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„Wieder kein Plan?“ – Corona-Talks drehen sich im Kreis

© SNA / Magda Hibelli / Zur BilddatenbankCorona-Impfung
Corona-Impfung  - SNA, 1920, 05.11.2021
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Das Schlüsselwort in der Leitfrage des jüngsten „Maybrit Illner“-Talks – „Wieder Winter, wieder kein Plan?“ – traf den Charakter der Corona-Talkshows der letzten Monate. Wieder saßen die üblichen Stammgäste im Studio herum, um die alten Probleme zu besprechen, zu längst bekannten Schlüssen zu kommen und kaum realisierbare Ideen zu verbreiten.
„Wieder Winter, wieder kein Plan?“ – so lautete der Titel der Sendung. Mit dieser Frage an die Runde leitete die Talkmasterin auch ihre Sendung ein: „Wo ist eigentlich der Plan?" Die Zuschauer, die sich an diesem Donnerstagabend der naiven Hoffnung hingeben sollten, einen konkreten Plan zur Corona-Bekämpfung in Deutschland zu hören, mussten ein weiteres Mal eine bittere Enttäuschung erfahren. Was den Zuschauern geboten wurde, war eine Wiederholung längst bekannter Fakten und eine Anreihung kaum realisierbarer frommer (und weniger frommer) Wünsche.

"Das führt zu unnötigen Todesfällen"

Zum zigsten Mal wurde etwa das Thema Alten- und Pflegeheime angesprochen. Problem: Ein beachtlicher Teil des Pflegepersonals ist immer noch nicht geimpft. Diesen Menschen mit einer Impflicht zu drohen wäre aber kontraproduktiv, so Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, weil „dann vielleicht ein Teil gar nicht mehr zur Arbeit kommt“.
Der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun fügte hinzu, die Situation mit den besonders gefährdeten Gruppen „ist dieses Jahr noch ärgerlicher als im letzten“. Und stellte fest: „Das führt zu unnötigen Todesfällen.“ Was der Minister als „nötige Todesfälle“ einstuft, erläuterte er leider nicht.
Oma (symbolbild) - SNA, 1920, 28.09.2021
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„Da muss die Politik mutig sein“, hakte der CDU-Landrat Stephan Pusch ein. Ein Impfnachweis für das Personal müsse Pflicht sein. „Ich weiß gar nicht, warum wir hier immer um den heißen Brei herumrudern!“
Ein noch größeres Problem seien aber die restlichen 15 Millionen Erwachsenen, die noch nicht geimpft seien, und die, so Gassen, „betonharte“ Impfverweigerer seien.
Wenn wir nicht diese Menschen noch zur Impfung bekommen, und ich bin mittlerweile sehr skeptisch, dass wir die noch in großer Zahl erreichen, dann werden wir erleben: Die werden sich wahrscheinlich alle bis zum Frühjahr mehr oder weniger infizieren", konstatierte der Kassenärzte-Chef.
„Das ist das Ärgerliche“, stimmte ihm Helge Braun mit einem Seufzer zu. „Wenn die sich impfen lassen würden, wäre der Winter entspannt."

"Ich habe nur gesagt, was ich nicht sagen würde"

Dann kam von ihm Kritik am Regierungskollegen und Parteifreund Jens Spahn (CDU). Der geschäftsführende Gesundheitsminister habe mit seiner Ankündigung, die epidemische Lage in Deutschland am 25. November für beendet zu erklären, „ein falsches Signal“ gegeben. „Was wir jetzt machen müssen, ist die Dringlichkeit der Situation deutlich zu machen."
Nun ja, wenn die Regierung diese Dringlichkeit bisher nicht deutlich genug gemacht hat, ist dies doch ein Versäumnis der scheidenden Regierung, oder? Statt Selbstkritik zu üben, attackierte aber Braun die Ampel-„Koalitionäre“, die „die ganze Zeit betonen, es sind nur noch milde Eingriffe nötig, es ist eine auslaufende Pandemie, das geht jetzt nur noch bis März und das sind nur noch nachlaufende Effekte“.
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Der einzige Vertreter der „Koalitionäre“ an der Talkrunde, SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der dazu noch als Kandidat für das Amt des Gesundheitsministers einer Ampel-Regierung gehandelt wird, ließ sich diesen Vorwurf natürlich nicht gefallen. „Ich finde es schade, dass Sie jetzt sagen, die Ampel-Koalition ist schuld“, schlug er zurück. „Ich könnte jetzt zum Beispiel sagen, dass Jens Spahn mit seinem Vorpreschen uns unter Druck gesetzt hat. Aber ich sage das gar nicht.“
Aber Sie haben das gerade gesagt“, merkte Maybrit Illner. „Nein, das habe ich nicht gesagt“, erwiderte Lauterbach. „Ich habe nur gesagt, was ich nicht sagen würde.“
Dieses kurze Geplänkel war auch der einzige Abschnitt der gesamten Talkshow, der einen gewissen Unterhaltungswert hatte. Der Rest der Sendung war hauptsächlich banalen Feststellungen („Die Jüngeren erkranken nicht so schwer, die Älteren erkranken sehr schwer“) und kaum realisierbaren Vorschlägen („Impfpflicht!“) gewidmet. Gassen fasste diesen sich ewig drehenden Kreis an Banalitäten wie folgt zusammen: „Bei dieser Monothematik der letzten Monate müsste eigentlich jeder alles über Corona wissen.“ Fürwahr.
Am Freitagmorgen kam aber die Meldung, dass der Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn im Laufe des Tages einen "neuen Kurs" im Kampf gegen das Virus verkünden will. Die Teilnehmer der Talk-Runde erwähnten das mit keinem Wort - dabei wäre es eigentlich eine Antwort auf die Leitfrage der Sendung gewesen. Wenn sie nichts davon gewusst haben, hat die "Maybrit Illner"-Redaktion hinsichtlich der Einladung kompetenter Gäste ein Problem.
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