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„Was ist denn das für eine neue Religion?“: Wolf Biermann über die Angleichung zwischen Ost und West

© SNA / Alexey Vitvitsky / Zur BilddatenbankBerliner Mauer
Berliner Mauer  - SNA, 1920, 09.11.2021
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Der Autor Wolf Biermann sieht in unterschiedlichen Wahlergebnissen, Sichtweisen und Einschätzungen zwischen Ost und West kein Problem. Das machte er gegenüber der „Deutschen Presse-Agentur“ (DPA) deutlich.
„Wieso muss es sich eigentlich angleichen? Was ist denn das für eine neue Religion?“, sagte der Liedermacher vor seinem 85. Geburtstag (15. November) der DPA. „Ich habe nichts dagegen“, so Biermann. Er wisse, dass die Menschen „durch ihre eigenen Erfahrungen, mit ihrem eigenen Körper, mit ihrer eigenen Seele, mit ihrem eigenen Verstand geprägt werden“.
So wies er darauf hin, dass es unterschiedliche Erfahrungen in beiden Teilen des Landes gebe. „Die Ostdeutschen haben eben das Pech, dass sie nicht eine Diktatur hinter sich haben, sondern zwei Diktaturen.“ Das habe Folgen:
„Auch in einer Diktatur lernt man Sachen, die man später gut brauchen kann. Aber man lernt auf keinen Fall das, was man braucht, um in der Demokratie zu leben.“
Biermann erklärte im Gespräch mit der DPA, dass auch er seine eigenen Erfahrungen mit dem Systemwechsel zwischen DDR und BRD gemacht habe.
„Als ich in den Westen geschmissen wurde, 1976 ausgebürgert wurde, ging es mir geradezu komisch schlecht. Ich jammerte rum“, beteuerte der Künstler, der der Nachrichtenagentur zufolge nach einem Auftritt in Köln nicht mehr in den Osten zurückkehren durfte.
„Ich brauchte viele Jahre, um die Demokratie unserer Gesellschaft zu lernen.“ Die Bevölkerung in Deutschland habe schnell gelernt, dass sich Autobahnen, Häuser und Brücken relativ schnell wieder aufbauen ließen. „Aber die Verwüstungen in den Menschen sind komplizierter, komplexer und langwieriger“, betonte Biermann.
Er mahnte, es sei weiterhin Geduld notwendig. „Sonst ist man ja sein Leben lang enttäuscht im falschen Hoffen. Das heißt aber nicht, dass man sich abfinden muss mit dem Zustand, der verbessert werden muss. Aber man soll auch nicht hysterisch verzweifelt sein“, erklärte er gegenüber der DPA.
Gedenkstätte Berliner Mauer am 9. November 2021 - SNA, 1920, 09.11.2021
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