Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

AHK-Präsident Seele: „Erdgas bleibt der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende“

© SNA / Stringer / Zur BilddatenbankGasförderbetrieb
Gasförderbetrieb - SNA, 1920, 11.11.2021
Abonnieren
Der Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) appelliert an die neue Bundesregierung, auf Gas als Übergangstechnologie zu setzen und Nord Stream 2 schnell zu zertifizieren.
Um die Energiewende zu schaffen, ist Erdgas aus Sicht von Rainer Seele, Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), unverzichtbar. „Erdgas bleibt der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende“, sagte der frühere CEO der Energiekonzerne OMV und Wintershall Dea.

„Der Ausstieg aus Kohle und Atomenergie wird nur gelingen, wenn Deutschland zumindest mittelfristig weiter auf Erdgas setzt.“

Russland nicht Schuld an hohen Gaspreisen

Der AHK-Präsident appellierte an die neue Bundesregierung in Deutschland, auf Russland als verlässlichen Energiepartner zu setzen und die Zertifizierung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 voranzutreiben, „um den aktuell hohen Gaspreisen in Europa entgegenzuwirken“. Nord Stream 2 trage zur dringend notwendigen Diversifizierung der Energieversorgung in Europa bei.
Russland trage keine Schuld an den hohen Gaspreisen, betonte Seele. Viele Probleme seien vielmehr „hausgemacht“, weil Europa immer stärker auf elektronische Spotmärkte anstatt auf langfristige Lieferverträge setze.
Russland und der russische Energiekonzern Gazprom hätten laut Seele in der Vergangenheit stets vertragstreu und zuverlässig Erdgas in die EU geliefert. „Die EU muss wieder auf mehrjährige Importverträge setzen, damit Gas in hohen Mengen und zu günstigen Preisen in Europa ankommt“, forderte der AHK-Präsident von Brüssel. Die EU solle endlich ihre Bereitschaft für engere Zusammenarbeit mit Russland in neuen Bereichen wie erneuerbare Energien und Wasserstoff klar zum Ausdruck bringen.
Europa müsse ein „Signal an Russland“ senden, dass es auch in Zukunft auf Erdgas setze. Umgekehrt müsse Russland ein unzweideutiges „Bekenntnis zu Europa“ abgeben. „Die wirtschaftliche Basis für Russland ist in Europa, daran ändere auch ein Flirt mit dem benachbarten China nichts“, sagte der AHK-Präsident.

Deutsch-russische Wasserstoff-Partnerschaft

Seele plädierte außerdem für eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland beim Wasserstoff. Deutschland als Europas größter Exporteur solle die Wachstumspotenziale erkennen, die sich aus einer Kooperation mit Russland ergeben können. Wasserstoff sei zweifelsohne der „Energieträger der Zukunft“, unterstrich der promovierte Chemiker. Dass die EU aber ausschließlich auf grünen Wasserstoff setze, der aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird, sei ein folgenschwerer „politischer Trugschluss“, warnte der AHK-Präsident.
In absehbarer Zeit werde nicht genug grüner Wasserstoff hergestellt, um die gewaltigen Mengen Strom zu produzieren, die für die Energiewende benötigt würden. In der Zusammenarbeit mit Russland biete blauer Wasserstoff „große Chancen“. Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas produziert, das freigesetzte CO2 kann unterirdisch klimaneutral gelagert werden.
„Blauer Wasserstoff ist CO2-neutraler Wasserstoff, auch wenn manche Politiker das nicht wahrhaben wollen, nur, weil er aus fossilen Energiequellen stammt“, sagte der AHK-Präsident. Russland als größter Flächenstaat der Erde besitze riesige Mengen Erdgas und genug Fläche für CO2-Lagerung. „Damit wäre Moskau der perfekte Partner für eine europäisch-russische Wasserstoff-Partnerschaft“, sagte Seele. In einem Positionspapier fordert die AHK, mit mehr als 1000 Mitgliedsunternehmen größter ausländischer Wirtschaftsverband in Russland, die Regierungen in Berlin und Moskau zu einem ersten deutsch-russischen Wasserstoff-Pilotprojekt auf. In einem weiteren Positionspapier engagiert sich die AHK für eine engere deutsch-russische Zusammenarbeit bei Nachhaltigkeit und Klima.

Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok

Auch abseits von Energiefragen appellierte Seele an eine Vertiefung der Beziehungen zwischen Ost und West. Die Idee eines gemeinsamen Wirtschaftsraums, der sich von Lissabon bis Wladiwostok erstrecken würde, hält der AHK-Präsident für eine „geniale Vision“. Russland würde sich dadurch langfristig nicht an China, sondern an Europa orientieren.
Im Rahmen der Initiative Lissabon-Wladiwostok engagieren sich die AHK und mehr als 100 europäische Unternehmen seit vielen Jahren für mehr Dialog zwischen der Europäischen Union und der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), einem Staatenverbund aus Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Belarus und Armenien. Die AHK veröffentlichte Mitte Oktober ein Positionspapier mit konkreten Vorschlägen für eine Annäherung zwischen EU-Kommission und Eurasischer Wirtschaftskommission und forderte die neue Bundesregierung dazu auf, die Idee in den Koalitionsvertrag aufzunehmen.
Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) ist die Vertretung deutscher Unternehmen in Russland und russischer Unternehmen in Deutschland. Mit 1000 Mitgliedsunternehmen ist die AHK der größte ausländische Wirtschaftsverband in Russland. Derzeit sind im russischen Markt 3.971 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung aktiv. Die deutschen Direktinvestitionen nach Russland betrugen zwischen 2018 und 2020 insgesamt rund fünf Milliarden Euro.
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала