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DIW-Ökonomin Kemfert sieht Russlands Mitverantwortung für Energiekrise – Video

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Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält Russland mitverantwortlich für die derzeitige Energiekrise in Europa. SNA News sprach mit Kemfert im Rahmen einer Video-Pressekonferenz über die Energiesicherheit Deutschlands, die Bedeutung von Erdgas sowie ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung.
Die derzeitige Energiekrise sei vor allen Dingen eine „Energiepreiskrise fossiler Energien“, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Video-Gespräch mit dem Verein der Ausländischen Presse (VAP). Dass die Preise gestiegen sind, habe zum einen mit der Weltkonjunktur zu tun, die „nach Corona“ gestiegen sei. Auch Nachholeffekte, die dabei aufgetreten seien, „führen eben zu steigenden Preisen bei Kohle, Öl und Erdgas“.
Doch es gebe auch Sonderfaktoren. Beim Erdgas sei es Russland, was in der jüngsten Vergangenheit seine Gaslieferungen gedrosselt habe: „Auch durch die wichtigen Pipelinerouten, wo man geopolitische Streitigkeiten hat. Und das hat dazu geführt, dass die russischen Gasspeicher in Europa auch nicht ausreichend aufgefüllt worden sind – im Gegensatz zu anderen Speichern“.
Das habe zu einer Verschärfung der Situation auf dem Gasmarkt geführt, weshalb insbesondere die Gaspreise angestiegen seien.

„Druck auf Russland erhöhen“

So sieht die DIW-Expertin auch den Bau der Pipeline Nord Stream 2 zwar kritisch, gleichzeitig rechnet sie damit, dass Deutschland auch künftig Erdgas aus Russland importieren wird. Und die Pipeline werde aller Voraussicht nach in Betrieb genommen, so ihre Einschätzung.

„Jetzt muss man auch nochmal die Genehmigungsverfahren durchlaufen – die Zertifizierung. Es muss sichergestellt sein, dass es dem EU-Recht entspricht. Das heißt auch, dass die ‚Unbundling‘-Kriterien erfüllt sein müssen, die da heißen, dass der Vertrieb und der Transport von Gas getrennt sein muss. Das gilt für Gazprom genauso. Das wird man jetzt prüfen“, erklärt die Ökonomin.

Deutschland müsse in dieser Zeit Druck auf Russland erhöhen, um die geopolitischen Streitigkeiten nicht weiter eskalieren zu lassen. Und gerade in Bezug auf die Ukraine müsse die Bundesregierung alles dafür tun, „dass die Gasversorgung erhöht wird – auch durch andere Pipelinerouten und damit auch die Gasspeicher entsprechend aufgefüllt werden“.
Jürgen Trittin - SNA, 1920, 26.10.2021
Russland für „Kälte-Krieg“ verantwortlich? Grünen-Abgeordneter Trittin geht auf SNA-Fragen ein

Energiewende als Ausweg aus der fossilen Energiepreiskrise?

Kemfert ist überzeugt, die Antwort auf die fossile Energiepreiskrise sei die Energiewende: „Gerade Öl und fossiles Erdgas wird ja im Gebäudeenergiebereich genutzt.“ Dort müsse alles dafür getan werden, dass die energetische Gebäudesanierung vorankommt. Die Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der „Leuphana“-Universität Lüneburg fordert zudem bei der Verkehrswende voranzugehen, insbesondere durch den verstärkten Weggang von fossiler Energie.

„Mehr Elektromobilität auf der Straße ist hier die Antwort. Und auch Verlagerung (auf die Schiene - Anm. d. Red.), Optimierung und auch Verringerung des Verkehrs ist hier die Aufgabe in Richtung Verkehrswende. Und das muss forciert angegangen werden.“

„Europa hat sich ambitioniertere Emissionsminderungsziele gesetzt – auch mit dem Fit for 55-Programm.“ Im Umkehrschluss bedeute dies vor dem Hintergrund des Pariser Klimaabkommens, „dass wir uns in den nächsten 15 Jahren vom fossilen Erdgas verabschieden müssen“. Sie verstehe, dass das Russland nicht gefallen werde, aber die EU werde von dieser Strategie kaum abweichen. Die Erreichung der Vollversorgung mit erneuerbaren Energien sei nach Berechnungen des DIW bis spätestens 2038 notwendig. Technisch ginge das, das Problem liege im politischen Willen.
Mit Blick auf die mögliche nächste Ampel-Koalition mit SPD, Grünen und FDP, glaubt die Wirtschaftswissenschaftlerin, dass es beim Ausbau der erneuerbaren Energien innerhalb der Parteien Ambitionen gibt, die deutlich größer seien als die in der Vergangenheit. Was das Energiesparen und die Verkehrswende anbetrifft, zeigt sie sich deutlich skeptischer. „Es sind ja auch dann vier Jahre, da darf man uns sicherlich nicht so viel erwarten. Aber wichtig wäre es, dass man zumindest bei einigen wichtigen Punkten schneller vorankommen“, verlangt die Wissenschaftlerin, die auch Mitglied bei „Scientists for Future“ (S4F) ist.

Berlin stellt sich hinter Moskau

Die deutsche Bundesregierung hatte bereits mehrmals die Vorwürfe zurückgewiesen, dass Russland und Gazprom die Gaszufuhr drosseln würden. „Unser Wissens- und Kenntnisstand ist aktuell, dass alle Gaslieferanten aktuell alle Lieferverträge erfüllen, also ist auch Gazprom bislang seinen vertraglichen Lieferverpflichtungen nach unseren Kenntnissen nachgekommen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert Mitte Oktober.
Selbst die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Russland angesichts hoher Gaspreise in Schutz genommen. Mit Blick auf die Vorwürfe einer Verknappung der Gaslieferungen aus Russland sagte sie am 6. Oktober: „Russland kann ja nur Gas liefern auf der Grundlage von vertraglichen Bindungen und nicht einfach so.“
Dr. Karin Kneissl - SNA, 1920, 04.11.2021
Rückblick mit Karin Kneissl
Rainer Seele, Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) appellierte jüngst an die neue Bundesregierung, auf Gas als Übergangstechnologie zu setzen und Nord Stream 2 schnell zu zertifizieren. „Erdgas bleibt der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende“, sagte der frühere CEO der Energiekonzerne OMV und Wintershall Dea am Dienstag.
Russland trage keine Schuld an den hohen Gaspreisen, betonte Seele. Viele Probleme seien vielmehr „hausgemacht“, weil Europa immer stärker auf elektronische Spotmärkte anstatt auf langfristige Lieferverträge setze. Dabei solle die EU endlich ihre Bereitschaft für engere Zusammenarbeit mit Russland in neuen Bereichen wie erneuerbare Energien und Wasserstoff klar zum Ausdruck bringen.
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