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Weg von Öl und Gas – Russlands Suche nach neuen Exportschlagern

© SNA / Evgeny Biyatov / Zur BilddatenbankMitarbeiter von RN-Purneftegaz (Archivbild)
Mitarbeiter von RN-Purneftegaz (Archivbild) - SNA, 1920, 11.11.2021
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Russland bleibt in hohem Maße vom Export von Energierohstoffen abhängig. Deshalb fördert die russische Regierung seit einigen Jahren gezielt andere Wirtschaftsbereiche mit Potential für den Export. Erste Erfolge stellen sich bereits ein.
Der Öl- und Gassektor stellte im Corona-Jahr 2020 zwar nur 15 Prozent des russischen Bruttoinlandsproduktes (BIP), 28 Prozent des föderalen Haushaltes und 45 Prozent der Warenexporte. Dieses Jahr werden entsprechende Zahlen aber wieder höher liegen. Der Grund: Der Durchschnittspreis für Urals-Öl, die für Russland relevante Marke, war im Zeitraum von Januar bis Oktober 2021 mit 67,5 US-Dollar um 65 Prozent höher als zwischen Januar und Oktober 2020, schreibt die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) in ihrem Morgentelegramm.

Nationales Projekt „Internationale Zusammenarbeit und Export“

Um den Nicht-Rohstoff-Export zu fördern und den Anteil verarbeiteter Industrie- und Agrargüter sowie des Dienstleistungssektors an der Bruttowertschöpfung zu erhöhen, hat die russische Regierung vor drei Jahren das Nationale Projekt „Internationale Zusammenarbeit und Export“ ins Leben gerufen. Schwerpunktmäßig für den Export gefördert werden sollen vor allem der Agrar- und der IT-Bereich. Konkret sollen bis 2024 folgende Kernziele erreicht werden:
Die Industrie-, Landwirtschafts- und Dienstleistungsexporte jenseits des Rohstoffsektors sollen nicht mehr 16 Prozent, sondern 20 Prozent zum russischen BIP beitragen;
Die Nicht-Rohstoff-Exporte sollen im Vergleich zum Referenzjahr 2018 wertmäßig um 85 Prozent auf 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr ansteigen;
Der Anteil von Maschinen und Anlagen an den Nicht-Rohstoff-Exporten soll bei steigenden absoluten Zahlen stabil bleiben (24 Prozent);
Der Wert exportierter Agrarrohstoffe und Lebensmittel soll auf 45 Milliarden US-Dollar erhöht und somit mehr als verdoppelt werden;
Verkehrs-, Lizenz-, IT- und Telekommunikations-, Bau-, Finanz- und Tourismusdienstleistungen sollen im Umfang von 100 Milliarden US-Dollar exportiert werden, 73 Prozent mehr als 2018.
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Erfolgsgeschichte Landwirtschaft

Tatsächlich finden russische Güter zunehmend Abnehmer im Ausland. Exemplarisch dafür stehen Agrarprodukte und Lebensmittel, die Russland im Corona-Jahr im Wert von 30 Milliarden US-Dollar ausführte. Das waren 19 Prozent mehr als 2019. Zwischen Januar und August 2021 setzte sich die Expansion fort: Die Agrargüterexporte beliefen sich auf 21 Milliarden US-Dollar, 15 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, wie die AHK berichtet.
Andererseits wurden im Corona-Jahr zehn Prozent weniger russische Maschinen und Anlagen sowie zwölf Prozent weniger chemische Erzeugnisse exportiert. Der Gesamtwert der Maschinenexporte betrug 25 Milliarden, der chemischer Erzeugnisse 24 Milliarden US-Dollar. Dieser Rückgang ist inzwischen jedoch mehr als aufgeholt: Maschinen wurden allein zwischen Januar und August 2021 im Wert von 19 Milliarden, Chemieerzeugnisse im Wert von 22 Milliarden US-Dollar ausgeführt. Dies entspricht einem Wachstum von 32 beziehungsweise 30 Prozent zum Vorjahr.

Erfolgsfaktoren

Das für das nationale Projekt zuständige Industrie- und Handelsministerium wie auch unabhängige Experten nennen folgende Faktoren für diese positive Entwicklung:
lokale Hersteller können im Rahmen von Programmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf attraktive Finanzierungsangebote zurückgreifen;
der grenzüberschreitende Warenverkehr wird schrittweise dereguliert, die Währungskontrolle liberalisiert;
Exporteure von Baustoffen für Auslandsprojekte, Waren unter Leasing-Verträgen, Informationstechnik und dazugehörigen Dienstleistungen sind von der Umsatzsteuer befreit;
die Beförderung von High-Tech-Produkten wird dank Verkehrssubventionen und Sondertarifen erschwinglicher.

Tourismus kann bisher vor allem bei Russen punkten

Die Bemühungen der russischen Regierung im Bereich der Außenwirtschaftsförderung tragen erste Früchte. Auch der Tourismus konnte trotz Corona-Pandemie angekurbelt werden. Hier verfolgt die Regierung einerseits eine gezielte Politik, damit Russen verstärkt Reiseziele innerhalb Russlands ansteuern. Zeitweise wurden im Corona-Frühjahr und –Sommer 2021 Inlandsflüge subventioniert und durch ein sogenanntes „Cashback“-Programm auch Inlandsreisen selbst: Der Staat erstattete bis zu 20 Prozent der Kosten beziehungsweise bis zu 20.000 Rubel (circa 220 Euro), wenn die Reise mit der russischen Geldkarte „Mir“ – einer nationalen Alternative zu Visa & Co – bezahlt wurde.
Der Palast von Kuskowo - SNA, 1920, 08.10.2021
Kuskowo – ein Moskauer architektonisches Kleinod aus dem 18. Jahrhundert
Für ausländische Touristen wurde mit Beginn des Jahres ein elektronisches Visum eingeführt, das einfach online beantragt werden kann. Aufgrund der Pandemie bleibt der erhoffte Ansturm ausländischer Gäste jedoch bisher aus.
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