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Vorbereitet auf nächste Pandemie: Forschungszentren wollen breit wirksame Therapien entwickeln

© SNA / Maksim Blinov / Zur BilddatenbankImpfung mit "Sputnik V"
Impfung mit Sputnik V  - SNA, 1920, 09.11.2021
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Die Covid-19-Pandemie hat die Welt eiskalt erwischt. Die restriktiven gesellschaftlichen Maßnahmen waren auch die Folge fehlender Medikamente. Das soll nicht noch einmal vorkommen, finden zwei deutsche Forschungszentren und fordern eine Forschungsallianz, die breit wirksame Medikamente gegen mögliche künftige Pandemien jetzt schon entwickelt.
Die Covid-19-Pandemie hat die globalen Schwachstellen im Kampf gegen Pandemien offengelegt. Am Anfang blieb Akteuren aus der Politik nicht viel mehr übrig, als gesellschaftliche restriktive Maßnahmen zu verhängen, denn es fehlten sowohl die Impfstoffe, um Erkrankungen zu verhindern, als auch Medikamente, um sie zu behandeln.
Auch wenn in Rekordzeit Impfstoffkandidaten ermittelt und entwickelt waren, blieb die Therapie von schweren Verläufen lange Zeit ein großes Problem. Zunächst wurden bekannte antivirale Mittel etwa aus der Malariaforschung zweckentfremdet und gegen Covid-19 eingesetzt – mit mäßigem Erfolg. Daneben wurden Wirkstoffe verabreicht, die eine überschießende Immunreaktion drosseln sollten – was aber die Vermehrung des Virus nicht aufhält.
Erst jetzt kündigen sich ernsthaftere Kandidaten an, wie „Molnupiravir“, das einen Rückgang von Todesfällen von etwa um die Hälfte erreichen soll oder das jüngst angekündigte Medikament von Pfizer „Paxlovid“, das die Mortalität fast um 90 Prozent senken soll. Indessen sind schon über anderthalb Jahre vergangen, viele Menschen sind in diesem Zeitraum gestorben.
Damit das bei der nächsten Pandemie nicht passiert, schlagen das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) den Aufbau einer „Nationalen Allianz für Pandemie-Therapeutika“ vor. Da nicht klar ist, welcher Erreger das nächste Mal die Menschheit beschäftigen wird, soll due Allianz präventiv breit wirksame Therapien entwickeln.

Vorrangig Therapien gegen Influenza-, Corona- und Flavi-Viren

Während der Erreger zwar nicht bekannt ist, sind die Virenfamilien bekannt, die Pandemiepotenzial haben. Dazu gehören Influenzaviren, die für die Grippe-Erkrankung verantwortlich sind, Coronaviren, die schwere Atemwegserkrankungen (SARS) nach sich ziehen können sowie Flavi-Viren, die Krankheiten wie das Zika- und Dengue-Fieber auslösen.
Die Therapien gegen diese Erreger sollen umfassen:
Wirkstoffen, die direkt Strukturen des Virus attackieren
Hemmstoffe von Zellfunktionen, in die Viren eingreifen und die nicht überlebenswichtig sind
Wirkstoffe, die das Immunsystem Erkrankter sowie die Abwehrkräfte befallener Zellen gegen den Erreger mobilisieren
Künstlich produzierte Wirkstoffe, die die Immunabwehr imitieren wie Antikörper-Präparate; sowie in der Natur vorkommende Wirkstoffe, die etwa Bakterien im Kampf gegen Viren einsetzen
Therapien, die die Symptome lindern, etwa indem selbstzerstörerische Immunreaktionen durch sogenannte Modulatoren herrunterreguliert werden
Während Medikamente oftmals gezielt auf einen bestimmten Erreger hin entwickelt werden, soll die Allianz Stoffe ausfindig machen, die breit wirken. Wenn also aus einer Viren-Familie ein bestimmter Vertreter ausbricht und sich weltweit ausbreitet, dann wirkt der Wirkstoff auch gegen diesen, weil er gegen die gesamte Familie entwickelt wurde.

Hohe Vernetzung ist Voraussetzung

Solche Entwicklungen sind komplex und setzen, wie die Forschungseinrichtungen betonen, „eine strukturierte Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure aus Wissenschaft, Industrie, regulatorischen Behörden und Politik“ voraus, die auch über Ländergrenzen hinweg funktionieren soll. Es müssen schließlich Erreger an Instituten untersucht werden, Wirkstoffkandidaten erforscht werden und Studien durchgeführt werden, in denen diese Kandidaten als mögliches Medikament näher untersucht werden.

Lizenzen an Pharmaindustrie oder staatliche Institutionen

Die Pharma-Industrie ist ein möglicher Abnehmer für die Lizenzen – und damit auch Gewinne. Die Institutionen betonen, dass diese ihr Interesse bereits bekundet habe. Aber es ist nicht zwingend der einzige Abnehmer. Möglich ist ebenfalls eine Vergabe der Linzenzen an „übergeordnete nationale beziehungsweise europäische Organisationen“, wie es heißt. Als Beispiel führen die beiden Forschungszentren die US-Agentur „BARDA“ an, die die Forschung, Entwicklung und Bevorratung gewisser Medikamente unabhängig von der Pharmaindustrie zum Schutz der Bevölkerung übernimmt.

Nichts ist umsonst

Die Ausbeute an erfolgreichen Kandidaten dürfte bei 10 Forschungsprojekten bei zwei bis drei Wirkstoffen liegen, die sich tatsächlich als wirksam erweisen. Auch die Kosten skizzieren die Institutionen in ihrem Konzeptpapier: 15 Millionen Euro jährlich für die Schaffung und die Aufrechterhaltung einer funktionierenden Infrastruktur sowie 25 Millionen jährlich für unterschiedliche Projektkosten, zu denen auch die präklinischen Studien I und II zählen. Die Laufzeit setzen sie zunächst auf sieben Jahre an, was Gesamtkosten von 280 Millionen Euro bedeuten würde. Die Kosten für klinische Studien dagegen bemessen die Forschungszentren nicht, da diese gegenwärtig „nicht seriös abschätzbar“ seien.
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