Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Es ärgert mich zu Tode“: Armin Laschets Scherben-Inventur im ARD-Talk

© AFP 2021 / INA FASSBENDERArmin Laschet
Armin Laschet - SNA, 1920, 04.11.2021
Abonnieren
In seinem ersten großen Interview nach der Wahlschlappe hat Armin Laschet Fehler eingeräumt, aber auch andere für seine Niederlage mitverantwortlich gemacht. „Ich hätte gern gewonnen“, gestand er. Seine Frau sei aber „erleichtert", dass er nicht Kanzler geworden sei. Genauso erleichtert dürften jetzt wohl auch viele Bundesbürger sein.
Armin Laschets Schicksal, wie es sich im zurückliegenden Jahr gestaltet hat, war zwar für eine William Shakespeares Tragödie nicht blutig genug, für ein Hollywood-Drama wäre der Stoff jedoch durchaus geeignet.
„Anfang des Jahres sind Sie 60 geworden“, so fing Sandra Maischberger das Gespräch an. „Sie sind Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, eigentlich ein Traumjob. Dann sind Sie Parteivorsitzender geworden, Kanzlerkandidat geworden und dann – alles weg in wirklich kurzer Zeit. Haben Sie das eigentlich schon verarbeitet?“
„Es war in der Tat ein turbulentes Jahr“, antwortete der gescheiterte Kanzlerkandidat mit leichtem Kichern. Nach all den Schicksalsschlägen wirkte Laschet am Mittwochabend im ARD-Studio recht entspannt. Anscheinend hat er mittlerweile eingesehen, dass er nicht mehr viel zu verlieren hat.

"Es ärgert mich zu Tode"

Während seiner Wahlkampagne seien „Fehler passiert, die nicht hätten passieren dürfen", gab er freimütig zu. Der schlimmste davon sei natürlich während der Flutkatastrophe in der Eifel gewesen, als er hinter dem Rücken des Bundespräsidenten während dessen Trauerrede gekichert und gefeixt hatte:
„Das ärgert mich bis heute. Glauben Sie mir, es ärgert mich zu Tode. Es darf nicht passieren."
Aber selbst für diesen fatalen Fauxpas findet Laschet mittlerweile eine Erklärung: Dies wäre nicht geschehen, hätte er zu dem Zeitpunkt neben Frank-Walter Steinmeier gestanden, was protokollarisch halt nicht vorgesehen war. Ähnlich klangen auch Erklärungen für andere Pannen: So manche Fernsehbilder von ihm seien „verfälscht“ gewesen, an anderen Stellen hätten seine Berater beziehungsweise sein Pressedienst versagt.
Armin Laschet - SNA, 1920, 06.10.2021
Armin Laschet wird „entsorgt“
Ob er der richtige Kanzlerkandidat gewesen sei, fragte die Moderatorin. Zu einem resoluten „Ja“ konnte sich Laschet nicht entschließen und schob die Verantwortung auf andere ab: „So wie der Bundesvorstand das eingeschätzt hat, war die Einschätzung, dass das so richtig ist.“ Das Wolfgang Schäuble seine Kandidatur angeschoben hätte, sei „eine Legende“.
Außerdem würde diese Frage „unterstellen, dass ein anderer der Superstar gewesen wäre, der gewonnen hätte“, fügte er hinzu – „Und den sehe ich nicht."

"Markus, warum sagst du jetzt wieder das"

Mit „Superstar“ war natürlich CSU-Chef Markus Söder gemeint, wer sonst. Dieser hätte bei Laschets Wahlkampagne mehr geschadet als geholfen, besonders mit so manchen zweifelhaften Äußerungen, meinte der scheidende CDU-Chef.
„Es war lange Zeit sehr gut, und ich habe ihm wirklich viel geglaubt“, so der geschlagene Kanzlerkandidat. „Aber dass im Wahlkampf solche Sätze nicht hilfreich sind, sagen inzwischen viele andere auch.“
Mehrmals habe Laschet den bayerischen Ministerpräsidenten angerufen und ihm vorgeworfen: „Markus, warum sagst du jetzt wieder das?“ Söder habe darauf stets geantwortet: „Nein, das ist falsch zitiert. So habe ich das gar nicht gesagt.“
„‚Mit dir verlieren wir die Wahl!’, sollen Sie Markus Söder direkt ins Gesicht gesagt haben“, behauptete die Talkmasterin. Laschet suchte ein paar Sekunden nach einer Antwort, formulierte diese dann aber eher plump, als diplomatisch: „Ich trage keine Interna nach außen.“

"Ich hätte gern gewonnen"

„Den Wahlkampf, die Kampagne habe ich zu verantworten und sonst niemand“, hatte Laschet noch vor wenigen Wochen vor einer Versammlung der Jungen Union erklärt. Bei „Maischberger“ klang es wieder anders: Der Wahlverlierer sprach von „sehr, sehr vielen Einflüssen“, die auf den Wahlkampf gewirkt hätten.
Nun steht aber Laschet vor einem Scherbenhaufen, und sein betont lockeres Auftreten im ARD-Studio – entspanntes Lächeln, offenes Hemd – kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sich selbst als ein Auslaufmodell empfinden sollte. Er verhehlt nicht, dass er dem aufgegebenen Amt des NRW-Ministerpräsidenten nachtrauert: „Das ist ein wirklich schönes Amt… Wenn man das dann abgibt, dann hat man Wehmut.“
CDU-Chef Armin Laschet (Archivbild) - SNA, 1920, 14.09.2021
Karrierefalle Kanzlerkandidat – Wohin mit Armin Laschet?
Auch der Traum von einer Jamaika-Koalition sei so gut wie ausgeträumt. Als einfacher Bundestagsabgeordneter wolle er nun „in der Außen- und Europapolitik arbeiten. Wo und wie, das wird sich dann zeigen.“ Träumt Laschet jetzt vielleicht doch von einem Botschafterposten in einem problemlosen Land, wie das bereits im Vorfeld seiner Wahlniederlage vermutet wurde?
„Ich hätte gern gewonnen“, gestand er zum Schluss des TV-Interviews. „Ich wäre jetzt lieber Kanzler und säße nicht in diesem Sessel, sondern bei Koalitionsverhandlungen.“ Seine Frau hingegen sei „ein Stück weit doch erleichtert", dass er nicht Kanzler geworden ist. Viele Bundesbürger dürften heute diese Erleichterung teilen. Nach diesem Interview erst recht.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала