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Afghanistan
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Human Rights Watch: Taliban blockieren Entwicklungshilfe und verschlimmern so die Krise im Land

© REUTERS / JORGE SILVAAfghanische Mädchen vor der Universität Kabul
Afghanische Mädchen vor der Universität Kabul - SNA, 1920, 06.11.2021
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Die Vorschriften der Taliban*, die es den meisten Frauen untersagen, als Hilfskräfte zu arbeiten, verschlimmern die humanitäre Krise in Afghanistan. Das teilte die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ in ihrem Bericht vom Donnerstag mit.
Landesweite Beschränkungen bedeuten, dass die Hilfe weniger bedürftige Familien erreicht, insbesondere weiblich geführte Haushalte.
Das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten hielt die Vereinbarungen zwischen Hilfsorganisationen und den Taliban in jeder der 34 Provinzen fest und zeigte, dass nur in drei Provinzen Afghanistans Frauen als Entwicklungshelferinnen arbeiten dürfen. In mehr als der Hälfte des Landes sind weibliche Hilfskräfte strengen Beschränkungen ausgesetzt, wie zum Beispiel der Verpflichtung, dass ein männliches Familienmitglied sie während ihrer Arbeit begleitet, was es ihnen erschwert oder unmöglich macht, ihrer Tätigkeit effizient nachzugehen.
„Die strengen Beschränkungen der Taliban für weibliche Hilfskräfte verhindern, dass die dringend benötigte lebensrettende Hilfe die Afghanen erreicht, insbesondere Frauen, Mädchen und Haushalte, die von Frauen geführt werden“, schilderte Heather Barr, die stellvertretende Direktorin bei „Human Rights Watch“.
In der Provinz Badghis verbieten die Taliban den Helferinnen generell zu arbeiten. In den Provinzen Bamiyan und Daikundi dürfen sie nur Informationen über Bedürfnisse von Menschen sammeln, aber nicht in anderen Bereichen tätig sein, wie zum Beispiel bei der Bereitstellung der Hilfe.
In 16 weiteren Provinzen erklärten die Taliban, dass Helferinnen von einem männlichen Familienmitglied begleitet werden sollten, wenn sie sich außerhalb des Büros befänden. Die wichtigste Arbeit von Hilfskräften findet oft außerhalb des Büros statt, wo sie sich mit bedürftigen Menschen, einschließlich Frauen und Mädchen, treffen, ihre Bedürfnisse einschätzen und sicherstellen, dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie am dringendsten benötigen. Die Taliban zwingen Helferinnen dazu, dass sie begleitet werden und damit ein männliches Familienmitglied als eine zweite unbezahlte Arbeitskraft genutzt wird. Das alles trägt dazu bei, dass Frauen ihren Job aufgeben.
Auch die Art der Arbeit von Entwicklungshelferinnen haben die Taliban eingeschränkt. In elf Provinzen dürfen sie nur in Gesundheits- und Bildungsprogrammen arbeiten. Ihnen ist es untersagt, Essen und andere Bedarfsgüter zu verteilen oder Frauen und Mädchen zu unterstützen, die auf Gewalt gestoßen sind.
Seit der Rückkehr der Taliban haben Entwicklungshelferinnen Angst, zur Arbeit zu gehen, weil sie Schikanen am Arbeitsplatz und auf der Straße befürchten.
Afghanistan steht laut „Human Rights Watch“ vor einer verheerenden und sich rasch verschärfenden humanitären Krise. Zudem stehe die Wirtschaft des Landes vor dem Zusammenbruch, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Es ist davon auszugehen, dass die aktuelle afghanische Krise Frauen und Mädchen den größten Schaden zufügen wird. In den letzten 20 Jahren des Krieges in Afghanistan kamen über 100.000 Kämpfer ums Leben, viele von ihnen hinterließen Frauen und Kinder. Witwen hatten bereits vor der aktuellen Wirtschaftskrise ums Überleben gekämpft. Außerdem werden oft Frauen mit Behinderungen als eine zusätzliche Belastung für ihre Familien angesehen und sind einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt.
Darüber hinaus zeigen Umfragen des Welternährungsprogramms, dass über neun von zehn afghanischen Familien nicht genügend Nahrung für den täglichen Bedarf haben, wobei die Hälfte angab, dass ihnen in den letzten zwei Wochen mindestens einmal die Lebensmittel ausgegangen seien. Jeder dritte Afghane leidet bereits an akutem Hunger.
Zahl der Bedürftigen in Afghanistan

Die Zahl der Bedürftigen in Afghanistan ist gegenüber dem Vorjahr von 14,5 auf 18,4 Millionen Menschen gestiegen. Dies teilte die Bundesregierung im April 2021 unter Verweis auf das Büro der Vereinten Nationen (VN) für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Der humanitäre Bedarf in dem Land stieg demnach von 611,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2019 auf 1,3 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr.

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Die Gründe für den Anstieg von Hungernden sind die anhaltende Dürre, der Zusammenbruch öffentlicher Dienstleistungen, die schwere Wirtschaftskrise und steigende Lebensmittelpreise im Land.
Eine afghanische Schülerin in der Ishkashim High School für Mädchen (Archivbild) - SNA, 1920, 25.10.2021
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*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist
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