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Tödliche Boots-Spritztour auf dem Gardasee – Prozess gegen Deutsche

© AP Photo / Gabriele StradaLuxus-Motorboot nach dem Unfall auf dem Gardasee
Luxus-Motorboot nach dem Unfall auf dem Gardasee - SNA, 1920, 10.11.2021
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Zwei Deutsche rasen in einer Juni-Nacht mit dem Luxus-Motorboot über den Gardasee. Sie rammen ein Holzboot, zwei Italiener sterben. In Brescia beginnt nun der Prozess. Gleich zu Beginn kam es zu einem emotionalen Aufeinandertreffen.
Zum Prozessauftakt um den tödlichen Motorboot-Unfall vom Gardasee ist es zur emotionalen Begegnung eines der angeklagten Deutschen mit den Hinterbliebenen gekommen. Der Münchner ging am Mittwoch nach einer kurzen Eröffnungssitzung im Gerichtssaal von Brescia zu den Eltern von Greta Nedrotti und bat um Entschuldigung. „Es tut mir von Herzen leid“, sagte er leise auf Italienisch.
Bei den vielen Angehörigen und Freunden der zwei getöteten Italiener überwog im Gerichtssaal die Empörung darüber, dass es fast fünf Monate dauerte, bis sich der Deutsche persönlich bei ihnen meldete. Sein ebenfalls angeklagter Freund erschien nicht zum Prozess.

Fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung

Zwei Deutsche waren den Ermittlungen zufolge im Motorboot über das Wasser gerast und gegen das Holzboot des italienischen Paares gekracht. Während Umberto (37) sofort tot war und die über Bord geschleuderte Greta (25) ertrank, fuhren die Münchner nach Salò und legten dort an. Eine Überwachungskamera filmte einen der beiden, wie er ins Wasser plumpste und davontorkelte.
Einige Details dieses furchtbaren Samstagabends am 19. Juni sind in den vergangenen Monaten bereits an Medien durchgesickert. Von diesem Mittwoch an werden die Ereignisse in einem Strafprozess in Brescia verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden deutschen Freunden fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung vor.
Eine  Flagge Griechenlands (Symbolbild) - SNA, 1920, 12.08.2021
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Kurzer Prozess

„Es ist unbeschreiblich, so verhalten sich nicht mal Tiere“, hatte der Vater von Greta Nedrotti in einem TV-Interview kurz nach dem Unfall über die Deutschen geschimpft. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Touristen nach Bayern zurückfahren dürfen, was in Italien für Empörung sorgte.
Als dann ein europäischer Haftbefehl ausgestellt wurde, stellte sich einer der beiden - der mutmaßliche Lenker an jenem Abend - der Polizei in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am Brenner. Er kam in Untersuchungshaft und dann in Hausarrest.
Anders als sein Kumpel - wohl der Besitzer des Luxus-Motorboots der prestigeträchtigen Marke Riva - ist er zum Prozessauftakt vor Gericht erschienen. Die Beweise scheinen eindeutig, in dem Fall geht es sofort mit dem Hauptverfahren los. In dem für extrem lange Prozesse bekannten Italien könnte ein Urteil also schnell fallen. Nach Auskunft von Raimondo Dal Dosso, Anwalt der Familie Garzarella, wurde jüngst eine Einigung über eine Entschädigungszahlung für die Familien erreicht. Wie viel eine deutsche Versicherung zahlt, verriet er nicht. Die Hinterbliebenen würden sich aber als Nebenkläger zurückziehen.

Betrunken und zu schnell

Vieles aus der Todesnacht hatten Ermittler bereits rekonstruieren können: Nach Aussagen von Zeugen - auch in Medien - seien die Deutschen am späten Abend nach einem Restaurantbesuch in San Felice del Benaco mit dem Boot losgefahren. Eine Überwachungskamera zeigte, wie die Riva - die mit Motoren mit Hunderten PS ausgestattet werden kann - durch die Nacht raste.
Das Boot hatte verbotenerweise die grellen Frontlichter an, wodurch die Sicht auf die Umgebung eingeschränkt war. Sachverständige errechneten, dass die Münchner mit dem Vierfachen der erlaubten Geschwindigkeit unterwegs waren.
Um 23:24 Uhr kam es dann vor dem Örtchen Portese zu dem tödlichen Crash: Auf den Videobildern ist ein kleiner Punkt zu sehen, das Boot des italienischen Pärchens. Dann nähert sich schnell ein großer, greller Punkt. Beim Aufprall hebt das Motorboot ab, bremst danach aber nicht.
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Die Deutschen gaben Medienberichten zufolge bei der Befragung der Polizei an, dass sie von Treibholz ausgegangen seien.

Beide Opfer chancenlos

Greta habe sich mit Umberto treffen wollen, um dann auf eine Party zu gehen, erzählte ihre Mutter der „Bild“-Zeitung im August. In der Nacht habe sie selbst vergeblich versucht, ihre Tochter zu erreichen. Erst am Morgen entdeckte ein Fischer Umberto tot in dem Boot. Taucher fanden Greta in knapp 100 Metern Tiefe am Grund des Sees.
Zunächst war vermutet worden, dass der jungen Frau hätte geholfen werden können, wenn die beiden Deutschen nach dem Aufprall umgedreht hätten. Ein Gerichtsmediziner stellte laut Medienberichten später aber fest, dass Greta ihren Verletzungen auf jeden Fall erlegen wäre.
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