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RKI-Chef: „Fünf nach zwölf“ bei Corona – Spahn für 2G plus Test

© REUTERS / GLEB GARANICHCoronavirus in Kiew, Ukraine
Coronavirus in Kiew, Ukraine - SNA, 1920, 12.11.2021
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Wegen der immer bedrohlicheren Corona-Ausbreitung in Deutschland werden mögliche weitere Alltagsbeschränkungen konkreter. Das Robert Koch-Institut (RKI) rief am Freitag alle Bürgerinnen und Bürger auf, ihre Kontakte zu reduzieren.
Einschränkungen sind nach Einschätzung von RKI-Präsident Lothar Wieler auch bei Partys und Großveranstaltungen vor allem in Innenräumen nötig. Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte vor Bund-Länder-Beratungen ein schnelles Gegensteuern. Spahn sprach sich für das Prinzip 2G plus bei öffentlichen Veranstaltungen aus – also Zugang nur für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich einen aktuellen Test vorweisen müssen. Von diesem Samstag an sind wieder kostenlose Corona-Schnelltests für alle möglich.
RKI-Präsident Wieler warnte:
„Es ist fünf nach zwölf.“
In etlichen Landkreisen gebe es so viele Neuinfektionen, dass Kliniken und besonders die Intensivstationen an der Kapazitätsgrenze seien. Dies werde ohne zusätzliche Maßnahmen überall eintreten.
„Die vierte Welle trifft uns jetzt mit voller Wucht.“
Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg laut RKI auf 263,7 und damit den fünften Tag in Folge auf einen Höchstwert. Die Gesundheitsämter meldeten binnen eines Tages 48 640 neue Fälle.
Antikörpertest - SNA, 1920, 12.11.2021
Warum Antikörpertests nicht als Nachweis einer Corona-Infektion gelten – BMG antwortet
„Wir müssen alles tun, um diese Dynamik zu brechen“, sagte Spahn.
„Sonst wird es für das ganze Land ein bitterer Dezember."
Wieler erläuterte, beispielsweise müssten von den mehr als 50.000 Neuinfizierten, die am Vortag gemeldet worden waren, im Laufe der Zeit etwa 3000 ins Krankenhaus, 350 auf die Intensivstation. Rund 200 würden wahrscheinlich sterben. Für eine stärkere Eindämmung solle unter anderem bei Großveranstaltungen die Personenzahl reduziert oder ein Verbot erwogen werden. Eine konkrete Zahl als Obergrenze nannte er nicht.
„Wir wissen, dass insbesondere in Innenräumen sogenannte Superspreader-Events stattfinden.“
Man solle auch erwägen, in besonders belasteten Regionen Bars oder Clubs zu schließen.
Spahn begründete seine Forderung nach 2G plus damit, dass die bisher von Bund und Ländern vereinbarte 3G-Regel mit Zugang für Geimpfte, Genesene und Getestete alleine nicht mehr reiche. Dies werde außerdem zu oft nicht kontrolliert, so dass eigentlich 0G gelte. Erste Länder führen 2G-Regeln schon ein. Dies dürfte auch Thema der für Donnerstag vorgesehene Corona-Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten sein.
Ein 2G-Schild am Eingang einer Bar in Berlin. - SNA, 1920, 11.11.2021
Kein Friseur, kein Restaurant, kein Fitness – Was Ungeimpfte ab Montag in Berlin nicht mehr dürfen
Zudem sollen höhere finanzielle Anreize für die Praxen die Impfungen stärker in Schwung bringen, wie Spahn ankündigte. So sollen Ärzte statt der bisherigen 20 Euro ab Dienstag 28 Euro je Impfung erhalten, außerdem auch einen neuen Wochenendzuschlag von 8 Euro. Spahn wies darauf hin, dass die Impfungen schon anziehen. In dieser Woche seien mehr als 4,3 Millionen Dosen bestellt worden, eine Vervierfachung verglichen mit den vergangenen Wochen. Neben den Praxen gebe es wieder mehr als 170 Impfstellen und rund 600 mobile Teams.
Eine am Freitag verkündete Verordnung Spahns legt die Rückkehr zu kostenlosen "Bürgertests" auf breiter Front fest. Damit haben alle mindestens einmal pro Woche Anspruch auf einen Schnelltest durch geschultes Personal – auch unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus. Bescheinigungen können auch als Nachweis bei Zugangsregeln dienen.
Schnelltest (Symbolbild) - SNA, 1920, 12.11.2021
Ab Samstag wieder kostenlose Corona-Schnelltests für alle
Spahn sagte, in Pflegeheimen sei dringend eine Testpflicht für Personal und Besuche nötig - dies sei aktuell sinnvoller als eine Impfpflicht fürs Personal, da sich jetzt Geimpfte ebenfalls testen lassen sollten. Am Arbeitsplatz solle die 3G-Regel eingeführt werden.
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