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„Lieber Thomas“: Albrecht Schuch grandios als Rebellen-Autor Brasch

© CC0 / Bru-nO / PixabayKinosaal (Symbolbild)
Kinosaal (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.11.2021
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Thomas Brasch war ein Dagegen-Schreiber. Einer, der sich mit dem Gewöhnlichen nicht zufriedengab und ständig das Neue ersehnte. „Lieber Thomas“ ist ein Film über dessen (literarische) Radikalität.
„Hier wird Brot nicht mit dem Messer geschnitten, sondern mit dem Beil abgehauen.“ Bereits im Vorwort seiner einzigen in der DDR veröffentlichten Gedichtsammlung „Poesiealbum 89“ zeigt sich die maßlose Wucht des deutsch-deutschen Dichters Thomas Brasch.

Ein fulminantes Schwarz-Weiß-Biopic

Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dessen Tod kommt nun mit „Lieber Thomas“ ein fulminantes Schwarz-Weiß-Biopic in die Kinos – angelehnt an das Leben des Schriftstellers, Drehbuchautoren, Übersetzers und Regisseurs. Albrecht Schuch, der jüngst glänzende Rollen in „Fabian“ oder „Schachnovelle“ hatte, zeigt den rebellischen Dichter mit heftiger Verve. Als erdenden Gegenpol spielt Jella Haase („Fack ju Göhte“) mit wunderbarer Ursprünglichkeit seine Partnerin Katarina (im wahren Leben die Schauspielerin Katharina Thalbach).
Der 1945 in England als ältester Sohn jüdischer Eltern geborene Brasch ist einer, der stets aneckt. Während sein Vater (im Film: Jörg Schüttauf) in der DDR Karriere macht, gerät der Sohn ins Visier der Stasi. Die Mutter (Anja Schneider) verkümmert derweil in der Berliner Plattenbauwohnung an der Kleinheit des sozialistischen Staates. „Die Welt ändert sich, aber nicht, wenn man sich damit zufrieden gibt“, sagt Brasch. Das Verhältnis zum Vater ist zeitlebens zerrüttet.

Publikum „mit der Axt erwecken“

Mit der Filterlosen im Mundwinkel und offenen, zuweilen manischen Augen spielt Schuch seinen Brasch als einen wahrhaft Besessenen. Als einen Unbeugsamen, der das Überschäumende sucht – in der Literatur, in der Liebe, im Leben. „Man darf das Publikum nicht langweilen, man muss es mit der Axt erwecken“, sagt er. Weil sein Buch „Vor den Vätern sterben die Söhne“ in der DDR nicht erscheinen kann, reisen Thomas, Katarina und deren Tochter 1976 nach West-Berlin aus.
„Abschied von morgen, Ankunft gestern, das ist der deutsche Traum“, sagt Brasch dort. Das Koks zieht er sich durch einen 100-Mark-Schein mit dem Konterfei von Karl Marx. Im Wechselspiel aus Literaturbetrieb und Schreibarbeit findet der Dichter auch im Westen keine Erfüllung.

„Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“

Unterbrochen wird die Handlung von Traumsequenzen, in die sich teils Motive aus Braschs Werken wie dem Film „Engel aus Eisen“ oder der Geschichte vom „Mädchenmörder Brunke“ flechten. Was ist real, was passiert im Kopf? „Lieber Thomas“ nimmt sich viele Freiheiten heraus und bleibt nicht starr an der gesicherten Biografie hängen.
Die Kamera bleibt ganz nah an den Protagonisten. Mit unterlegten Jazz-Variationen fängt Regisseur Andreas Kleinert („Tatort“) die Stimmung eindrucksvoll ein. Immer wieder werden Brocken aus Braschs Gedichten rezitiert. Sie zeigen, welch bedeutender Schriftsteller er tatsächlich bis heute ist. Mit „Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“ endet eines davon. Bis zum Ende bleibt er ein Getriebener.
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