.

So viele Anfragen bei Antidiskriminierungsstelle wie nie zuvor

Im Jahr 2020 sind bei der Beratung der Antidiskriminierungsstelle insgesamt 6383 Anfragen eingegangen, so die Behörde im Mai 2021 in ihrem Jahresbericht. Diese ließen sich demnach mindestens auf ein innerhalb des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes geschütztes Diskriminierungsmerkmal zurückführen. Damit sei die Gesamtzahl der Anfragen gegenüber dem Vorjahr um 78,3 Prozent, so stark wie nie zuvor, gestiegen.
Bei den Beratungsanfragen waren dabei folgende Diskriminierungsmerkmale registriert (Mehrfachnennungen sind enthalten):
Behinderung (41 Prozent)
Ethnische Herkunft (33 Prozent)
Geschlecht (17 Prozent)
Alter (9 Prozent)
Religion (5 Prozent)
Sexuelle Identität (4 Prozent)
Weltanschauung (2 Prozent)
Laut der Antidiskriminierungsstelle standen rund 30 Prozent der Beratungsfälle in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (Archivfoto) - SNA, 1920, 08.10.2021
Hass gegen Juden ist „Schande“ für Deutschland – Lambrecht zum zweiten Jahrestag des Halle-Anschlags

Hasskriminalität in Deutschland

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt 10.240 Hasskriminalitätsdelikte* registriert, geht aus den Angaben des Bundeskriminalamtes vom Mai 2021 hervor. Dabei handelt es sich um Straftaten, die durch gruppenbezogene Vorurteile motiviert begangen werden. Gegenüber dem Vorjahr hat dieser Wert um 19,28 Prozent zugenommen. Damals wurden 8585 solcher Fälle polizeilich erfasst. Die im Jahr 2020 registrierten Hasskriminalitätsdelikte waren wie folgt aufgegliedert:
Ausländerfeindlich 5298
Rassismus 2899
Antisemitisch 2351
Islamfeindlich 1026
Sexuelle Orientierung 578
Deutschfeindlich 222
Geschlecht/Sexuelle Identität 204
Gesellschaftlicher Status 164
Christenfeindlich 141
Antiziganistisch 128
Hasskriminalität 98
Sonstige ethnische Zugehörigkeit 71
Behinderung 65
Sonstige Religion 37
*Pro Straftat können mehrere Themenfelder vergeben werden.

Diskriminierung bei der Jobsuche

Frauen mit Migrationshintergrund werden bei der Jobsuche häufiger als Männer mit Migrationshintergrund diskriminiert, teilte das Portal Statista im Oktober 2021 mit. Dies traf auf 18 Prozent der befragten Frauen und 12 Prozent der befragten Männer zu. Mehr als ein Drittel aller Personen mit Migrationshintergrund (rund 37 Prozent), die an der Umfrage teilnahmen, gaben an, bei einer Jobbewerbung noch nie diskriminiert worden zu sein.

Body Shaming

Ein Viertel der Deutschen (25 Prozent) ist aufgrund des eigenen Körpers beleidigt worden. So lauten die Ergebnisse einer Umfrage des internationale Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2020. Frauen werden demnach häufiger als Männer beleidigt (29 und 20 Prozent). Wenn man die Altersgruppen betrachtet, so haben rund 40 Prozent der unter 35-Jährigen wegen Body-Shaming oftmals gelitten.
Der Migrationshintergrund spielt dabei auch eine bestimmte Rolle. So gab etwa jeder Dritte (36 Prozent) der Deutschen mit Migrationshintergrund an, schon mindestens einmal wegen seines Aussehens diskriminiert worden zu sein. Zum Vergleich hatten über solche Erfahrungen 23 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund.

Wo wird man diskriminiert?

Rund zwei Drittel der Deutschen (62 Prozent) sind der Meinung, dass Rassismus hierzulande in den sozialen Netzwerken vorkommt und ein sehr großes Problem darstellt.
Infografik: Rassismus, ein Problem in allen Lebensbereichen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista
Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Menschen mit einer Behinderung, einer chronischen Krankheit oder einer psychischen Erkrankung wurden im öffentlichen Raum diskriminiert. Dies geht aus der Umfrage der deutschen Sozialorganisation „Aktion Mensch“ und YouGov aus dem Jahr 2019 hervor. Bei 63 Prozent der Menschen fand die Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung, bei 61 Prozent bei Ämtern und Behörden und bei 58 Prozent bei der Arbeit statt.

Wie wird man diskriminiert?

Die Diskriminierung findet vor allem im alltäglichen Umgang statt, so das Faktenblatt zu Diskriminierungserfahrungen, das von Aktion Mensch publik gemacht worden ist. Fast zwei Drittel der Befragten (60 Prozent) gaben zu, dass sie zum Beispiel rücksichtloses Verhalten oder auch distanziertes Verhalten aufgrund von Hemmungen erlebt haben. 41 Prozent waren demnach von verbaler Belästigung betroffen. Jeder Zehnte (11 Prozent) wurde sogar körperlich angegriffen.
Afghanische Flüchtlinge in Deutschland. Freilassing, Bayern, September 2015 - SNA, 1920, 12.11.2021
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Wie fühlt es sich an?

Neun von zehn Befragten mit Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer Beeinträchtigung (93 Prozent) waren wegen solcher Vorfälle emotional und psychisch belastet. 88 Prozent spürten auch körperliche Auswirkungen. 73 Prozent sagten, sie hätten deshalb finanzielle Nachteile. Fast zwei Drittel (59 Prozent) reagierten darauf mit Traurigkeit, jeder Zweite (49 Prozent) empfand Wut. Als Folge solcher Diskriminierungsfälle entwickelte sich bei rund jedem Zweiten (48 Prozent) ein Minderwertigkeitsgefühl.

Störende Situationen

Den größten Teil der Deutschen stören nicht-beseitigte Hundehaufen (79,3 Prozent) und Vordrängeln an der Kasse (76,4 Prozent). Dies geht aus der Umfrage des Marktforschungsinstituts Splendid Research „Wie tolerant sind die Deutschen?“ aus dem Jahr 2016 hervor. Wenn eine Person den Kaugummi in der Öffentlichkeit auf die Straße spuckt, oder in Bus oder Bahn mit Lautsprecher telefoniert, oder Kaugummi-Papier aus dem Auto auf die Straße wirft - dies sind demnach weitere Beispiele in der Top 5 der am meisten störenden Situationen.
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