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Springer-Verlag verlangt Offenlegung von Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz

© Depositphotos / KrisCole Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz
Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz - SNA, 1920, 10.11.2021
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Der Medienkonzern Axel Springer will bis Jahresende ein Regelwerk mit Informationsstandards zu innerbetrieblichen privaten Beziehungen erstellen. Liebesbeziehungen unter Angestellten sollen der Personalabteilung mitgeteilt werden.
Das bestätigte das Medienhaus in Berlin am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, zuvor hatte die Zeitung „Financial Times“ berichtet. Im Kern geht es nach Angaben des Konzerns darum, dass der Arbeitgeber über Liebesbeziehungen informiert wird, bei denen ein Interessenkonflikt bestehen könnte, etwa bei Abhängigkeitsverhältnissen zwischen Vorgesetzten und direkt untergebenen Kollegen. Hintergrund sind auch Konsequenzen aus früheren Ermittlungen gegen Ex-„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt im Frühjahr.

Liebesbeziehung Personalabteilung mitteilen

Es soll keine generellen Verbote von Beziehungen geben, aber Mitarbeiter sollen in bestimmten Fällen, also bei Interessenkonflikten, verpflichtet werden, über Beziehungen zu informieren, wie es weiter vom Unternehmen hieß. Denkbar wäre zum Beispiel eine Vertrauensperson im Konzern oder eine zuständige Stelle in der Compliance- oder der Personalabteilung, die diese Informationen entgegennimmt. Die Privatsphäre solle möglichst gewahrt bleiben.
Das Ganze soll helfen, einem möglichen Missbrauch von Abhängigkeitsverhältnissen oder möglichen Ungerechtigkeiten in einer Abteilung durch Beziehungen und Nachteilen für Dritte entgegenzuwirken. Dabei wolle man internationale Standards festlegen, die für alle Länder gelten. Das Unternehmen beschäftigt rund 16.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auslöser MeToo

In einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sagte Döpfner: „Schon vor vier Jahren wollten wir, unter dem Eindruck der MeToo-Bewegung in den USA, auf meine persönliche Initiative hin eine Regel verabschieden, die Mitarbeiter verpflichtet, Liebesbeziehungen in einer Hierarchie offenzulegen. Aber das wurde von unserem damaligen Betriebsrat vehement abgelehnt. Unsere Arbeitnehmervertreterinnen zögern bis heute, eine solche Regel einzuführen.“ Er hoffe, bald zu einem konstruktiven Ergebnis zu kommen.
Der Prozess wurde laut Springer nach Abschluss des Compliance-Verfahrens gegen Reichelt neu gestartet. Im April habe der Vorstand beschlossen, dass eine solche Regelung eingeführt werden solle. Seither sei man in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern.
Axel Springer (Archivbild) - SNA, 1920, 25.10.2021
Drohschreiben und fragwürdige Entschuldigungen – Wie Springer mit der Causa Reichelt umgeht

Causa Reichelt

Mitte Oktober hatte Springer „Bild“-Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben entbunden. Anlass waren Presserecherchen, die auf einem internen Verfahren gegen Reichelt aus dem Frühjahr aufbauten. Nach Springer-Angaben standen damals im Kern der Untersuchung Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Der Konzern kam zum Schluss, dass Reichelt seinen Posten behalten sollte. Mitte Oktober hieß es dann von dem Medienhaus: „Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat.“
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