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200. Geburtstag von Dostojewski: Der Mensch ist ein Rätsel und es muss gelöst werden

© SNA / Ramil SitdikowDenkmal für Fjodor Dostojewski in Moskau, Russland
Denkmal für Fjodor Dostojewski in Moskau, Russland - SNA, 1920, 10.11.2021
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Am 11. November begeht die gesamte literarische Welt den 200. Geburtstag des Klassikers der Weltliteratur Fjodor Dostojewski. Zu seinen Lebzeiten etablierte er sich als einer der wichtigsten Schriftsteller Russlands, nach seinem Tod begann ein Siegeszug seiner Werke um die Welt. Dostojewski gehört zu den Top 3 der beliebtesten russischen Autoren.
Dostojewski (1821-1881) war ein verzweifelter Spieler und ein Mann, der große Höhen und Tiefen erlebt hat. Er stieg rasch in den literarischen Olymp auf, landete aber bald in der Zwangsarbeit, von der es keine Rückkehr in die gehobene Gesellschaft gab. Aber die Rückkehr gelang ihm trotzdem. Er verspielte das Geld, das er durch seine großartigen verdiente und schrieb weitere großartige Romane, um Schulden zu begleichen. Dostojewski ist der einzige Schriftsteller der russischen Literatur, der vom Sträfling zum Nationalgenie aufgestiegen ist.
Zusammen mit anderen Mitgliedern des Geheimbundes – jungen Literaten und jungen Offizieren – wurde Dostojewski zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe wurde jedoch im letzten Moment durch Zwangsarbeit ersetzt. Zehn Jahre später hat der Zar die Bestraften begnadigt. Dostojewski kehrte aus Omsk nach Petersburg zurück und veröffentlichte nach einiger Zeit in der Zeitschrift ‚Wremja‘ seine „Notizen aus dem Totenhaus“ (1860-1861). Die Geschichte wurde zu einem einzigartigen Werk für die russische Gesellschaft jener Zeit – zum ersten Mal wurden Sträflinge Helden eines Werkes – und gab dem Schriftsteller seinen Ruhm zurück.
© Depositphotos / GastelloDie Werke von Fjodor Dostojewski
Die Werke von Fjodor Dostojewski - SNA, 1920, 10.11.2021
Die Werke von Fjodor Dostojewski
Dostojewski unternahm eine Reise nach Europa, wo ihn die Spielsucht übermannte. In der Spielbank Wiesbaden verlor er so viel, dass er sogar beim Besitzer des Hotels Schulden aufnahm. Um diese zurückzuzahlen, unterzeichnete er einen Vertrag für ein neues Werk. So entstand der berühmte Roman „Der Spieler“, der zum Teil autobiografisch ist.
In den „Dämonen“ entfaltet Dostojewski nahezu hellseherische Fähigkeiten. In einer Ballszene beschreibt er einen der Revolutionäre, in dem der zukünftige Führer der Bolschewiki, Lenin, antizipiert wird: „Er war klein von Statur, etwa vierzig, kahl, mit gräulichem Bart, anständig gekleidet. Aber das Interessanteste war, dass er bei jeder Drehung seine rechte Faust hochhob, sie in der Luft über seinem Kopf schwang und schlagartig senkte, als hätte er einen Gegner zerschmettert.“
In Europa wurde Dostojewski schon vor der Veröffentlichung von Übersetzungen seiner berühmten Romane „Verbrechen und Strafe“, „Der Idiot“, „Die Dämonen“, „Der Jüngling“ und „Die Brüder Karamasow“ bekannt. Seine Romane wurden häufiger ins Deutsche, aber auch ins Englische und ins Französische übersetzt und veröffentlicht. Im Mai 1879 wurde der Schriftsteller zum Internationalen Literaturkongress in London eingeladen, wo er zum Mitglied des Ehrenkomitees der Internationalen Literaturvereinigung gewählt wurde. In der aus London an Dostojewski gesandten Mitteilung über das Ereignis wurde der russische Schriftsteller als einer der berühmtesten Vertreter der modernen Literatur bezeichnet.
