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„Kompromissmaschine“ nach Kanzlerschaft: Merkel will keine Politik mehr machen

© REUTERS / Fabian BimmerAngela Merkel trifft am 4. November 2021 im Museum "Deutsches Auswandererhaus" in Bremerhaven ein.
Angela Merkel trifft am 4. November 2021 im Museum Deutsches Auswandererhaus in Bremerhaven ein. - SNA, 1920, 08.11.2021
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Angela Merkel hat in einem Interview mit der Deutschen Welle (DW) am Sonntag gesagt, dass sie nach ihrem Rücktritt als Bundeskanzlerin keine Politik mehr machen wird. Was sie dann konkret unternehmen möchte, weiß Merkel noch nicht. Dafür will sie Abstand nehmen und eine Pause zum Nachdenken machen.
„Zu fragen, was ich danach mache: Ich werde danach keine Politik mehr machen“, erklärte Merkel. Jetzt wisse sie noch nicht, was sie nach dem Ausscheiden aus dem Amt machen werde. „Ich habe ja gesagt: Ich werde mich erstmal ein bisschen ausruhen und mal gucken, was mir so in den Kopf kommt“, sagte die geschäftsführende Kanzlerin.
„Es ist einfach so, dass ich doch jetzt viele Jahre sehr okkupiert war von der Agenda, die mir vorgegeben wurde, auch immer in Bereitschaft sein musste (…). Und jetzt gucke ich mal, was ich freiwillig gerne machen werde, und das wird sich aber erst in ein paar Monaten herausstellen.“
Sie sei nun in ihren letzten Amtstagen auf Abschiedsreisen. Auf der einen Seite sei sie froh, bald nicht mehr so in der Öffentlichkeit stehen zu müssen. „Aber ein kleines bisschen Wehmut wird sicherlich dann auch kommen, denn ich habe meine Arbeit immer gern gemacht“, so Merkel. Man müsse natürlich auch bis zum letzten Amtstag weiter aufmerksam sein, fügte sie hinzu.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivbild) - SNA, 1920, 30.10.2021
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Die Kanzlerin ging auch auf die Worte des luxemburgischen Premiers Xavier Bettel ein, der sie beim letzten EU-Gipfel als „Kompromissmaschine“ bezeichnete. Laut Merkel erzählte er ihr das wissend, dass sie natürlich keine Maschine sei, sondern wie er ein Mensch. „Aber ich habe mich eben immer um Kompromisse bemüht, auch wenn es lange gedauert hat. Wir haben aber meistens auch welche gefunden“, betonte die Kanzlerin.

Größte Herausforderungen

Persönlich am meisten herausgefordert fand sich Merkel durch den „Fluchtdruck aus Syrien und aus den umliegenden Ländern“, den sie ja ungerne als Krise bezeichne, weil „Menschen sind Menschen“. Hinzu komme jetzt auch die Corona-Pandemie. In den beiden Fällen habe man gesehen, „wie das die Menschen direkt betrifft, wo man es mit menschlichen Schicksalen zu tun hat“, erklärte Merkel.
Als eine Art Krise bezeichnete Merkel auch, dass immer mehr Menschen auf der Welt den Multilateralismus in Frage stellten: „Das war mir immer wichtig und ich habe immer versucht, die internationalen Organisationen zu stärken, den IWF, die Weltbank, die Welthandelsorganisation und andere“. Die habe sie jedes Jahr eingeladen und auch versucht, deutlich zu machen, dass man auf der Welt zusammenarbeiten müsse.
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Flüchtlingswelle 2015

„Ja, wir haben das geschafft!“, meinte Merkel in Bezug auf den Zustrom von 890.000 Flüchtlingen im Jahr 2015 nach Deutschland. Wirklich viele Menschen hierzulande hätten mit angepackt, darunter auch viele Bürgermeister und Ehrenamtliche, die heute noch Patenschaften hätten.
Markus Lanz (Archivbild) - SNA, 1920, 05.11.2021
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Sie räumte ein, es sei natürlich nicht alles ideal gelaufen. „Es gibt auch schlimme Vorfälle – wenn ich an die Kölner Silvesternacht denke, die sich da vielleicht eingeprägt hat“, so Merkel. Aber insgesamt hätte Deutschland wunderbare Beispiele von gelungenen menschlichen Entwicklungen, wie etwa Abiturienten und Ähnliches.
Laut der Kanzlerin gibt es aber noch vieles bei dieser Frage zu tun. Dazu gehörten etwa die Bekämpfung von Fluchtursachen sowie die Errichtung eines einheitlichen europäischen Asyl- und Migrationssystems. „Wir haben also noch keine selbst wirkende Balance, auch zwischen den Herkunftsländern und den Ankunftsländern“, resümierte die scheidende Kanzlerin.
„Und wir müssen noch sehr viel mehr machen an Entwicklungshilfe, an legaler Migration. Was ich bedauerlich finde, ist, dass heute die Schlepper und Schleuser eigentlich immer noch die Oberhand haben.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Abschiedsbesuch in Frankreich am 3. November  - SNA, 1920, 03.11.2021
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Afghanistan

Laut Merkel ist man „sehr traurig“, dass Deutschland trotz des langjähriges Einsatzes in Afghanistan es einfach nicht geschafft hätte, was man „mit bester Kraft“ deutscher Soldaten erzielen wollte, nämlich „eine selbst tragende politische Ordnung zu finden, in der Mädchen in die Schule gehen können, in der Frauen sich ihre Wünsche erfüllen können, in der Frieden herrscht“.
„Und trotzdem muss man akzeptieren: So gut die Absichten waren – wir haben es nicht vermocht, diese Ordnung (…) für Afghanistan zu schaffen. Da ist Deutschland nicht alleine schuld. Die Afghanen haben es aus sich aus auch nicht vermocht, und das ist einfach sehr, sehr bedauerlich“.
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