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„Größte Risiken für Stabilität der Gesellschaften“: Facebook-Whistleblowerin im Europaparlament

© AP Photo / Matt McClainUS-amerikanische Informatikerin und Whistleblowerin Frances Haugen
US-amerikanische Informatikerin und Whistleblowerin Frances Haugen - SNA, 1920, 09.11.2021
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Die Whistleblowerin Frances Haugen hat vor dem Europaparlament Facebook vorgeworfen, Gesellschaften zu polarisieren und Gesundheit der Menschen aufs Spiel zu setzten. Facebook widerspricht den Vorwürfen unter anderem mit dem Verweis auf die letzte Bundestagswahl, wo „Parteien der demokratischen Mitte“ an Popularität gewonnen hätten.
Die ehemalige leitende Angestellte bei „Facebook Inc.“, Frances Haugen, bezeichnete die Algorithmen der Online-Plattform zum wiederholten Mal als „Gefahr für Demokratie und Gesundheit der Nutzer“. Forschungen der Datenschutzbehörde der Vereinigten Staaten zeigten Haugen zufolge, dass die „Entscheidungen von Facebook mit die größten Risiken für die Stabilität unserer Gesellschaften darstellen.“ Das sei ein immenses Problem, sagte Haugen bei ihrer Rede am Montag im Europaparlament.
Das sogenannte „Engagement-Based Ranking“, bei dem Inhalte auf die Reaktionen der Nutzer abgestimmt werden sollen, würden nach Erkenntnissen der Facebook-Kritikerin dazu verleiten, dass sich die Betreffenden mehr mit extremen Inhalten befassten. Dies würde Spaltungen in der Gesellschaft vertiefen. Das habe zur Polarisierung geführt und Gesellschaften in der gesamten Welt „unterminiert“. Die Plattform Facebook nutze Fehlverhalten aus und fördere dieses, bemängelte Haugen.
Sie warnte vor einer „inhärenten Gefahr“ durch derartige Algorithmen. Durch diese Praxis gebe man „einen viel größeren Teil des öffentlichen Forums dem extremsten, am meisten polarisierenden und spaltenden Inhalt“, warnte die Whistleblowerin. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kenne die Gefahr und habe die Risiken selbst bereits 2018 benannt, unterstrich die Informatikerin.
Zudem würden Werbeanzeigen finanziell begünstigt, die lebhaftere Reaktionen erzeugten. Eine „aggressive, hasserfüllte, kontroverse politische Kampagne“ sei fünf- bis zehnmal billiger als eine, „die mit Empathie und Mitgefühl zu tun hat", betonte Haugen. „Demokratien können nicht bestehen, wenn wir einander nicht als Menschen wahrnehmen können, wenn wir kein Mitgefühl und keine Solidarität untereinander haben können. Daher glaube ich, dass ein System wie dieses, das entzweiende Inhalte verstärkt, unsere Demokratien aushöhlt“, sagte die ehemalige Facebook-Angestellte.

Hoffnungen auf staatliche Regulierungen

Sie setzt große Hoffnungen in EU-Pläne, neue Regeln für Online-Konzerne zu entwickeln. So habe das Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) das Potenzial, global Maßstäbe zu setzen. „Dieser Rechtsakt kann Goldstandard für alle Staaten werden. Wenn wir Erfolg haben, können wir Technologie und Demokratie versöhnen und miteinander in Einklang bringen“, so Haugen.
„Aber das Gesetz muss stark formuliert sein und konsequent umgesetzt werden.“ Es gebe diese Chancen nur ein Mal pro Generation. Die EU könne Regeln etablieren, die Risiken durch Online-Plattformen eindämmen und zugleich die Redefreiheit schützen.
Die Regulierungsbehörden müssen in der Lage sein, entscheiden zu können, ob Entscheidungen bei Facebook verheerende Konsequenzen haben – oder nicht.“ Diese Informationen müsse das Unternehmen zur Verfügung stellen, forderte Haugen.

„Meta“ verweist auf Bundestagswahl 2021

Die ehemalige leitende Produktmanagerin bei „Facebook Inc.“ sammelte interne Unterlagen und legte diese dem US-Kongress, Behörden sowie ausgewählten Medien vor. Die Informationen belegen ihrer Ansicht nach, dass das Unternehmen Profite über das Wohl seiner Nutzer stellt. Der Konzern „Meta“, wie „Facebook Inc.“ seit seiner Umbenennung heißt, widerspricht den Vorwürfen vehement. Am 5. Oktober 2021 durfte sie im Zusammenhang mit den Anschuldigungen im US-Senat vorsprechen.
Die zunehmende Polarisierung, für das Social-Media-Unternehmen zur Verantwortung gezogen würden, sei in den letzten Jahren Gegenstand ernsthafter akademischer Forschung gewesen – „jedoch ohne großen Konsens“, schrieb die Vizepräsidentin für Inhaltsrichtlinien des Konzerns „Meta“, Monika Bickert am Sonntag. Sie widerspricht der Ansicht, dass Facebook oder andere soziale Medien im Allgemeinen die Hauptursache für die Polarisierung der Gesellschaften seien. Sie verweist dabei auf die jüngsten Wahlergebnisse in Deutschland und in den Niederlanden: „Facebook wird in diesen Ländern breit genutzt und Parteien der demokratischen Mitte gewannen an Popularität, während die Unterstützung für Parteien, die stärker spalteten, stagnierte oder abnahm“, so Bickert.
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