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Kernkraft als russischer Exportschlager

© AP Photo / Christof StacheAtomkraftwerk (Symbolbild)
Atomkraftwerk (Symbolbild)  - SNA, 1920, 11.11.2021
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In Deutschland soll in zwei Jahren das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen, Russland hingegen möchte den Anteil des kohlenstoffarmen Atomstroms bis 2050 auf 25 Prozent steigern. Das flächenmäßig größte Land der Erde setzt nicht nur für den eigenen Bedarf auf Atomstrom, sondern exportiert die Technologie auch fleißig.
Die in Wien ansässige Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) prognostizierte im September, dass im Jahr 2030 zwischen 8,6 und 10,8 Prozent und im Jahr 2050 zwischen 6,3 und 12,3 Prozent des weltweit erzeugten Stroms mithilfe von Kernkraft erzeugt werden wird. In absoluten Zahlen könnten in den kommenden Jahren sogar bis zu 41 Prozent mehr Atomstrom eingespeist werden.
Aktuell beträgt der Anteil der Kernkraft an der weltweiten Stromerzeugung betrug im vergangenen Jahr 10,2 Prozent. In Deutschland lag dieser Wert etwas höher (11,3 Prozent), in Russland deutlich höher (20,6 Prozent).

Global Player Rosatom

Der vollständig in staatlicher Hand befindliche Atomkonzern Rosatom betreibt derzeit in zehn russischen Werken 36 Reaktorblöcke. Zwei weitere Reaktoren befinden sich in einem neuen Werk im Gebiet Kursk im Bau und sollen 2025-26 ans Netz gehen.
Im Ausland baut der Konzern mehr als dreißig neue Reaktoren in zwölf Ländern Asiens, Europas und Afrikas. Auf EU-Territorium handelt es sich um das dritte Kernkraftwerk Finnlands in Pyhäjoki im Norden des Landes mit einem Reaktor sowie um zwei Reaktoren für Paks, das einzige Kernkraftwerk in Ungarn, welches erweitert wird. Der Gesamtwert der laufenden Auslandsprojekte Rosatoms beläuft sich auf ungefähr 100 Milliarden Euro.
Rosatom ist somit der größte Akteur auf dem Markt für Atomkraftwerk-Neubauten in der Welt. Die Tatsache, dass die meisten dieser Exportprojekte mit russischen Krediten und im Endeffekt größtenteils aus dem russischen Staatshaushalt finanziert werden, trägt zu diesem Erfolg bei, wie die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) berichtet.
Rosatom gilt als ein weltweiter Technologieführer nicht nur bei Neubauten, Modernisierung und Betrieb von Kernkraftwerken, sondern auch beim Umgang mit radioaktiven Abfällen, der Wiederaufbereitung von Brennstäben, nuklearmedizinische Anwendungen, Windenergie- und Wasserstoffprojekte.
Gebäude der russischen Föderalen Agentur für Atomenergie (Archivbild) - SNA, 1920, 09.07.2021
Russlands Atomenergiebehörde: Terroristen wollten Zugang zu radioaktivem Material

Atomstrom nachhaltig?

Frankreich, Polen und mehrere andere Länder im Osten der EU setzen sich dafür ein, Atomstrom in Europa als nachhaltige Energiequelle anzuerkennen. Die amtierende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat Ende Oktober auf den gesellschaftlichen Konsens in Deutschland gegen die Atomtechnologie verwiesen und Atomenergie als „eine Scheinlösung“ für den Klimaschutz bezeichnet, die von „den echten Lösungen“ ablenke. Sie sei „mit ihren gefährlichen Risiken und ihrem Müll noch dazu das Gegenteil von nachhaltig“ und zudem zu teuer.

Trotzdem befürchtet etwa Sven Giegold, Europaabgeordneter der Grünen, dass es Frankreich und den osteuropäischen Ländern, die Kernenergie befürworten, gelingen könnte, auf EU-Ebene bereits im November ihre Einstufung als „grüne“ oder „graugrüne“ Technologie zu bewirken. Wenn dies geschieht, ist zu erwarten, dass auch Behörden und Unternehmen auch in Europa wieder mehr in neue Kernkraftwerke investieren. Aus russischer Sicht wäre eine solche Wende begrüßenswert, schreibt die AHK in ihrem Morgentelegramm.
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