Deutsch-Russische „romantische Familie“ zeigt Träume von Freiheit - Ausstellung in Tretjakow-Galerie - SNA, 1920, 28.04.2021
Deutsch-russische „romantische Familie“ zeigt Träume von Freiheit – Ausstellung in Tretjakow-Galerie
Zu den ersten Veröffentlichungen von Dostojewskis Werken in Fremdsprachen gehören Auszüge aus dem Roman „Arme Leute“ – übersetzt ins Deutsche von Wilhelm Wolfsohn – die 1846-1847 in einer Sankt-Petersburger Zeitung veröffentlicht wurden. Dem russischen Philologen und Professor an der Lomonossow-Universität Moskau, Jegor Sartakow, zufolge, zeichnet sich russische Literatur durch eine erhöhte Aufmerksamkeit für den kleinen Mann aus. Und das ziehe das ausländische Publikum an den Werken Dostojewskis an.
„Im 20. Jahrhundert sagte Thomas Mann, die russische Literatur sei heilig in ihrer Menschlichkeit. In diesem Zusammenhang sind ‘Arme Leute’ nach wie vor sehr beliebt. Für ein Verständnis der Werke Dostojewskis ist es problematisch, gleich mit den großen Romanen zu beginnen. Einen besseren Start bieten die Novellen oder Kurzgeschichten oder Romanfragmente. Wenn wir Dostojewski lesen, lernen wir uns selbst kennen. Es überrascht, dass Dostojewski – noch 17 Jahre alt – in einem seiner Briefe an seinen Bruder Michail schrieb: Der Mensch ist ein Rätsel, es muss gelöst werden. In diesem Sinne geht es in Dostojewskis Werken nicht um Russland, nicht um das 19. Jahrhundert, sondern um alle Zeiten, um jeden Menschen“, so Jegor Sartakow.
Dostojewskis Schaffen hatte nicht nur im 19., sondern auch im 20. Jahrhundert einen enormen Einfluss auf die Weltkultur. Die großen Meister bewerteten seine Werke auf unterschiedliche Weise. Nabokow und Bunin fanden, er habe kein Schreibtalent gehabt. Nietzsche nannte Dostojewski den einzigen Psychologen, bei dem er gelernt hatte. Einstein hielt „Die Brüder Karamasow“ für das größte Buch, das er gelesen hatte, und Papst Benedikt XVI. zitierte Dostojewski in seinen Enzykliken.
Dostojewski-Porträt von Wassili Perow - SNA, 1920, 11.01.2021
„Die Deutschen sind unendlich dumm“: Der Auftakt des Dostojewski-Jahres in der „NZZ“
Der Präsident der Internationalen Dostojewski-Gesellschaft, Wladimir Sacharow, stellte im Zusammenhang mit dem Jubiläum des Schriftstellers fest, dass Dostojewski derzeit einer der am besten untersuchten Schriftsteller ist. Die Bibliographie der Studien zu seinem Schaffen wird jährlich durch die Veröffentlichung Dutzender Monographien und Hunderter Artikel auf der ganzen Welt ergänzt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sind in russischen Verlagen fast vierhunderttausend Exemplare von Dostojewskis Werken erschienen. Nach Angaben der Russischen Buchkammer belegte Dostojewski hinsichtlich der Gesamtauflage der Veröffentlichungen den ersten Platz unter den russischen Klassikern und modernen russischen Schriftstellern. Die UNESCO erklärte 2021 zum Dostojewski-Jahr in der Welt und zählt Dostojewski zum Pantheon der großen russischen Schriftsteller. 1999 war Puschkin-Jahr, 2009 das Jahr Gogols, und es wurde bereits angekündigt, dass 2028 das Jahr von Lew Tolstoi sein wird.
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